„Madeiro negro“-Konzert in Romed-Klinikkapelle in Rosenheim: Dank und Trost vor leeren Rängen

Das Trio „Madeiro negro“ vor leeren Rängen in der Kapelle des Romed-Klinikums: (von links) Martin Kärcher, Pirmin Seebacher und Josef Wastlhuber.
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Das Trio „Madeiro negro“ vor leeren Rängen in der Kapelle des Romed-Klinikums: (von links) Martin Kärcher, Pirmin Seebacher und Josef Wastlhuber.

Die Besucherplätze blieben zwar leer, der – wenn auch vielleicht stille – Beifall dürfte aber groß gewesen sein: Das Trio „Madeiro negro“ hat jetzt in der Kapelle des Romed-Klinikums Rosenheim ein Konzert gegeben. Ein musikalisches Dankeschön an die Mitarbeiter.

Von Kilian Schroeder

Rosenheim Pirmin Seebacher gibt den Einsatz, dann beginnt das Konzert in der Klinikkapelle. Neben zwei Inventionen von Johann-Sebastian Bach standen jetzt Stücke von Felix Mendelssohn Bartholdy oder Robert Schuhmann auf dem Programm. Das Trio „Madeiro negro“ mit Martin Kärcher, Pirmin Seebacher und Dr. Josef Wastlhuber, hat schon öfter Konzerte in der Kapelle des Romed-Klinikums Rosenheim gegeben. Allerdings sind diesmal die Besucherreihen komplett leer.

„Musik kann nahe gehen“

„Musik kann nahe gehen“, sagt Wastlhuber, der als Arzt im Klinikum arbeitet. „Wir wollten mit dem Konzert einerseits den Mitarbeitern in der Corona-Krise danken und andererseits vielleicht dem ein oder anderen Patienten Trost spenden.“ Die Musiker spielen unentgeltlich und kamen mit der Idee selbst auf die Klinikverwaltung zu.

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Normalerweise sind die Konzerte im Klinikum öffentlich. Da das aufgrund der Abstandsregelungen aber nicht möglich ist, organisierten die Haustechniker eine Liveübertragung in die Patientenzimmer. „So können wir die Musik ein bisschen transportieren“, erklärt Wastlhuber.

„Madeiro negro“ spielt schon seit 15 Jahren zusammen. Alle drei Rosenheimer Musiker beherrschen die Klarinette, und je nach Stück kommt auch mal das Klavier oder Fagott zum Einsatz. So empfanden die erfahrenen Musiker das Konzert vor leeren Rängen: „Man muss das neu lernen, neu hören und sich einfinden. Ich habe mir vorgestellt, dass Leute im Publikum säßen“, meint Wastlhuber.

„Es ist ein bisschen wie in der Probe“

„Es ist ein bisschen wie in der Probe“, urteilt Seebacher, der hauptberuflich als Elektrotechniker arbeitet. Kärcher fügt hinzu: „Ich fand es beklemmend, weil man weiß, warum keine Besucher da sind. Eigentlich sollten die Reihen voll sein.“ Der Musikpädagoge präsentierte auch eine eigene Komposition am Klavier.

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Die drei sind froh, wieder gemeinsam spielen zu können. Das gilt ebenso für die Klinikverwaltung. „Es ist super, wenn Kollegen wie Dr. Wastlhuber so viel Eigeninitiative zeigen“, lobt Elisabeth Siebeneicher aus der Pressestelle der Romed-Kliniken. Die Idee, die Technik zu nutzen, mit der normalerweise Gottesdienste über einen hauseigenen Fernsehkanal aus der Kapelle übertragen werden, sei besonders gut gewesen. „So ein Konzert ist ein wertvolles Angebot. Wenn es auch nur wenige Patienten sehen und es ihnen hilft, ist es schon ein Gewinn.“ Für die Mitarbeiter seien die Veranstaltungen im Klinikum ebenfalls etwas Positives.

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Trotz des fehlenden Live-Publikums trug das Trio Konzertkleidung, führte kurz in die Stücke ein und spielte hoch konzentriert. Ob es solche Konzerte weiterhin gibt, hängt sowohl von den Corona-Auflagen als auch von der Resonanz ab. „Wenn sich das wiederholt, wird es vielleicht ein Teil vom Alltag“, ist Kärchers Meinung.

Eine halbe Stunde zur Ruhe kommen

Das Konzert biete eine halbe Stunde Ruhe, ein Entkommen von allem, was im Krankenhaus über einem schwebt. „Es zeigt auch, dass dieser Ort belebt ist, dass hier Leute sind, die etwas machen“, so Wastlhuber. Beim Konzert wollten die Musiker mit sieben kurzen, einfachen Stücken die Zuhörer – wo auch immer im Haus – berühren und Trost spenden.

Nachdem die Zuhörer am mit Mendelssohns „Nocturne“ in die Nacht entlassen wurden, ist es ein schönes Gefühl, zu glauben, dass es Wastlhuber, Kärcher und Seebacher wenigstens ein bisschen gelungen ist.

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