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Lücken im Gedenken: Wie will Rosenheim mit Opfern des Nationalsozialismus umgehen?

Kleine Tafeln an Hausmauern: In München gibt es diese Form der Erinnerung. Gestaltet hat sie Professor Kilian Stauss, der in Rosenheim lehrt. DPA

In der Erinnerung leben Menschen fort. Auch jene, deren Leben im Nationalsozialismus als unwert galt. Die getötet wurden, weil sie den gesellschaftlichen und politischen Idealen des Dritten Reichs nicht entsprachen. Doch welche Form der Erinnerung ist die passende? Eine Frage, die ein Bündnis in Rosenheim aufgreifen und diskutieren möchte – nachdem die Idee der Stolpersteine in der Stadt bislang keine Zustimmung findet.

Rosenheim – „Stolpersteine für Rosenheim“ heißt das Büchlein, das entstanden ist, um mit Texten und Bildern an die sechs Stolpersteine zu erinnern, die der Künstler Gunter Deming im vergangenen Jahr im Landkreis Rosenheim gelegt hat. Die passenden Texte und Fotos haben die Mitglieder des Historischen Vereins Rosenheim und die „Initiative Erinnerungskultur – Stolpersteine für Rosenheim“ zusammengetragen.

Israelische Kultusgemeinde gegen Stolpersteine

Sie sind es auch, die sich Gedanken darüber machen, wie in der Stadt selbst der Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden kann – über die bereits bestehenden Formen hinaus. Denn seit sich die Stadt vor einigen Jahren gegen das Konzept der Stolpersteine entschieden hat, klafft nach Einschätzung der Initiatoren eine Lücke im individuellen Gedenken an die Stadtbewohner, die während der Zeit des Nationalsozialismus zunächst systematisch ausgegrenzt worden waren, dann, wenn sie konnten, flohen, später verfolgt, deportiert und getötet wurden.

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Diese Lücke im öffentlichen Gedenken könnten womöglich Stelen oder auch Erinnerungstafeln füllen, wie sie in München seit dem vergangenen Jahr aufgestellt und angebracht werden. Auf diese beiden Formen des Gedenkens hatte sich der Kulturausschuss der Stadt verständigt, nachdem seit Jahren kontrovers über das Konzept der Stolpersteine gestritten worden war. Nicht zuletzt die Israelische Kultusgemeinde hatte sich wiederholt gegen die kleinen vergoldeten Steine im Asphalt ausgesprochen.

Design-Entwurf eines Rosenheimer Professors

Die vom Münchner Designer Kilian Stauss entworfenen Stelen sind rund 1,80 Meter hoch, aus Edelstahl geformt und jeweils mit einer goldenen Hülse versehen. Die Tafeln wiederum haben eine Höhe und Breite von etwa zwölf Zentimeter. Auf vergoldetem Edelstahlblech finden sich je ein Text und ein Porträtbild zu einem der Opfer.

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Sowohl die Tafeln als auch die Stelen hat Stauss entworfen. Er ist in Rosenheim kein Unbekannter, lehrt als Professor für Interior Design an der Fakultät für Innenarchitektur an der Hochschule. Mit ihm habe man das Gespräch gesucht, sagt Karl-Heinz Brauner, Vorsitzender des Historischen Vereins Rosenheim und zugleich Mitglied in der „Initiative Erinnerungskultur – Stolpersteine für Rosenheim“.

Die gesamte Familie Block deportiert und ermordet

In Folge sei die Idee entstanden, beide Möglichkeiten für Rosenheim zu diskutieren. Und zugleich noch einmal die Idee der Umbenennung der Rosenheimer Mädchen-Realschule aufzugreifen. Ihr in Erinnerung an Elisabeth Block den Namen „Städtische Realschule für Mädchen Elisabeth Block“ zu geben, hatte in der Schulfamilie ebenfalls keine Zustimmung gefunden.

Elisabeth Block war dort in den 1930er-Jahren zur Schule gegangen. Sie war die älteste Tochter von Mirjam und Fritz Block. Ein jüdisches Ehepaar, das in Niedenburg eine Gärtnerei betrieb. Zur Familie gehörten zudem Elisabeths Geschwister Arno und Gertrud. 1942 wurde die gesamte Familie deportiert und ermordet. Erhalten aber blieb das Tagebuch von Elisabeth, das im Jahr 1993 veröffentlicht wurde. An das junge Mädchen, das nur 19 Jahre alt wurde, erinnert zudem ein Fenster in der Rosenheimer St. Nikolauskirche.

Hoffnung auf parteiübergreifenden Antrag im Stadtrat

Ihre Geschichte und das Nachdenken über Erinnerungsformen im öffentlichen Raum wollen die Initiatoren nicht nur wieder aufgreifen, sondern miteinander verbinden. Im Oktober sei eine Diskussionsrunde an der Schule geplant, sagt Brauner. Ein Abend, an dem alle Beteiligten, vor allem die Jugendlichen, darüber sprechen sollen, wie das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in der Stadt gestaltet werden kann.

Am Ende, so hofft Brauner, könnte ein parteiübergreifender Antrag der Stadtratsfraktionen stehen, in dem ein Konzept für eine weitreichendere Erinnerungskultur formuliert ist. Das Anliegen in die Hand nehmen und die Kommunikation mit den Stadträten anderer Fraktionen auf den Weg bringen, das will Karl-Heinz Brauner gerne übernehmen. Dann aber in seiner Funktion als Stadtrat der Grünen.

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