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Kein Corona-Opfer

Noch eine Ladenschließung in Rosenheimer Innenstadt: „Body & Strumpf“ macht nach 45 Jahren zu

Ein Ende nach vielen Jahren: Das alteingesessene Geschäft „body & Strumpf“ schließt Ende August. Die Inhaber Pauline und Peter Unterseer haben sich nach einem langen Hin und Her für diesen Schritt entschieden. Sie selbst wollten nicht mit aufs Bild.
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Ein Ende nach vielen Jahren: Das alteingesessene Geschäft „body & Strumpf“ schließt Ende August. Die Inhaber Pauline und Peter Unterseer haben sich nach einem langen Hin und Her für diesen Schritt entschieden. Sie selbst wollten nicht mit aufs Bild.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Nach 45 Jahren schließt in Rosenheim ein weiteres alteingesessenes Geschäft: Ende August macht der Bekleidungsladen „body & Strumpf“ zu. Die Corona-Krise ist nur zum Teil Schuld. Eine Geschichte über Strümpfe, fehlende Parkplätze und verloren gegangene Traditionen.

Rosenheim – Leggings, Herrenstrümpfe und Overknees: Pauline Unterseer kennt sich aus mit Socken. Seit 30 Jahren arbeitet die 58-Jährige in dem Geschäft „body & Strumpf“. Erst in einem zehn Quadrateter großen Laden gegenüber vom Bensegger, später am Max-Josefs-Platz 20.

Geschäft von der Mutter übernommen

Sie steht hinter der Kasse, berät ihre Kunden und setzt sich immer wieder mit den neusten Trends auseinander. Unterstützung bekommt sie dabei von ihrem Mann Peter (58). Er hat das Geschäft von seiner Mutter übernommen, die hier bereits im Jahr 1976 Socken verkaufte. „Sonst wären wir wahrscheinlich gar nicht in das Sockengeschäft eingestiegen“, ist sich das Ehepaar sicher. Bereut haben sie ihre Entscheidung nie.

Zu Beginn nicht immer einfach

Obwohl es – gerade zu Beginn – nicht immer einfach gewesen sei. „Viele haben mich am Anfang nicht ernst genommen“, erinnert sich Pauline Unterseer. Sie sei jung gewesen, habe sich die Anerkennung erst erarbeiten müssen. Doch nach und nach habe sie sich in Rosenheim und über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Sie weiß, wie eine Strumpfhose richtig sitzen muss, wann man durchsichtig und wann blickdicht tragen sollte und kennt die Tipps und Tricks, wie Kniestrümpfe perfekt halten.

Wertschätzung geht immer mehr verloren

Und doch hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. „Früher haben die Leute gleich zehn Strumpfhosen gekauft. Heute nehmen sie höchstens ein Paar mit“, sagt Pauline Unterseer. Hinzu komme, dass es mittlerweile in fast allen Bekleidungsgeschäften Socken, Strumpfhosen und Kniestrümpfe zu kaufen gebe.

Lesen Sie auch: Kein Stoff für die Zukunft: Nach 120 Jahren schließt Stoff-Reich am Mittertor (Plus-Artikel ovb-online.de)

Viele würden nicht mehr zu schätzen wissen, dass sie in dem kleinen Traditionsgeschäft am Max-Josefs-Platz die Stoffe anfassen und die verschiedenen Muster ganz genau begutachten können. „In anderen Geschäften sind zum Beispiel die Strumpfhosen immer eingeschweißt. Da ist das nicht möglich“, sagt Peter Unterseer.

Bunte Socken mit verschiedenen Motiven

Er steht im hinteren Teil des Ladens. Vor ihm liegen bunte Socken mit den verschiedensten Motiven. Es gibt Strümpfe mit Blumenmustern, Tierköpfen und Streifen. „Wir sind mit jedem Trend mitgegangen und haben immer das Neuste gehabt“, sagt der 58-Jährige. Doch auch das habe an der Situation nichts geändert.

Wirtschaftliche Lage ist Schuld

Nach einem langen Hin und Her hat sich das Paar dazu entschlossen, das Geschäft aufzugeben. Gründe gibt es mehrere. Die Corona-Krise sei nur zum Teil Schuld. „Es liegt an der wirtschaftlichen Lage“, sagt Pauline Unterseer. Viele junge Leute würden nicht mehr im stationären Handel einkaufen und lieber im Internet bestellen.

Lesen Sie auch: Im ehemaligen Stoff-Reich am Rosenheimer Mittertor gibt es ab September Brillen zu kaufen (Plus-Artikel ovb-onlinde.de)

Aber auch die fehlenden Parkplätze für Kurzzeitkundeneinkäufe, die hohen Mietpreise und die immer wiederkommenden Baustellen seien Gründe, warum es nach 45 Jahren nicht mehr weitergeht. Keine einfache Entscheidung, wie das Paar immer wieder betont: „Wir hängen sehr an dem Laden.“ Ganz aus dem Strumpfgeschäft verabschieden wollen sich die Unterseers trotzdem nicht.

Online-Geschäft bleibt bestehen

Ihr Online-Geschäft wird es auch weiterhin geben. Leggings, Herrenstrümpfe und Overknees werden also auch weiterhin eine große Rolle im Leben der beiden spielen. Nur eben nicht mehr in dem kleinen Geschäft am Max-Josefs-Platz. „Es war eine schöne Zeit, mit tollen Nachbarn und Kunden.“

Bedauern beim Gewerbeverband

Wie wichtig Traditionsgeschäfte für die Rosenheimer Innenstadt sind, weiß auch Sabrina Obermoser vom City-Management. „Traditionsgeschäfte sind mitunter das Gesicht einer Stadt.

Oft wird über Generationen hinweg das Unternehmen von Kindern übernommen“, sagt sie. Eine Meinung, der sich auch Anton Heindl, Vorsitzender des Rosenheimer Gewerbeverbands, anschließt. „Ich finde es bedauerlich, dass wieder ein altes, eingesessenes Fachgeschäft aufgibt“, sagt er.

Kundenverhalten ist Schuld

Schuld sei nicht die Corona-Pandemie, sondern das Kundenverhalten. „Viele legen zu wenig Wert auf einen persönlichen und kundenorientierten Service“, sagt Heindl. Er wisse, wovon er spreche. Seine Frau sei selbst jahrelang Kundin bei „body und Strumpf“ gewesen. Auch sie wird sich ab August nach einem neuen Geschäft umsehen müssen.

Seit der Corona-Krise hat es in Rosenheim nicht nur Schließungen, sondern auch etliche Neueröffnungen gegeben.

• BoBoQ Bubble Tea (Münchener Straße)

• Diashop (Heilig-Geist-Straße)

• Ernstings Family (Münchener Straße)

• Fleckenstein (Ludwigsplatz)

• India (Münchener Straße)

• Lively (demnächst in der Nikolaistraße)

• Raumwerk (Gilitzerstraße)

• Royal Donut (demnächst Ludwigsplatz)

• Salinoptik (Mittertor)

• Skingarden (Nikolaistraße)

• Tavola Pop Up Store (Kufsteiner Straße)

• Vintage & Design (Hafnerstraße)

• Kunstladen (Weinstraße)

• Friseur Zeno Hair Lounge (Münchener Straße)

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