Lichtblick in der Krise: Rosenheimer bieten Senioren ihre Hilfe an – OVB mit eigener Initiative

Jung für Alt:Unter dem Motto „Wir haben schulfrei und dadurch Zeit“ wollen Jugendliche älteren Menschen unter die Arme greifen. Das Bild ist zu einem frühen Zeitpunkt der Corona-Krise entstanden. Heute würde es so ein Bild wegen der Abstandsregelung natürlich nicht mehr geben. Zu sehen sind (von links, stehend:) Julia Summser, Josefine Schneider, Lisa Krumpholz, Antonia Priski, Emily Goethe, Laura Siebert, Dominik Meisl, (von links, vorne:) Jonathan Glasow, Michi Englisch und Ellen Beck. re
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Nachbarn rücken enger zusammen, in den sozialen Medien ist die Solidarität groß: Die Hilfsbereitschaft der Menschen steigt angesichts der Corona-Pandemie und ihrer Folgen – auch in Rosenheim. Einige Beispiele.

Rosenheim– Ellen Beck (18) will helfen. Beim Einkaufen, beim Gassigehen mit dem Hund, beim Abholen von Medikamenten aus der Apotheke. Die Idee dazu ist bei einem Gespräch mit ihrer Mutter Tina entstanden, die die Betreuungsagentur Beck in Rosenheim leitet. Fast täglich hätten dort besorgte Rentner angerufen, ihr erzählt, wie viel Angst sie vor dem Einkaufen hätten und der damit verbundenen Ansteckungsgefahr. Ellen Beck berühren die Geschichten. Sie will genau diesen Menschen unter die Arme greifen, sagt die Schülerin.

„Wir haben schulfrei und dadurch Zeit“

Unter dem Motto „Wir haben schulfrei und dadurch Zeit“ hat sie einen Aufruf auf Facebook, Instagram und der Homepage ihrer Mutter veröffentlicht. Sie appelliert an andere Jugendliche, fordert sie zum Helfen auf. Mit Erfolg. Schon jetzt haben sich, so sagt sie, 30 Jugendliche bei ihr gemeldet, die bereit sind, ältere Menschen in ihrem Alltag zu unterstützen.

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„Ich hätte nie damit gerechnet, dass sich so viele melden“, sagt Beck. In der Rosenheimer Innenstadt verteilt sie zudem 500 Flyer. In Supermärkten, bei Ärzten und in Apotheken. Sie hofft, dass auf diesem Weg auch Menschen, die nicht in den sozialen Medien unterwegs sind, von dem Angebot erfahren und es nutzen. Die Resonanz sei bisher durchwegs positiv gewesen, Hilfe werde vor allem beim Einkaufen von Lebensmitteln benötigt. „Es macht einfach Spaß, anderen zu helfen“, sagt Ellen Beck.

Christian Baab von Radio Charivari kümmert sich um die Facebook-Gruppe „Rosenheim hält zusammen“.

In Ausnahmesituationen zusammenhalten

Spaß am Helfen hat auch Tamara Sezen. Die 21-jährige Mutter aus Rosenheim hat sich über einen Facebook-Post bereit erklärt, Lebensmittel einzukaufen. „Es ist wichtig in so einer Ausnahmesituation zusammenzuhalten“, sagt Tamara Sezen.

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Sie selbst arbeitet als Kinderpflegerin, ist aber momentan in Elternzeit und will diese nutzen, um sich nicht nur um ihren vier Monate alten Sohn zu kümmern, sondern auch um diejenigen, die niemanden haben, der sie unterstützen kann. Senioren haben angerufen, jüngere Menschen, die zu weit weg wohnen, um sich selbst um die eigenen Eltern zu kümmern. Tamara Sezen versucht, alle zu unterstützen.

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Sie erledigt kleinere Einkäufe im Supermarkt, macht Erledigungen in der Drogerie. „Die Situation ist für ältere Menschen einfach gefährlich. Ich möchte ihnen diese Angst nehmen“, sagt sie.

Josef Kugler lobt junge Leute

Eine Einstellung, die der Vorsitzende des Rosenheimer Seniorenbeirats, Josef Kugler, lobt. „Ich finde es toll, dass sich die jungen Leute so engagieren.“ Der Vorsitzende gehört mit seinen 84 Jahren selbst zur Corona-Risikogruppe. „Es geht mir gut“, sagt er und erledigt seine Einkäufe derzeit noch selbst. Trotzdem sei es ein gutes Gefühl zu wissen, dass es zahlreiche Hilfsangebote gibt.

Fischküche liefert warme Mittagsmahlzeiten

Ein weiteres Hilfsangebot bietet das Restaurant „Fischküche Rosenheim“ an in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Jugendarbeit und dem Stadtjugendring Rosenheim. Wirtin Christine Haldek und ihr Team wollen

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„Mahlzeiten für ältere Bürger, die alleinstehend und auf Hilfe angewiesen sind“ zubereiten. „Wir wollen vor allem die Menschen im Stadtgebiet unterstützen, die gesundheitlich nicht in der Lage sind, für sich selbst zu sorgen“, sagt Haldek. Für sie eine Herzensangelegenheit. Ab sofort wird das Team der „Fischküche“ deshalb eine warme Mittagsmahlzeit ausfahren, an diejenigen, die es am meisten brauchen. „Damit sie wenigstens einmal am Tag eine gescheite Mahlzeit haben“, sagt Christine Haldek.

Regionalen Plattformen verbinden Menschen

Und auch die regionalen Medien nutzen ihre Plattformen, um Menschen miteinander zu verbinden. Die OVB-Heimatzeitungen haben beispielsweise die Initiative #OVBverbindet ins Leben gerufen. Gesucht werden volljährige Nachbarschaftshelfer, die ältere Menschen mit Vorerkrankungen dabei helfen, ihren Alltag so gut es geht zu meistern.

Facebook-Gruppe um Hilfe zu organisieren

Radio Charivari hat die Facebook-Gruppe „Rosenheim hält zusammen gegründet“. In dieser Gruppe kann sowohl Hilfe angeboten als auch Hilfe gesucht werden. „Es geht uns darum, die Hilfe ein bisschen zu organisieren. Damit wir alle gut durch diese schweren Zeiten kommen“, sagt Studioleiter Andreas Nickl und fügt hinzu: „Wir wollen einfach zeigen, dass wir uns von so einem Virus nicht unterkriegen lassen.“ Eine Einstellung, die Mut macht.

Übersicht über einige Helferangebote:

#OVBverbindet: Wer helfen will, kann sich online unter www.ovbverbindet.de registrieren und auf der Website angeben, welche Hilfe er anbieten kann. Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören und Unterstützung brauchen, können sich in ihrer OVB-Heimatzeitung einen passenden Helfer aussuchen und erhalten dann über eine Hotline die Kontaktdaten. Die Verbindung wird in den nächsten Tagen noch bekannt gegeben.

Ellen Beck:Aktion Jung für Alt über Telefon 0 80 31/8 87 34 27 oder online unter www.pflegehilfe-beratung.com.

Tamara Sezen aus Rosenheim bietet unter anderem Unterstützung beim Einkaufen an. Telefon 01 76/21 99 39 63

Fischküche Rosenheim:Telefon: 0 80 31/3 27 61

Stadtteilkirche Rosenheim-Inn:Pfarrbüro St. Nikolaus (0 80 31/2 10 50), Pfarrbüro St. Hedwig (0 80 31/ 8 65 10), Pfarrbüro Hl. Familie (0 80 31/6 28 04), Gemeindereferent Yunes Baccouche (01 51/75 18 06 16) oder per E-Mail an: covidhelfer.rosenheim@gmail.com.

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