Bestandsaufnahme gefordert

Licht aus für die Umwelt: Grüne und ÖDP wollen Lichtverschmutzung in Rosenheim bekämpfen

Ein erster Schritt: Die Beleuchtung des LGS-Kunstobjekts „Leuchtenwald“ im Mangfallpark Nord wird um 22 Uhr abgeschaltet.
+
Ein erster Schritt: Die Beleuchtung des LGS-Kunstobjekts „Leuchtenwald“ im Mangfallpark Nord wird um 22 Uhr abgeschaltet.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
    schließen

Straßenbeleuchtung, Gebäudestrahler und leuchtende Werbetafeln: Die Nacht wird immer heller. Weil die Beleuchtung nicht nur negative Auswirkungen auf die Natur hat, sondern auch auf die Menschen, wollen Grüne und ÖDP wissen, wie die Situation in Rosenheim ist.

Rosenheim – Nachts ist es zu hell in der Stadt: Dieser Ansicht sind Grüne und ÖDP, die der zunehmenden Lichtverschmutzung jetzt den Kampf angesagt haben. In einem Antrag an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) haben sie die Verwaltung aufgefordert, eine Übersicht darüber zusammenzustellen, welche Vorschriften und Regelungen in Rosenheim bezüglich der Beleuchtung bestehen und angewendet werden. Zudem sollte dargestellt werden ob, und wenn ja wie, das Immissionsschutzgesetz in der Stadt umgesetzt wird.

Zwei Gesetze sollen helfen

So gelten seit August 2019 zwei Gesetze in Bayern, die zu einer Reduzierung der Lichtverschmutzung beitragen sollen. Beide kamen infolge des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ zustande, um die stark bedrohte Insektenfauna vor Lichtverschmutzung zu schützen sowie den Artenschutz in Bayern zu stärken. Hinzu komme, so geht es aus dem Antrag hervor, dass die Lichtverschmutzung auch negative Auswirkungen auf den Menschen hat.

So störe künstliches Licht den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. „Licht in der Nacht bedeutet außerdem Stress“, heißt es von den Politikern. Durch die ständige Beleuchtung gerate die innere Uhr des Menschen aus dem Takt und es komme zu Schlafstörungen und allgemeiner Ruhelosigkeit.

Lesen Sie auch:

Massives Gewaltproblem? 2 Todesfälle innerhalb von 14 Monaten in der JVA Bernau

Bad Aibling: Weihnachtsbeleuchtung auch nachts, wenn Ausgangssperre herrscht?

„Wir halten uns an die Vorschriften“, heißt es hingegen von der Verwaltung. Die gesetzlichen Vorgaben würden sowohl vom Bauordnungsamt, als auch vom Umwelt- und Grünflächenamt sowie vom Ordnungsamt geprüft. Die Fachämter geben anschließend entsprechende Stellungnahmen ab oder weisen auf die Unzulässigkeit der Beleuchtungsanlagen hin. Jüngstes Beispiel: der Namensschriftzug am Eisstadion. Aufgrund einer Stellungnahme des Umwelt- und Grünflächenamtes wurde die Lichtstärke dort reduziert.

Beleuchtung an den Kirchen umgestellt

Ebenfalls umgestellt wurde die Beleuchtung von allen Kirchen im Stadtgebiet. „Sie ist ab 23 Uhr bis zur Morgendämmerung abgestellt“, teilt Oberbürgermeister Andreas März im Umweltausschuss mit. Gleiches gelte für das LGS-Kunstobjekt „Leuchtenwald“ im Mangfallpark-Nord, das um 22 Uhr abgeschaltet wird. Bei allen anderen öffentlichen Gebäuden der Stadt wird die Beleuchtung entweder um 23 Uhr aus gemacht oder muss – aus Gründen der öffentlichen Sicherheit – angelassen werden.

Lesen Sie auch:

Es werde Nacht! Wider die Lichtverschmutzung in der Region

Und auch bei den Straßenbeleuchtungsanlagen bemühe sich die Stadt, die Ziele des Artenschutzes zu berücksichtigen. So wurde beispielsweise die Lichtfarbe von 4000 auf 3000 Kelvin umgestellt. „Dieses warmweiße Licht hat einen geringeren Blauanteil und somit eine geringere Anziehungskraft auf Insekten“, heißt es aus dem Rathaus. Hinzu kommt, dass die LED-Leuchten so eingesetzt werden, dass das benötigte Licht ausschließlich nach unten auf die Straße beziehungsweise den Gehweg gelenkt wird. Laut Stadt werde zudem bei einer Umrüstung von alten Leuchten grundsätzlich die komplette Leuchte getauscht. „Es kommen keine Retrofit-Lampen zum Einsatz.“

Die Stadt scheint also auf einem guten Weg zu sein. Trotzdem erinnerte Elisabeth Jordan (SPD) daran, dass es wichtig sei, nicht überall das Licht abzuschalten, da sich die Menschen auch weiterhin sicher fühlen sollen. Sie schlug vor, über Bewegungsmelder nachzudenken.

Bewegungsmelder auf Parkplätzen?

Sinn des Antrags sei es laut Peter Weigel (Grüne) nicht, die Straßenbeleuchtung auszuschalten. Vielmehr gehe es um beleuchtete Parkplätze beziehungsweise „Werbeanlagen, die die ganze Nacht durchlaufen“. „Wir wollen das überflüssige Licht reduzieren“, sagte der Stadtrat. Oberbürgermeister Andreas März (CSU) könne die Kritik zwar nachvollziehen, trotzdem sei es rechtlich schwierig, die Werbeanlagen über Nacht komplett auszuschalten. Bereits jetzt gelte, dass das Licht der Anlagen ab einer bestimmten Zeit reduziert wird.

Lesen Sie auch:

Angeleuchtete Kirchen und Lichtverschmutzung: Manuel Philipp sucht „Paten der Nacht“

Zudem versprach März sich anzuschauen, wie die Situation an den verschiedenen Parkplätzen in der Stadt ist und ob hier etwas an der Beleuchtung verändert werden könnte. Auch hier könnte über Bewegungsmelder nachgedacht werden, schlug Maria Bichler (CSU) vor. Das wiederum sei aber nur auf freiwilliger Basis umsetzbar, da es dafür keine Rechtsgrundlage gebe, teilt die Stadt mit.

Kommentare