Letzte Chance für ein drogenfreies Leben

Rosenheim/Traunstein –. Um seine Drogensucht zu finanzieren, brach ein 44-jähriger Mann vor knapp einem Jahr in einen Computerladen ein.

Außerdem wurde er mehrfach bei Diebstählen erwischt. Nun musste sich der Maler vor dem Schöffengericht Rosenheim für seine Taten verantworten – und bekam eine letzte Chance.

Der drogensüchtige 44-jährige Maler irrte im März durch Rosenheim, um das Geld für den nächsten Schuss Heroin oder Fentanyl aufzutreiben. Zunächst stahl er dafür acht Parfüm-Tester-Flaschen aus einem Drogeriemarkt in der Kufsteiner Straße. Der Mann wurde kurz danach mit seiner „Beute“ von der Polizei aufgegriffen.

Kaum zwei Wochen darauf entwendete er in derselben Drogerie ein teures Parfüm. Erneut identifizierten ihn Video-Aufnahmen. Dazwischen brach er nachts in einen Computerladen am Roßacker ein und stahl dort zwei Computer. In allen Fällen handelte es sich eindeutig um die Beschaffungskriminalität eines Drogensüchtigen.

Vor Gericht war der Mann umfassend geständig und berichtete, dass er sich nun in einer Drogen-Ausstiegsbetreuung befände. Dadurch habe er sich nicht nur räumlich von seinem bisherigen Umfeld entfernt. Vielmehr unterscheide sich diese Therapie erheblich von bisherigen Versuchen. Auch seine Verlobte unterstütze und kontrolliere ihn. Außerdem habe er endlich eine Anstellung gefunden, bei der er beruflich und privat gefordert und gefördert werde. Alle bisherigen Therapien hätten ihn nur mit neuen Drogenkonsumenten zusammengeführt, wodurch er immer tiefer hineingezogen worden sei. Dies sei nun völlig anders. Er wolle und hoffe auf ein Leben ohne Drogen. Seine dazu befragte Verlobte bestätigte, dass sich der Angeklagte – durch Druck, aber auch durch Erfolgserlebnisse – von den Drogen fernhalte. Dies sei eine der Voraussetzungen für ihre Beziehung.

Der psychiatrische Gutachter Professor Michael Soyka beurteilte die Therapie, der sich der Angeklagte aktuell unterziehe, als möglicherweise durchaus erfolgversprechendes Konzept.

Die Vorstrafenliste des Angeklagten bereitete der Staatsanwältin allerdings Schwierigkeiten, ihm erneut eine Strafe zuzubilligen, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Mit über 20 Einträgen ziehe sich eine Spur der Abhängigkeit durch zwei Jahrzehnte seines Lebens. Zwar habe sich der Angeklagte um Wiedergutmachung bemüht, dennoch könne sie die Aussetzung der Haftstrafe von einem Jahr nur mit großen Bedenken beantragten.

Der Verteidiger Rechtsanwalt Christoph Michel versuchte gar nicht erst, die Vorstrafen zu bagatellisieren, machte aber deutlich, dass es sich ausschließlich um Beschaffungskriminalität eines Junkies handelte. „Ohne die Drogenabhängigkeit ist auch die Kriminalität meines Mandanten nicht mehr vorhanden.“ Ansonsten schloss er sich dem Antrag der Staatsanwältin an.

Das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Bartschat folgte den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. „Sie müssen sich aber im Klaren sein“, so die Richterin zum Angeklagten, „dass Ihnen kein Gericht noch einmal Bewährung geben würde, sollte auch nur noch das Geringste vorfallen.“

Die Abstinenz wird durch Kontrollen überprüft werden und ein Bewährungshelfer soll den Mann unterstützen. Theo Auer

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