Emotionaler Abschied von Inge Thaler an der Rosenheimer Astrid-Lindgren-Grundschule

Zum Abschied eine Ruhestandsurkunde: Schulrat Markus Kinzelmann bedankt sich bei Schulleiterin Inge Thaler für ihre gute Arbeit. Ihr Wissen und ihre Erfahrung habe stets dafür gesorgt, das die Schule gut lief.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Inge Thaler hat die Rosenheimer Schullandschaft in den vergangenen 40 Jahren geprägt. Jetzt verabschiedet sich die Leiterin der Astrid-Lindgren-Schule in den Ruhestand. Doch ihr letzter Tag verlief anders als geplant.

Rosenheim – Eigentlich wollte Inge Thaler (65) ganz leise Servus sagen. Ohne großes Aufsehen. Sie wollte die Zeugnisse ein letztes Mal verteilen, wollte sich bei ihren Kollegen für die vergangenen Jahre bedanken und dann nach Hause fahren. Den Blick nach vorne gerichtet auf neue Ziele und Herausforderungen.

Ein Clown als Überraschungsgast

Doch ihre Kollegen hatten andere Pläne. Größere. Wochenlang bereiteten sie sich auf diesen Tag vor, stellten eine Abschlussfeier auf die Beine, die emotionaler nicht hätte sein können. Videos wurden aufgenommen, Musikstücke geprobt und Gedichte geschrieben. „Wie so oft haben sich meine Kollegen nicht an meine Anweisungen gehalten“, sagte Thaler.

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Wirklich übel zu nehmen schien sie es ihnen nicht. Auch dann nicht, als Clown und Schülervater Emmeran Heringer als Überraschungsgast erschien und Thaler ein Apfelbäumchen überreichte. Nur um sie im Anschluss mit Sonnenbrille und Sonnenschirm ausgestattet, auf einem Anhänger sitzend durch die Turnhalle zu chauffieren.

Ein „denkwürdiger Tag“

Es war nur einer von zahlreichen Höhepunkten an diesem Tag. Konrektorin Anne Billinger begrüßte die Gäste, Schulrat Markus Kinzelmann hielt eine Rede, sprach von einem „denkwürdigen Tag“. Inge Thaler habe ein „natürliches Lehrgeschick“, sei humorvoll und sorge stets dafür, dass sich Schüler angenommen und geborgen fühlen.

Eine Ehrenrunde durch die Turnhalle: Clown Emmeran Heringer hat sich für die Verabschiedung etwas Besonderes einfallen lassen. Schlecker/privat

Seit 2007 Schulleiterin an der Astrid-Lindgren-Grundschule

Seit 1987 ist sie als Lehrerin an der Astrid-Lindgren-Grundschule tätig, seit 2007 Schulleiterin. Sie ist die Vorsitzende des Personalrates, besucht andere Schulen, um sie später zu evaluieren. „Ihr Wissen und ihre Erfahrung hat stets dafür gesorgt, dass die Schule gut lief“, sagte Kinzelmann. Inge Thaler sei jemand, der „über den Tellerrand schaut“, Dinge „kritisch hinterfragt“.

Offenes Ohr für Kinder und Eltern

In den vergangenen 13 Jahren hat sie sich für eine gewaltfreie Kommunikation und eine gesunde Ernährung eingesetzt. Sie hat die Schule umbenannt, hat einen „Astrid-Lindgren-Tag“ eingeführt, an dem gebastelt, gelesen und geturnt wird. Sie ist Gründungsmitglied des Projektes „Fit in die Zukunft“, hat immer auf eine musikalische, sportliche, sprachliche und künstlerische Ausbildung ihrer Schüler geachtet. Sie verteilte Respektkarten, führte die Schulbücherei ein und gewann gemeinsam mit ihren Schülern und Kollegen den Präventionspreis „Gesund aufwachsen“. Mit dem „Comenius-Projekt“ stellte sie Kontakte zu Schulen in der Türkei, in Griechenland, in Frankreich und Belgien her.

Positive Einstellung hat immer überzeugt

Sie hat laut Kinzelmann immer dafür gesorgt das sich die Kinder, egal wie unterschiedlich sie sind, als große Gemeinschaft sehen. „Das ist dein Verdienst“, sagte Kinzelmann. Er lobte die Qualität ihrer Arbeit und die Tatsache, dass sie von anderen nie mehr verlangte, als von sich selbst. Sie habe nicht nur ein offenes Ohr für jedes Kind gehabt, sondern auch Eltern und Kollegen rund um die Uhr beraten. „Du bist optimistisch, immer positiv und hast nie gejammert“, sagte der Kinzelmann und überreichte Thaler eine Ruhestandsurkunde.

Volleyball, Segeln und Reisen mit dem Wohnmobil

Lobende Worte gab es auch von Frederike Moritzer, der stellvertretenden Personalratsvorsitzenden. Thaler sei unkompliziert gewesen, habe die Dinge immer klar angesprochen und dabei stets die richtigen Worte gefunden. In ihrem „Unruhezustand“ habe sie nun endlich Zeit Volleyball zu spielen, Segeln zu gehen und mit ihrem Wohnmobil neue Landschaften zu entdecken.

„Wir haben die Schule gemeinsam vorangebracht“, sagte Thaler. Sie bedankte sich bei ihren Kollegen, für die gute Zusammenarbeit, die „unglaubliche Verabschiedung“. „Die Kinder fehlen mir jetzt schon“, sagte sie. Es ist ein Gefühl, das auf Gegenseitigkeit beruht.

Schule trägt weiterhin ihre Handschrift

Doch so ganz weg wird Inge Thaler nie sein. Ihre Spuren bleiben auch weiterhin erhalten. Ob an den Bildern auf dem Weg in den ersten Stock, dem Zettel im Lehrerzimmer, der ans Loben erinnert oder den zahlreichen Projekten. Die Schule wird auch weiterhin ihre Handschrift tragen.

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