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Banger Blick auf den Herbst

Lehrermangel in Bayern: Sind die Schulen in Rosenheim für das kommende Schuljahr gerüstet?

Schule ohne Lehrer – Das klingt zwar nach Pennäler-Traum, ist dann aber wahrscheinlich doch nicht so lustig.
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Schule ohne Lehrer – Das klingt zwar nach Pennäler-Traum, ist dann aber wahrscheinlich doch nicht so lustig. 
  • VonThomas Stöppler
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Trotz Ferien werden an vielen Schulen in Bayern gerade Überstunden geschoben, denn: Es gibt zu wenig Lehrer. Im kommenden Schuljahr könnten ganze Fächer unter den Tisch fallen. Wie gut sind die Schulen in Rosenheim auf das nächste Jahr vorbereitet?

Rosenheim – Simone Fleischmanns Kritik betrifft erst einmal die Kommunikation: „Da wurde jetzt schön vor den Ferien der Mantel des Schweigens drüber gelegt, damit die Schulleiter jetzt alles ausbaden“, erklärt die Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands.

Und selbst jetzt, sagt sie, müsse sie das verkünden, weil das Kultusministerium (KMS) nichts sage.

Einschränkungen bei Wahlfächern

In einem internen Brief an die Bezirksregierungen hatte das KMS laut Angaben des Bayerischen Rundfunks von „punktuellen Einschränkungen bei Wahl- und Neigungsangeboten“, „eine straffere Einsatzplanung“ und das „regionalspezifische Ausbalancierung von angespannten Personallagen“ gesprochen. In Simone Fleischmanns Übersetzung heißt das: Klassen zusammenlegen, Streichen von Förderprogrammen auch im Bereich von Inklusion, partielles Streichen von Kunst, Musik und Sport.

Das KMS hat noch keine belastbaren Zahlen, „da sich bis Schuljahresbeginn erfahrungsgemäß noch viele Veränderungen ergeben“, erklärte eine Sprecherin des Ministeriums. Schuld an der Situation seien die Corona-Pandemie, die zu vielen Ausfällen führe, sowie die 30.0000 Schüler aus der Ukraine. Der Freistaat sei jedoch gut auf die Situation eingestellt: Es stehen „ausreichend Mittel für Aushilfskräfte zur Verfügung“ und unter anderem sollen Studierende ohne erstes Staatsexamen unterrichten dürfen. Auch beim Schulamt Rosenheim hält man sich zurück: Mittel seien da, aber noch sei nicht absehbar, wie es im September aussehe, erklärt Schulrätin Angelika Elsner.

„Wir sind die ganze Woche am Arbeiten, damit das nicht passiert“, sagt Udo Segerer, stellvertretender Direktor des Ignaz-Günther-Gymnasiums. Was nicht passieren soll, ist das Zusammenlegen von Klassen und das Streichen des Unterrichts auf ein Minimum. Segerer ist zuversichtlich, dass im September ein normales Schuljahr beginnen kann. „Wir haben das Glück, dass wir viele sehr engagierte Kollegen haben.“ Diese stocken freiwillig auf: Vor allem Lehrer in Teilzeit, aber einige gäben auch trotz Vollzeit mehr Unterricht.

Jonglieren und Austarieren

Und bis zu einem gewissen Grad sei das Jonglieren und Austarieren normal: „Das ist jedes Jahr so. Ein Kollege ist krank, einer geht in Elternzeit“, erklärt Segerer. Auch deshalb will er sich nicht über das KMS beschweren: „Ich kann das Dilemma ja verstehen und habe auch keine Lösung“, sagt er. Das Problem sei eben ein grundsätzliches. Zum einen gibt es insbesondere für die Grund- und Mittelschulen zu wenig Nachwuchs und zum anderen sei der Personalschlüssel an Schulen immer auf dem Minimum. Sprich: Bei Ausfällen gibt es keine anderen Kapazitäten. „Eine Schule ist kein normaler Betrieb“, sagt Simone Fleischmann, „wir können ja nicht einfach weniger produzieren.“

Auch Martin Löwe, Landesvorsitzender des Bayerischen Elternverbands und Beauftragter für Rosenheim, würde es befürworten, wenn es eine „Lehrerreserve“ geben würde. Für die jetztige Situation könne man natürlich keine Lehrer herzaubern, aber mehr Fantasie und Mut wären wünschenswert: „Lehrer müssen viel zu viel Fachfremdes machen, da sollten sie entlastet werden.“ Etwa bei Verwaltungstätigkeiten, aber auch mehr Sozialpädagogen würden helfen. Das Streichen bestimmter Fächer kommt für Löwe nicht in Frage: „Kunst, Musik und Sport dienen auch der Persönlichkeitsbildung und gerade die ist während der Pandemie zu kurz gekommen.“ Auch die Klassen zu vergrößern sei die letzte Option.

Wahlkampftaktische Manöver

Den Zeitpunkt der Erklärungen sieht Löwe besonders problematisch: „Das ist ein Abwälzen auf Rektoren, Lehrer und Schulämter, die sich jetzt damit rumschlagen können – und das in den Ferien.“ Das Verhalten des KMS „reiht sich ein in die übliche Taktik sich hinter Beschlüssen der Staatsregierung zu verstecken. Das wird seit Beginn der Pandemie von der gesamten Schulfamilie kritisiert.“

Fleischmann vermutet wahlkampftaktische Manöver. Vor der Wahl im nächsten Jahr wolle keiner an der Misere Schuld sein. „Jetzt werden die Ziele heruntergefahren, damit im September behauptet werden kann, dass man gut aufgestellt sei.“ Löwe will sich der Wahlkampfthese zwar nicht anschließen, sagt aber über Kultusminister Michael Piazolo: „Das ist keine seriöse Amtsführung.“

Der Minister erklärte gegenüber den OVB-Heimatzeitungen, dass er die Sorgen zwar verstehen könne, aber sein Ministerium bereits eine Vielzahl von Maßnahmen auf den Weg gebracht habe – wie etwa die Zweitqualifikation, die ermöglicht dass Gymnasiallehrer auch an Grund- und Mittelschulen zum Einsatz kommen können. Aber die Herausforderungen, die der Krieg in der Ukraine mitbrachte, seien nicht planbar gewesen: Dabei „ist eine gesamtgesellschaftliche Solidarität gefragt. Diese umfasst eben auch die Schulen.“

Fleischmann sieht grundsätzlich die Verantwortung aber gar nicht bei der aktuellen Regierung: „Man hatte ja die Zahlen vor zehn Jahren und hat nicht reagiert und wenn 2025 der G9-Ausbau abgeschlossen sein soll, stehen die Gymnasien vor den gleichen Problemen.“ Ab 2025 sollen alle bayerischen Gymnasiasten wieder neun statt acht Jahre eine weiterführende Schule besuchen. Geld für Personal gibt es, aber die Menschen dahinter nicht. Laut dem Lehrerbedarfsplan fehlen dann fast 1000 Lehrer an bayerischen Gymnasien.

Das Chaos ist keine Werbung

Wichtig wäre es, laut Fleischmann, den Lehrer Beruf wieder attraktiver zu machen. Die aktuelle Generation könne man nicht mehr mit dem Beamtenstatus ködern. Wichtig wäre es die Löhne von Grund- und Mittelschullehrern an die von Gymnasiallehrern anzugleichen. Ähnlich sieht das Löwe: „Bei dem Chaos, das an Schulen herrsche macht man eben auch keine Werbung für den Beruf.“ Und dabei sei Lehrer, findet Fleischmann, eigentlich ein sehr schöner Beruf. Nur nicht unter diesen Bedingungen.

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