AKTUELLES INTERVIEW MIT DANIEL STRIFFLER, INITIATOR DER IPAD-KLASSE AN DER MITTELSCHULE AISING

Als Lehrer kein Alleinunterhalter mehr

Ein Einblick in die Unterrichtswelt der iPad-Klasse an der Mittelschule Aising-Pang. Striffler
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Ein Einblick in die Unterrichtswelt der iPad-Klasse an der Mittelschule Aising-Pang. Striffler

Rosenheim – Die CSU-Politikerin Dorothee Bär, neue Staatsministerin im Kanzleramt für Digitalisierung, fordert mehr Tempo bei der Umsetzung in Schulen.

Die von der Sparkassen-Stiftung geförderte iPad-Klasse der Mittelschule Aising und ihr Lehrer Daniel Striffler sind der CSU-Politikerin einen Schritt voraus. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen erzählt Striffler, wie die digitale Revolution in Aising funktioniert.

Woher kam die Idee zur iPad-Klasse?

Seit 2010 läuft der Unterricht in meiner Klasse mithilfe eines iPads, von AppleTV und Beamern digitalisiert ab. Keine trockenen Hände mehr durch Kreide, keine Pfützen unter der Tafel, keine langen Schlangen am Kopierer: All dies gehörte auf einmal der Vergangenheit an. Manche Aufgaben erledigten die Schüler auf dem Lehrer-iPad. Dieses Medium bereicherte meinen Unterricht so, dass bald der Gedanke aufkam: Könnte nicht jeder Schüler dauerhaft mit einem individualisierten Gerät arbeiten?

Was sind die Vorteile dieser Digitalisierung?

Mithilfe von Tablets werden Lernsituationen geschaffen, in denen die Schüler individueller arbeiten können. Das iPad ermöglicht ein ganzheitliches Lernen, bei dem die visuellen und auditiven Lernkanäle stärker bedient werden. Durch die mobile Handhabung des iPads sind Schüler nicht an einen Ort gebunden. Dadurch erreicht man eine Öffnung des Unterrichts, welche die Kommunikation und Zusammenarbeit der Schüler untereinander fördert.

Wie haben die Schüler die iPads aufgenommen?

Ich kann eigentlich nur ein Wort dafür nennen: Begeisterung. Ich habe dieses Jahr 18 Schüler und 26 iPads zur Verfügung. Die acht übrigen iPads nutze ich auch in anderen Klassen, zum Beispiel in Musik. Hier komponieren Schüler der achten und neunten Klasse eigene Lieder.

Sie sind also zufrieden mit der Resonanz?

Ich freue mich jeden Tag auf meine iPad-Klasse. Es ist wie mit allen Dingen: Man entwickelt sich weiter, probiert Dinge aus, die wunderbar funktionieren. An einem anderen Tag scheitert man und lernt daraus, wie man es besser machen kann.

Wie muss man sich einen Unterrichtsablauf mit einem iPad vorstellen?

Ich komme mir vor, wie ein Referendar im ersten Lehrjahr. Der „Workflow“ in einer Tablet-Klasse ist ein komplett anderer. So gibt es auch im Unterricht mit dem iPad Gruppenarbeitsphasen, Stillarbeitsphasen und Phasen, in denen der Lehrer im Mittelpunkt steht. Dennoch ist die Rolle, die der Lehrer einnimmt, verändert. Arbeitsabläufe sind grundverschieden und Lehrer heißt hier nicht mehr, der „Alleinunterhalter“ der Schüler zu sein, sondern vielmehr eine Art „Coach“, der das Lernen begleitet.

Besteht auch Ablenkungsgefahr?

Das Internet, die integrierte Kamera oder eine Lernapp bieten sehr verlockende Möglichkeiten. Allerdings werden alle iPads über das Lehrergerät kontrolliert. Der Lehrer sieht live, was die Schüler gerade auf ihrem iPad machen. Mittels Software kann der Pädagoge nun zum Beispiel einzelne iPads sperren oder nur eine bestimmte App zulassen. Das iPad ist Mittel zum Zweck. Es wird in passenden Unterrichtssituationen genutzt, jedoch nicht die gesamte Unterrichtszeit. Denn auch in der iPad-Klasse werden Inhaltsangaben auf Papier geschrieben. Interview: Anna Heise

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