BOOGIE SUNSHINES ROSENHEIM

„Lebensfreude pur“: Zwei Tänzer von Rosenheimer Verein erzählen über den Tanz Boogie Woogie

Cornelia Versteegen und Stephan Eichhorn vom Boggie-Woogie-Tanzverein Boogie Sunshines Rosenheim tanzen bei der Weltmeisterschaft im Jahr 2018 in Stuttgart.
+
Cornelia Versteegen und Stephan Eichhorn vom Boggie-Woogie-Tanzverein Boogie Sunshines Rosenheim tanzen bei der Weltmeisterschaft im Jahr 2018 in Stuttgart.
  • Alexandra Schöne
    vonAlexandra Schöne
    schließen

Der Verein Boogie Sunshines Rosenheim wird heuer 20 Jahre alt. Für die Mitglieder Cornelia Versteegen und Andreas Aigner ein Grund zu feiern. Sie tanzen seit Jahren Boogie Woogie, sind international erfolgreich. Eine Geschichte über Dopingtests, große Emotionen und den richtigen Tanzpartner.

Rosenheim – Unter lautem Applaus tritt Claudia Versteegen vor die Tanzjuroren in einer Halle in Stuttgart. Sie trägt ein schwarzes Kleid mit weißen Punkten, einen roten Haarreif mit Blume und rote Schuhe. Sie verbeugt sich, lächelt, streicht sich über die Frisur. Die Musik setzt ein.

Doch es ist kein Standardtanz, den Cornelia Versteegen zusammen mit ihrem Partner Stephan Eichhorn aufs Parkett legt. Es ist der Boogie Woogie, die große Leidenschaft der 56-Jährigen. Der Boogie Woogie ist in den 1920er-Jahren in den USA entstanden. Cornelia Versteegen tanz ihn, seit sie 16 Jahre alt ist. Erst in Szene-Lokalen in München, später mit Partner Stephan Eichhorn in ganz Europa.

Antanzen zur Dopingkontrolle

Ihr „Boogie-Woogie-Zuhause“ ist und bleibt aber Rosenheim, sagt die Münchnerin. Beim Rosenheimer Tanzverein Boogie Sunshines ist sie seit 2005 Mitglied. Immer, wenn es dort Veranstaltungen gibt, ist sie dabei. Das heißt, wenn sie nicht gerade auf Europa- oder Weltmeisterschaften tanzt – Dopingkontrollen inklusive. Sie und ihr Partner sind zweimalige Vizeweltmeister und haben außerdem sechs Mal hintereinander den Titel auf den Deutschen Meisterschaften ertanzt. „Wir sind damit das erfolgreichste Boogie-Turnierpaar, das Deutschland je hatte“, sagt Cornelia Versteegen.

Die Boogie-Woogie-Tänzer Andreas Aigner und Elsa Köck sind sechsfache österreichische Meister.

Lesen Sie auch:

So arrangieren sich Rosenheimer Tanzschulen mit Corona: Distanz statt Nahtanz

Ähnlich erfolgreich ist auch Andreas Aigner (32). Der Wiener ist gemeinsam mit seiner Partnerin Elsa Köck eine feste Größe in der österreichischen Boogie-Szene. Aigner sitzt in seinem Wiener Zuhause und erzählt von seinen Anfängen im Boogie Woogie. Er habe damit bereits als Achtjähriger angefangen, im Tanzverein seiner Eltern. „Ich war Teil eines der ersten Kinderpaare in ganz Österreich, die Boogie Woogie getanzt haben“, sagt er.

Mittlerweile seien er und seine Partnerin ein Paar, das europaweit gefragt sei – bei Showauftritten und als Trainer in Tanz-Camps. Aigner und Köck sind Teil des österreichischen Nationalteams. Doch auch sie sind – wie Cornelia Versteegen – in Rosenheim verwurzelt: als unterstützendes Mitglied bei den Boogie Sunshines. Die beiden fungieren dort als Gasttrainer, wenn sie nicht gerade auf Turnieren tanzen oder selbst trainieren.

Das könnte Sie auch interessieren:

Corona & Fasching - das geht doch: Diese beiden sind das Online-Prinzenpaar des TSV in St. Wolfgang

Stichwort Training: wie in jedem anderen Leistungssport auch eine wichtige Sache. Das wissen sowohl Andreas Aigner als auch Cornelia Versteegen. Die Münchnerin arbeitet hart für ihren Erfolg. Jede Woche steht zwei- bis dreimal Fitness- und Konditionstraining an. Am Wochenende folgt das Tanztraining. Versteegens Partner Stephan Eichhorn wohnt in der Schweiz, sie in München. Entweder fährt sie zu ihm, er kommt zu ihr oder sie treffen sich in der Mitte. Und dann tanzen sie. Sie probieren neue Figuren aus, üben Basisschritte.

Ein Anker in Krisenzeiten

Das Training ist anstrengend, doch Cornelia Versteegen nimmt die Strapazen gerne auf sich. Für sie sei der Boogie Woogie „Lebensfreude pur“, sagt sie. „Der Sport gibt mir viel zurück.“ Er sei ein Anker in persönlichen Krisen für sie. „Er hilft mir, sie zu überwinden.“ Sie ist stolz auf das, was sie macht. Sie ist stolz, wenn sie auf einem Turnier durch ihre Bewegungen Emotionen an das Publikum vermittelt, eine Einheit mit ihrem Partner bildet.

Auch für Sie:

Priener Tanzschulen streamen Hiphop-Kurse in die heimischen Hobbykeller

Dass man sich beim Boogie Woogie „absolut“ aufeinander verlassen muss, weiß auch Andreas Aigner. Er und seine Partnerin Elsa Köck sind nach zwölf gemeinsamen Tanz-Jahren ein eingespieltes Team. „Wir haben insgesamt 160 Turniere getanzt“, sagt Andreas Aigner. Was ihn am Turnier-Boogie so fasziniert, sei die Komplexität und die Spontanität des Tanzes. Denn: Der Boogie Woggie wird frei getanzt – ohne Choreografie. „Man hat zwar die Figuren, aber ich muss spontan entscheiden, wie ich den Tanz aufbaue“, erklärt er. „Die Musik ist immer eine andere. Es ist eine Herausforderung, damit umzugehen.“

Präsenz-Turniere derzeit verboten

Cornelia Versteegen stimmt ihm zu. Sie hofft, dass sie sich dieser Herausforderung bald wieder im echten Leben stellen kann. Denn wegen der Corona-Pandemie sind Präsenz-Turniere verboten. Das letzte, das sie bestritten hat, wurde nur online übertragen. Für die 56-Jährige ist das bloß ein kleiner Ersatz. „Die Boogie-Seele möchte vor Publikum tanzen“, sagt sie. Und den Applaus der Menschen hören.

Spaß am Tanzen im Vordergrund: Boogie Sunshines Rosenheim

„Absolute Lebensfreude“. So beschreibt Tanja Stein den Tanzsport, den sie seit 20 Jahren betreibt. Genau so lange gibt es auch den Verein Boogie Sunshines Rosenheim. Tanja Stein ist die Dritte Vorsitzende und trainiert außerdem seit 15 Jahren Tänzer aller Altersgruppen. Seit vielen Jahren begleitet sie ihre Schützlinge zu Boogieturnieren im In- und Ausland, in der Szene kennt sie sich aus. Das Tanzen des Boogie-Woogies, dessen Wurzeln in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts liegen, bedeutet Ausgleich zum Alltag für sie. „Man wird durch die Musik mitgerissen“, sagt Stein. Im Rosenheimer Verein stehe nicht der Leistungssport im Vordergrund, sondern der Spaß und die Freude am Tanzen. Dennoch könnten die Boogie Sunshines auf zwei bayerische Meisterschaften und eine deutsche Meisterschaft zurückblicken, die sie ausgerichtet und an denen auch einige Paare des Vereins teilgenommen hätten.

Kommentare