Ein Leben aus Erinnerungen: Dr. Heinz Nagel aus Rosenheim feiert seinen 95. Geburtstag

Bei der Geburtstagsfeier:(von links) der Zweite Bürgermeister der Stadt, Anton Heindl, Hans Nagel, Pflegerin Elena, Ingrid Weinzierl, Carla Teufel und Dr. Heinz Nagel (vorne).

von Anna Heise. Rosenheim.

– Karlsruhe, München, Paris: Dr. Heinz Nagel hat in seinem Leben schon einiges gesehen. Jetzt ist er zurück in Rosenheim und feierte seinen 95. Geburtstag.

Das Reich von Heinz Nagel liegt im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses. Hier lebt der Rentner, gemeinsam mit seiner Pflegerin Elena, die sich liebevoll um ihn kümmert. Die Wohnung ist hell und freundlich. Überall hängen Kunstwerke und Familienfotos. Sie zeigen seine Frau, die vor sieben Jahren gestorben ist. Es gibt Bilder von seinen drei Kindern, den fünf Enkeln und dem Urenkel.

80 Fotoalben im Schlafzimmer

Die restlichen Bilder kleben in Fotoalben. Fast 80 Stück stehen in einem Regal im Schlafzimmer des Rentners. Zu jedem Foto gibt es eine Geschichte. Heinz Nagel erinnert sich an alles, hat viel zu erzählen.

Er erinnert sich an seine Kindheit in Karlsruhe, an den Moment, als er im Alter von 18 Jahren eingezogen worden ist. Und er erinnert sich an die Zeit nach dem Krieg. An seine Arbeit bei Danone, die Zeit im Kirchenvorstand und als Ehrenamtlicher bei der Rosenheimer Telefonseelsorge.

1957 Umzug nach Rosenheim

1957 kam er nach Rosenheim, der Arbeit wegen. Bei Danone war er in der Forschung tätig. Erst in Rosenheim, später in München und schließlich in Paris. Von 1982 bis 1986 lebte er in der französischen Hauptstadt, lernte die Sprache und verliebte sich in die Kultur. Von Paris ging es erst nach Kolbermoor und von dort zurück nach Rosenheim. „Dort ist es eben doch am schönsten“, sagt Nagel.

Reisen nach Afrika, Israel, Japan und Amerika

Der 95-Jährige muss es wissen, war er doch schon fast überall auf der Welt. Teils geschäftlich, teils zum Urlaub machen. Auch hier gibt es Fotos. Sie zeigen ihn auf seinen Reisen in Afrika, Israel, Japan und Amerika.

Mit dem Reisen ist seit einigen Jahren Schluss, auch weil er seit knapp vier Jahren im Rollstuhl sitzt. Was bleibt sind die Erinnerungen – und davon gibt es eine ganze Menge. Damit keine davon verloren geht, hat er seine Kinder gebeten, alles aufzuschreiben. In Briefen und Memoiren. „Bis jetzt sind schon drei Ordner zusammengekommen. Er erinnert sich an alles. Diktiert uns den Text fertig formuliert mit Punkt und Komma“, sagt Carla Teufel. Die 60-Jährige besucht ihren Vater fast täglich, liebt die gemeinsamen Scrabble-Spiele. Wenn sie keine Zeit hat, kümmern sich Sohn Hans Nagel (64) und Tochter Ingrid Weinzierl (63) um ihren Vater. „Er hat uns so viel gegeben, jetzt sind wir dran“, sagt Teufel.

Noch mehr Fotos für die Alben

Wie an seinem Geburtstag. Alle waren sie gekommen. Freunde, Familie, Nachbarn. Es gab Kuchen, Kaffee und etliche Blumensträuße. Mittendrin: Heinz Nagel. Er lacht, genießt es, im Mittelpunkt zu stehen. Und damit auch dieser Moment für immer in Erinnerung bleibt, macht Ingrid Weinzierl zahlreiche Fotos. Für die Alben.

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