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Schicksale, die unter die Haut gehen

Kunstaktion „Faces of the names“ erinnert zum wiederholten Mal an Rosenheimer NS-Opfer

Das Gesicht zum Namen: Der Jude Alfred Wiener hatte ein Bekleidungsgeschäft in der Münchener Straße 28 in Rosenheim. An das Gebäude hat Lichtkünstler Julian Giebelen jetzt sein Porträt projiziert.
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Das Gesicht zum Namen: Der Jude Alfred Wiener hatte ein Bekleidungsgeschäft in der Münchener Straße 28 in Rosenheim. An das Gebäude hat Lichtkünstler Julian Giebelen jetzt sein Porträt projiziert.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Die Kunstaktion „Faces for the names“ will mit ihren Projektionen an Menschen erinnern, die durch das NS-Regime ums Leben gekommen sind. An der Veranstaltung in Rosenheim hat neben etlichen interessierten Bürgern auch Schauspieler August Zirner teilgenommen.

Rosenheim – Vorsichtig schiebt Julian Giebelen, der Initiator des Projektes „Faces for the names“, die Glasplatten mit dem Gesicht von Alexander Wiener in den dafür vorgesehenen Projektor. Wenige Sekunden später erstrahlt das Bild des slowakischen Kaufmanns, der in Rosenheim gelebt und 1942 von den Nazis ermordet wurde, an der Fassade des Wohn- und Geschäftshauses in der Münchener Straße 28.

Gegen das Vergessen

Hier, wo jetzt Säfte, Fleischwaren und Crêpes verkauft werden, gab es bis 1938 zwei jüdische Bekleidungsgeschäfte – betrieben von Isaak Isidor Camnitzer und Alexander Wiener.

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Für beide Männer, Alexander Wieners Frau Frida und deren Töchter Katharina und Charlotte wurden im Juni Stolpersteine verlegt. „Wir wollen ihre Namen wieder an den Ort zurückbringen, an dem sie gelebt, gearbeitet und gelernt haben“, sagt Thomas Nowotny von der Rosenheimer Initiative für Erinnerungskultur und Stolpersteine.

Die Gesichter zu den Namen

Der Kopf hinter der Veranstaltung: Lichtkünstler Julian Giebelen hat die Aktion ins Leben gerufen.

Weil es ihm wichtig ist, dafür zu sorgen, dass jene Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft und ihres Glaubens verfolgt und ermordet wurden, nicht in Vergessenheit geraten, hat er sich dafür eingesetzt, dass das Projekt „Faces for the names“ von Julian Giebelen und Terry Swartzberg auch nach Rosenheim kommt.

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Im Rahmen dessen werden Porträts von Opfern des Nazi-Regimes an die Fassaden derjenigen Häuser projiziert, in denen sie gelebt, gearbeitet, gelernt oder gelitten haben. „Dadurch bekommen wir zu den Namen, die wir schon kennen, Gesichter gezeigt“, sagt Nowotny.

Ähnliche Veranstaltung Mitte September

Mitte September fand die Auftaktveranstaltung statt, bei der das Porträt von Elisabeth Block an die Fassade der Mädchenrealschule projiziert wurde. Thomas Nowotny hatte jetzt zu einem weiteren Ereignis eingeladen. An insgesamt drei unterschiedlichen Stationen haben zahlreiche Zuschauer, Unterstützer und Organisatoren an die Menschen erinnert, die durch das NS-Regime ums Leben gekommen sind – mit Lichtprojektionen, Reden, Radiobeiträgen und der Lesung von Auszügen aus Protokollen.

Von 1933 bis 1938 im Konzentrationslager in Dachau

Beginn der Aktion war am Gewerkschaftshaus in der Brixstraße 2. Jenem Haus, in dem Ewald Thunig lange Zeit gearbeitet hat. Während Andreas Salomon die Lebensgeschichte des Gewerkschafters vorstellte, leuchtete an der Fassade hinter ihm das Porträt des Mannes, der von 1933 bis 1938 im Konzentrationslager in Dachau eingesperrt war, überlebte und nach dem Krieg als Rosenheimer Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes tätig war.

August Zirner liest aus Protokollen vor

Von der Brixstraße zogen die rund 30 Zuschauer – unten denen sich auch Grünen-Stadtrat Karl-Heinz Brauner befand – weiter zum Haus in der Münchener Straße.

Hat ebenfalls an „Faces for the names“ teilgenommen: Schauspieler August Zirner.

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Hier las Schauspieler August Zirner Auszüge aus verschiedenen Protokollen vor, um zu verdeutlichen, wie sehr die beiden Geschäftsleute Alexander Wiener und Isaak Isidor Camnitzer von den Nazis damals drangsaliert worden.

Häftlingsnummer 33193

Von der Münchener Straße spazierten die Teilnehmer in die Bahnhofstraße 8. Hier lebte der Geiger Franz Gory Kaufmann.

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Am 6. Juli 1942 wurde er in Rosenheim festgenommen und kam in das Konzentrationslager in Dachau, wo er die Häftlingsnummer 33193 bekam. Es sind Geschichten, die unter die Haut gehen und an eine Zeit erinnern sollen, die so hoffentlich nie wieder passiert.

Die Geschichte erlebbar machen

„Erinnerung ist wichtig. Künstlerische Beiträge wie die Stolpersteine oder ‚Faces for the names‘ helfen mit, die Geschichte erlebbar zu machen, die beste Garantie dafür, dass sich der furchtbarste Teil unserer Geschichte nicht wiederholt“, sagt Thomas Nowotny, der auch weiterhin dafür kämpfen will, dass die Erinnerung nicht verloren geht.

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