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Die Opfer nicht vergessen

Kunstaktion „Faces for the names“ feiert Premiere in Rosenheim und erinnert an Lisi Block

Bei der Veranstaltung „Faces for the names“ vor der Mädchenrealschule: Thomas Nowotny von der Initiative Erinnerungskultur (links) und Rektorin Magdalena Singer vor dem Porträt von Lisi Block.
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Bei der Veranstaltung „Faces for the names“ vor der Mädchenrealschule: Thomas Nowotny von der Initiative Erinnerungskultur (links) und Rektorin Magdalena Singer vor dem Porträt von Lisi Block.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Die Kunstaktion „Faces for the names“ will mit ihren Projektionen an Menschen erinnern, die durch das NS-Regime ums Leben gekommen sind. Im Rahmen vom „Sommer in Rosenheim“ hat Lichtkünstler Julian Giebelen jetzt das Porträt von Elisabeth Block an die Fassade der Mädchenrealschule projiziert.

Rosenheim – Erinnerung ist wichtig. Das weiß wahrscheinlich niemand besser als Thomas Nowotny. Gemeinsam mit der Initiative für Erinnerungskultur setzt sich der Kinderarzt aus Stephanskirchen dafür ein, dass an die Rosenheimer Opfer der NS-Diktatur erinnert wird. Im Juni hat ein engagierter Kreis aus den Reihen dieser Initiative deshalb sieben Stolpersteine auf privatem Grund verlegt. Geht es nach Nowotny, sollen weitere folgen, unter anderem vor der Städtischen Mädchenrealschule.

Lisi Block hat Mädchenrealschule bis 1938 besucht

Jener Schule, die Elisabeth Block bis 1938 besucht hat, bevor sie mit ihren Eltern und Geschwistern nach Polen deportiert und dort ermordet wurde. Weil sich der Platz vor der Schule auf städtischem Grund befindet, bedarf es für die Verlegung allerdings einer Genehmigung der Stadt Rosenheim.

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„Hier sind leider einige mit den immer gleichen Argumenten dagegen“, sagt Nowotny. Um dennoch an das wohl bekannteste Opfer des Naziterrors in Rosenheim zu erinnern, hat jetzt die Projektion „Faces for the names“ stattgefunden. Dabei handelt es sich um ein Kunstprojekt von Terry Swartzberg und dem Lichtkünstler Julian Giebelen, das zum ersten Mal nach Rosenheim gekommen ist. Im Rahmen dieses Projektes werden Porträts von Opfern des Nazi-Regimes an die Fassaden der Häuser projiziert, in denen sie gelebt, gearbeitet, gelernt oder gelitten haben.

Auch das Familienporträit der Familie Block war an der Fassade der Mädchenrealschule zu sehen.

Gesichter zu den Namen, die jeder kennt

Während Nowotny die Gäste begrüßt, erleuchtet hinter ihm jenes bekannte Bild von Lisi Block, das auch den alten Filmpalast in der Samerstraße schmückt. „Durch das Projekt bekommen wir zu den Namen, die wir schon kennen, Gesichter gezeigt“, sagt Nowotny. Es seien die Gesichter von Menschen, die verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Menschen wie Lisi Block. „Es freut mich sehr, dass dieses Mädchen hier ein Gesicht bekommt und das an sie erinnert wird“, sagt die Rektorin der Mädchenrealschule Magdalena Singer.

Erinnern, nicht mahnen

Ihr sei es wichtig, zu erinnern und nicht zu mahnen. Darauf würden sowohl sie, als auch ihre Kollegen während des Unterrichts wert legen. So würde nicht nur eine Stele im Eingangsbereich und eine Wandtafel an Lisi Block erinnern, auch wäre ihre Geschichte immer wieder Thema auf dem Stundenplan. Unter anderen dann, wenn ihre Tagebücher gelesen und besprochen werden.

Patenschaft für einen Stolperstein übernommen

Und weil es ein Thema ist, das ihr am Herzen liegt, freue sie sich umso mehr über das Kunstprojekt und die Arbeit der Initiative Erinnerungskultur. „Die Mädchenrealschule ist eine besondere Schule, die auch die Erinnerung an eine besondere Schülerin pflegt“, lobte auch Nowotny.

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So hätte die Einrichtung beispielsweise die Patenschaft für einen der Stolpersteine übernommen, die vor drei Jahren für die Familie Block in Niedernburg bei Prutting verlegt wurden. „Ich habe während der Verlegung die Angehörigen der Familie Block aus England und Israel kennengelernt“, sagt Nowotny. In Gesprächen habe sich immer wieder gezeigt, dass auch sie sich wünschen würden, dass für Lisi Block ein Stolperstein vor ihrer alten Schule verlegt wird.

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Nowotny will aus diesem Grund einen neuen Versuch starten und am 9. November einen Antrag bei der Stadt einreichen. Wie die Entscheidung ausgehen wird, bleibt abzuwarten.

Schulradioprojekt „Simsseewelle“

Neben den zahlreichen Bildern von Lisi Block und ihrer Familie, die an die Fassade projiziert wurden, hörten die Anwesenden während der Aktion auch den preisgekrönten Beitrag des Schulradioprojektes „Simsseewelle“ der Otfried-Preußler-Mittelschule Stephanskirchen, der in Zusammenarbeit mit Schülerinnen der Mädchenrealschule entstand. Nowotny gab den rund 30 Anwesenden kurz vor Ende noch eine Bitte mit auf den Nachhauseweg: „Wir müssen absolut intolerant sein gegen Intoleranz. Das sind wir Lisi Block und sechs Millionen ihrer Leidensgenossen schuldig.“

Weitere Aktion am 30. September

Eine weitere Veranstaltung wird es am Donnerstag, 30. September, geben. Ab 20 Uhr werden an drei Häusern Gesichter an die Fassaden projiziert, um an Rosenheimer zu erinnern, die während des NS-Regimes ihr Leben verloren haben. Eben weil Erinnerung wichtig ist.

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