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OVB-Serie „Kunst im öffentlichen Raum“

Im Rosenheimer Aicherpark heißt es: „Nicht Sterben durchs Leben“

Rudl Endriß Granitpfeiler „Nicht sterben durchs Leben“ setzt im Aicherpark einen wohltuend ruhigen Akzent.
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Rudl Endriß Granitpfeiler „Nicht sterben durchs Leben“ setzt im Aicherpark einen wohltuend ruhigen Akzent.

1993 erlitt der Künstler Rudl Endriß einen Schlaganfall, seitdem ist er halbseitig gelähmt. Sein Schaffen begrenzt seine Einschränkung nicht, wie eine seiner Skulpturen im Rosenheimer Aicherpark zeigt.

Rosenheim – Ein mächtiger, grauer Steinpfeiler steht unauffällig im Aicherpark. An einem kleinen Grünstreifen, begleitet von einem Ahornbaum, bildet das Kunstwerk, das der Bildhauer Rudl Endriß um 2000 geschaffen hat, einen Ruhepunkt. Hier, links zu Beginn der Kolbermoorer Straße, wenn man von Rosenheim kommt auf Höhe eines Parkplatzes, hat der Fünf-Tonnen-Koloss seit 2010 seinen Platz.

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Damals wurde die „Kunstmeile Aicherpark“ feierlich eröffnet, ein Projekt des nun scheidenden Projektmanagers Hans Schussmann. Der Rosenheimer Unternehmer Richard Wurm, der Rudl Endriß und sein Schaffen schon lange schätzt, hatte das Objekt gekauft und die Aufstellung finanziert.

Urbild von Pfeiler und Säule

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Der Granitpfeiler strahlt eine archaische Würde aus und wirkt fast wie ein Mensch gleich einem hohen Schaft, der dem Körper entspricht, dazu der abgesetzte Kopf. Rudl Endriß greift mit dieser Gestaltung auf das Urbild von Pfeiler oder Säule zurück, den Menschen. Auch die dorische Säule, die älteste Form der sich nach und nach entwickelnden griechischen Säulen, kommt noch ohne Basis aus.

Seit 1993 halbseitig gelähmt

Um den Hals, wenn man bei dem Bild der menschlichen Gestalt bleiben möchte, zieht sich ein 20 Zentimeter hohes Schriftband mit vier Worten – auf jeder Seite eines. Die mit Sandstrahler eingravierten Worte ergeben das Motto „Nicht sterben durchs Leben“. Um die ganze Tiefe und Schwere dieser Aussage erfassen zu können, muss man wissen, dass Rudl Endriß 1993 einen Schlaganfall erlitt und seither halbseitig gelähmt ist.

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„Ich lese mir nun täglich Artikel aus der Süddeutschen Zeitung laut vor. Ich übe mich so im Sprechen. Dabei stieß ich auf diesen Satz. Der gefiel mir. Der hat Bedeutung. Ich habe ihn mir notiert. Als ich den Stein bei Franke sah, wusste ich gleich, dieser Satz gehört auf diesen Stein.“ So schildert der Bildhauer die Entstehung seines Kunstwerkes.

Granit aus Schweden

Seit vielen Jahren arbeitet Rudl Endriß mit dem Natursteinbetrieb Franke in Rott am Inn zusammen. Hier findet er oft passende Steine für seine künstlerischen Ideen. Peter Franke weiß genau, wie er die Vorstellungen des Künstlers handwerklich umsetzen kann.

„Das Material bei diesem Pfeiler ist ein Halmstad Granit, der im Südwesten Schwedens gebrochen wird. Man erkennt ihn leicht an seiner kräftigen Schichtstruktur und der roten Färbung im Grau“, erläutert der Steinmetz.

Neue künstlerische Akzente setzen

Rudl Endriß, der sich seit Mitte der 80er Jahre mit Steinskulpturen beschäftigt, liebt es, wenn sich eine überzeugende Komposition aus der Ursprünglichkeit des Materials – immerhin ist dieser Granit 920 Millionen Jahre alt – mit neuen künstlerischen Akzenten ergibt. So blieben auch bewusst die Spuren der Bohrlöcher auf drei Seiten sichtbar, die von der schweren Arbeit im Steinbruch und dem Herausbrechen des Brockens berichten. Stein gehört neben Metall und Holz zu den bevorzugten Werkstoffen Rudl Endriß‘, einer der kreativsten und fleißigsten Künstler in der hiesiegen Region.

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Neben Granit setzt der Bildhauer auch Marmor, Schiefer und Kalkstein ein, kombiniert Stein mit Metall. Berühmt sind seine „Wortsteine“ mit hintersinnigen Wortpaaren, die viel vom Humor und dem feinen Sprachverständnis des Künstlers zeigen.

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