Über 50 Einsätze

Küche als Brandherd: Feuerwehr und Polizei müssen in Rosenheim immer häufiger ausrücken

Eine Ursache für Küchenbrände sind nicht ausgeschaltete Herdplatten.
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Eine Ursache für Küchenbrände sind nicht ausgeschaltete Herdplatten.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Angebranntes Essen oder eine nicht ausgeschaltete Herdplatte: Viele Wohnungsbrände beginnen in der Küche. Rund 50 Einsätze hat es im vergangenen Jahr allein in Rosenheim gegeben. Schaden: rund 200000 Euro. Und dabei lässt sich das Brandrisiko mit einfachen Vorsichtsmaßnahmen deutlich verringern.

Rosenheim – Hauptkommissar Robert Maurer von der Polizeiinspektion Rosenheim hat in seiner beruflichen Laufbahn schon einige Türen eingetreten. Fast immer hat er dadurch Schlimmeres verhindert. Während eines Pressegesprächs erzählt er von Rauchmeldern, besorgten Nachbarn und Bewohnern, die kurz zum Einkaufen gegangen sind, obwohl das Essen auf dem Herd steht.

Seit vier Stunden hat Brandmelder gepiepst

Erst vor rund einem Monat gab es einen solchen Fall in der Wittelsbacher Straße. Nachbarn hätten die Polizei verständigt, weil in der Wohnung eines 78-Bewohners bereits seit vier Stunden der Brandmelder piepste. „Wir haben mit den Nachbarn gesprochen und mussten davon ausgehen, dass sich der Bewohner in der Wohnung aufhält.

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Womöglich in einer hilflosen Lage“, erinnert sich Maurer. Seine Kollegen hätten die Tür daraufhin gewaltsam geöffnet. Zwar sei der 78-Jährige nicht zu Hause gewesen, dafür stellten die Beamten eine starke Rauchentwicklung in der Küche fest.

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Die Ursache: Der Mann hatte eine Pfanne mit Speiseresten auf der angeschalteten Herdplatte stehen lassen und das Haus für kurze Zeit verlassen. „Wir haben die Wohnung gelüftet und die Feuerwehr hat den Brandmelder deaktiviert“, sagt Maurer.

Leichter Rauch aus dem gekippten Fenster

Ein ähnlicher Fall ereignete sich im Oktober 2020 in der Finsterwalderstraße. Auch hier verständigten Nachbarn die Polizei, weil sie das Schrillen eines Rauchmelders hörten. Vor Ort hätten die Beamten bereits gesehen, wie leichter Rauch aus dem gekippten Fenster im dritten Obergeschoss drang. In der Pressemitteilung wird später stehen, dass sich die Feuerwehr über eben dieses Fenster Zutritt zu der Wohnung verschafft.

„Das Essen im Ofen war angebrannt“, sagt Maurer. Als der 55-jährige Bewohner schließlich nach Hause kam, habe er angeben, dass er den Schweinebraten vor rund 45 Minuten in den Ofen gelegt und anschließend zum Joggen gegangen wäre.

Ausgebrannte Küche mit Schaden von 20 000 Euro

Dass nicht alle Einsätze so glimpflich ausgehen, zeigt ein Beispiel aus der Nachbargemeinde Stephanskirchen. Mitte Februar brannte in der Ganghoferstraße das Essen an. Der 50-jährige Bewohner versuchte daraufhin, den Brand mit einem Topflappen zu löschen. Weil auch dieser Feuer fing, sei es zu einem Küchenbrand gekommen. „Die Küche ist komplett ausgebrannt“, sagt Polizeihauptkommissar Maurer. Schaden: rund 20 000 Euro.

Wohnung verlassen, ohne Ofen auszuschalten

Es sind nur drei von zahlreichen Einsätzen, zu denen Polizei und Feuerwehr im vergangenen Jahr ausrücken mussten. Einige Bewohner seien eingeschlafen, während das Essen auf dem Herd kochte. Andere hätten die Wohnung verlassen und vergessen, den Ofen auszuschalten. „Die Rauchmelder sind da eine wirklich tolle Sache“, sagt Kreisbrandrat Richard Schrank. Schrank ist zwar weniger für die Stadt und mehr für den Landkreis zuständig.

Rauchmelder seit 2018 vorgeschrieben

„Seitdem es die Rauchmelder gibt, sind die Einsatzzahlen gefühlsmäßig gestiegen“, sagt er. In Bayern sind besagte Geräte seit 2018 in allen Wohnungen vorgeschrieben. Häufig seien es die Nachbarn, die in der Dienststelle anrufen würden, um Feuerwehr und Polizei über einen schrillenden Rauchmelder zu informieren. „Fehlalarme gibt es nur ganz selten“, sagt Schrank. Im gesamten Landkreis seien es im vergangenen Jahr gerade einmal 18 gewesen. „Das ist fast nichts“, lautet die Einschätzung des Kreisbrandrats.

Böswilligkeit kostet Geld

Und doch muss er beobachten, dass nicht alle sofort zum Telefon greifen, wenn sie einen Rauchmelder hören oder die Vermutung haben, dass es beim Nachbarn brennen könnte. „Viele denken, dass sie den Feuerwehreinsatz bezahlen müssen“, sagt Schrank. Doch dem ist nicht so. Auch dann nicht, wenn der Nachbar sich täuschen sollte und es überhaupt kein Feuer gibt. Nur wer böswillig einen Alarm auslöst, muss dafür in die Tasche greifen.

Vermieter muss für eingetretene Türen bezahlen

Und wer muss für die eingetretene Tür bezahlen? „In den meisten Fällen der Vermieter“, sagt Kreisbrandrat Richard Schrank. Deshalb werde die Tür auch nicht sofort eingetreten. „Wir probieren zuerst, über Nachbarn oder Verwandte einen Kontakt zum Bewohner herzustellen“, sagt Robert Maurer.

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Weil die Einsatzkräfte aber nicht immer wüssten, ob ein Menschenleben gefährdet ist oder nicht, könne nicht ewig gewartet werden. „Wir versuchen, den Schaden so gering wie möglich zu halten“, sagt der Polizeihauptkommissar. Übung hat er mittlerweile genug.

So werden Küchenbrände verhindert:

• Das Ceran- oder Kochfeld und das unmittelbare Umfeld sollte niemals als Ablagefläche dienen.

• Eine Pfanne mit heißem Öl sollte nicht unbeaufsichtigt auf der heißen Herdplatte stehen gelassen werden.

• Einen Fettbrand niemals versuchen, mit Wasser zu löschen. Im schlimmsten Fall kann hier eine Fettexplosion entstehen. Kreisbrandrat Richard Schrank rät deshalb dazu, einen Fettbrandlöscher in der Küche aufzubewahren.

• Wenn Elektrogeräte nicht genutzt werden, ausschalten.

• Die Krümelschublade des Toasters regelmäßig leeren.

• In jedem Haushalt sollte ein Wasser-Feuerlöscher vorhanden sein. Pulverlöscher sind für den Gebrauch zu Hause Experten zu Folge weniger geeignet.

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