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Siegfried Kress nach 38 Jahren im Ruhestand

Konrektor an der Rosenheimer Mädchenrealschule wird mit 225 Rubik-Würfeln verabschiedet

Verlässt die Mädchenrealschule mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Konrektor Siegfried Kress und sein Kunstwerk aus Zauberwürfeln.
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Verlässt die Mädchenrealschule mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Konrektor Siegfried Kress und sein Kunstwerk aus Zauberwürfeln.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Mit einer kleinen Zeremonie haben sich die Schülerinnen der Mädchenrealschule von ihrem Konrektor Siegfried Kress verabschiedet. Über einen Mann, der auch nach 38 Jahren noch gerne in die Schule ging und was ein Zauberwürfel, der aus 26 Steinen und 54 farbigen Flächen besteht, damit zu tun hat.

Rosenheim – Die Bläser stehen bereit, im Pausenhof tummeln sich zahlreiche Schülerinnen. Sie lachen, tuscheln und halten Ausschau nach dem Mann, der seit mehr als drei Jahrzehnten die Mädchenrealschule nachhaltig geprägt hat. Dann ist es soweit. Siegfried Kress biegt um die Ecke und wird mit viel Applaus und Pfiffen begrüßt. Später wird er sagen, dass er zwar geahnt habe, dass „etwas im Busch ist“, er aber eher an ein gemeinsames Essen gedacht habe.

Idee von einem berühmten Künstler

Stattdessen erwartet ihn ein Vormittag, den er so schnell wohl nicht vergessen wird. Daran ändert auch der Regen nichts, der plötzlich einsetzte und die Lehrer zwang, die Zeremonie nach innen zu verlegen. Das Vorhaben aber blieb das gleiche. „Wir haben uns überlegt, das Porträt unseres Konrektors mit Rubik-Würfeln zu erstellen“, sagt Kollege Wolfgang Lentner. Die Idee dazu bekam der Lehrer durch den Künstler Franck Slama alias „Invader“ und sein berühmtes Kunstwerk „Rubik Dalai Lama“, das sich aus 225 Zauberwürfeln zusammensetzt. „Da ich im Unterricht sowieso gerade mit Rubik-Würfeln gearbeitet habe, kam ich auf die Idee, zur Verabschiedung ein ähnliches Projekt mit 320 Würfeln zu machen“, sagt Lentner.

Rubik-Würfel statt Mini-Roboter

Und das, obwohl das Thema Rubik-Würfel überhaupt nicht auf dem Lehrplan stand. „Eigentlich wollten wir Lego-Roboter programmieren“, sagt Lentner. Weil die Arbeit in kleinen Gruppen aufgrund der Pandemie und des Lockdowns nicht möglich gewesen sei, musste Lentner umplanen. Statt Roboter hieß es jetzt also Rubik-Würfel. Während des Unterrichts lernten die Schülerinnen, wie man den Zauberwürfel mithilfe von mathematischen Formeln innerhalb kürzester Zeit lösen kann.

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Die Schülerinnen hätten bereits gewusst, wie man die jeweiligen Steine des Würfels drehen muss, um eine bestimmte Farbkombination zu erhalten, als Lentner seinen Schützlingen von seinen Plänen berichtete. Mithilfe eines Programmierungs-Tools hätten die Schülerinnen genau gewusst, welche Farben ihr Würfel haben muss, damit am Ende des Tages das Bild ihres Konrektor Siegfried Kress zu sehen ist.

Schülerinnen lernen sich untereinander an

„Die Schülerinnen haben sich untereinander angelernt. Ich wusste also bis zum Schluss nicht, ob es wirklich funktioniert“, sagt Lentner. Er spricht von Messenger-Gruppen, die die Schülerinnen erstellt hätten, um sich auch nach dem Unterricht auszutauschen, damit bei der Zeremonie jeder Handgriff sitzt.

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„Wir haben zwei Wochen geprobt“, sagt Lentner. Schon bei der Generalprobe, die direkt vor der Verabschiedung stattgefunden hat, habe jeder Handgriff gesessen. So auch während der Zeremonie. Abwechselnd eilen die Schülerinnen zu dem aufgebauten Holzrahmen, platzieren ihren Würfel in dem ihnen zugeteilten Feld und setzen sich wieder zurück auf ihren Platz. Hin und wieder müssen sich die Schülerinnen beraten, schauten sich das Bild auf ihren Handys an und machten weiter. Nach und nach entsteht so das Bild von Siegfried Kress.

Eine Überraschung zum Ende

„Ich habe relativ schnell erkannt, dass da mein Porträt entsteht“, sagt der Konrektor. Gerechnet habe er mit so einer Überraschung nicht. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Kress der ohnehin schon schwere Abschied noch 38 Jahren noch ein bisschen schwerer fällt. „Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge“, sagt er.

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Denn so sehr er die Zeit in der Mädchenrealschule auch genossen hat, so sehr freut er sich auf die dazugewonnene Zeit. „Ich werde jetzt Sachen machen, die ich in den vergangenen Jahren immer auf die lange Bank geschoben habe“, sagt er. Er spricht vom Lesen, von gemeinsamen Reisen mit seiner Frau. Und vielleicht wird er auch reflektieren, über die vergangenen 38 Jahre und den Moment ganz am Ende, der ihm für immer in Erinnerung bleiben wird. Dank zahlreichen Zauberwürfeln, seinen Kollegen und Schülerinnen.

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