VORFALL IN ASYLBEWERBERUNTERKUNFT

Kommoden und Rad geklaut? 28-Jähriger muss sich vor Rosenheimer Schöffengericht verantworten

Weil er einem ehemaligen Mitbewohner unter anderem ein Fahrrad gestohlen haben soll, musste sich jetzt ein 28-jähriger Asylbewerber aus Afghanistan in Rosenheim vor dem Schöffengericht verantworten.
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Weil er einem ehemaligen Mitbewohner unter anderem ein Fahrrad gestohlen haben soll, musste sich jetzt ein 28-jähriger Asylbewerber aus Afghanistan in Rosenheim vor dem Schöffengericht verantworten.
  • vonTheo Auer
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Weil er zwei Kommoden sowie ein Fahrrad eines ehemaligen Mitbewohners an sich genommen hatte, musste sich jetzt ein 28-jähriger Asylbewerber aus Afghanistan in Rosenheim vor dem Schöffengericht verantworten. Der Angeklagte war nach eigenen Angaben davon ausgegangen, dass die Gegenstände herrenlos waren und niemandem gehörten.

Rosenheim – Als im März 2020 ein Asylbewerberheim in der Aisingerwies in Rosenheim geschlossen wurde, forderte man die Bewohner auf, in andere Unterkünfte umzuziehen. Unter anderem in eine Unterkunft an der Kufsteiner Straße in Rosenheim.

Ein Mann aus Sambia hatte dort nur dreimal im Monat genächtigt, weil er einen Job und eine Dienstunterkunft in Nußdorf gefunden hatte. Daher war es ihm nach eigenen Angaben nicht mögliche, seinen Besitz auf einmal ins neue Zuhause zu schaffen. Als er sein restliches Hab und Gut abholen wollte, fehlten allerdings zwei Kommoden und sein Fahrrad.

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Er war deshalb erfreut, dass er sein Radl in der Asylantenunterkunft in der Kufsteiner Straße wieder fand. Allerdings war es mit zwei anderen Rädern zusammen geschlossen. Deren Besitzer, der nun angeklagte Afghane (28), machte er schnell ausfindig und der händigte ihm das Fahrrad auch umgehend wieder aus. Nach seinen Angaben hatte er das Fahrrad dort herrenlos und unversperrt vorgefunden und es „für den Besitzer“ lediglich gesichert. Der Mann aus Sambia rief dennoch die Polizei. Die Ermittler stellten dann zhudem fest, dass auch die abhanden gekommenen Kommoden in der Wohnung des Afghanen zu finden waren.

Gegenstände waren im Zimmer versperrt

Weil der Sambier erklärte, dass sich die Gegenstände in seinem versperrten Zimmer befunden hätten, wurde der 28-Jährige vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Bartschat wegen Einbruchdiebstahls angeklagt.

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Der arbeitslose Angeklagte behauptete vor Gericht jedoch, dass er die Gegenstände auf dem Flur der Asylbewerberunterkunft gefunden und sie letztlich als herrenlos eingestuft habe. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Marc Herzog, verwies auf die Tatsache, dass in diesem Gebäude alle Zimmerschlüssel an jedem Zimmer gepasst hatten und es durchaus möglich gewesen sei, dass im Zuge des allgemeinen Aufbruches die Gegenstände bei der Räumung durch Dritte auf den Gang geschafft worden seien.

Besitzer bekommt Fahrrad wieder

Nachdem dies nicht widerlegbar war und der Angeklagte ansonsten geständig, beantragte der Verteidiger, das Verfahren einzustellen. Darüber hinaus hatte nämlich der Mann aus Sambia im Nachgang die Kommoden an den Afghanen verschenkt und lediglich das Fahrrad wieder an sich genommen.

Soweit wollte die Staatsanwältin dem Angeklagten denn doch nicht entgegenkommen. Zwar sei ein Einbruchsdiebstahl wohl nicht nachzuweisen. Aber es gehe nicht an, dass jedermann Dinge einfach für herrenlos erklären und wegnehmen könne. Wegen des Diebstahls beantragte sie, eine Geldstrafe von 1200 Euro zu verhängen.

Opfer schenkt Kommoden her

Der Verteidiger verwies nochmals darauf, dass letztlich kein Schaden entstanden sei und dass der Geschädigte einen Teil der Gegenstände gar an seinen Mandanten verschenkt habe. Deshalb sei eine Geldstrafe von 800 Euro wohl hinreichend.

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Das Gericht bestätigte, dass der Vorwurf auf einfachen Diebstahl reduziert werden könne. Allerdings hätte sich der Angeklagte zwingen erkundigen müssen, ob die Dinge tatsächlich herrenlos sind. Eine Geldstrafe von 750 Euro soll ihn dauerhaft daran erinnern.

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