AUS DEM GERICHTSSAAL

Kommissar Zufall im Einsatz

Das Schöffengericht Rosenheim verurteilte einen 60-Jährigen aus dem westlichen Landkreis wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmittel in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung, einer Geldbuße von 1000 Euro und einem Konsumverbot.

Rosenheim – Dass sich der Mann vor dem Rosenheimer Schöffengericht verantworten musste, verdankt er dem Kommissar Zufall. Ein Polizeieinsatz in einem Mehrparteienhaus galt nämlich eigentlich seiner Nachbarin. Dort sollte eine Wohnungsdurchsuchung stattfinden. Doch die Situation sei ein wenig undurchsichtig gewesen, denn Briefkästen und Türschilder hätten nicht zusammengepasst, sagte einer der am Einsatz beteiligten Polizeibeamten.

Extrem starker Marihuanageruch

Um die gesuchte Wohnung zu finden, sei man ums Haus herumgegangen und dabei an dem geöffneten Fenster des Angeklagten vorbeigekommen. „Dabei ist extrem starker Marihuanageruch nach draußen gedrungen“. Beim Blick durch das Fenster sei eine Aufzuchtanlage sichtbar gewesen.

Wenig später fanden die Beamten in der Wohnung des Angeklagten drei erntefähige Marihuanapflanzen und drei Jungpflanzen sowie einen Karteikasten mit unterschiedlichen Samen. Dabei schien der Angeklagten im Anbau nicht allzu ungeschickt, denn die Beamten konnten 174,7 Gramm Marihuana mit einem Wirkstoffgehalt von 15 Gramm Tetrahydrocannabinol abernten.

Der Angeklagte räumte den Tatvorwurf umfassend ein. Er gab das Alleinleben als Grund für seinen Konsum an. Ab und zu habe er außerdem etwas gegen sein Kreuzweh rauchen wollen und keinen Stoff gehabt. Deshalb habe er das Marihuana angebaut und sich auf seine Ernte gefreut, doch da habe ihm die Polizei einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Komplette Ernte von Polizei sichergestellt

Letztlich habe er von seinen Pflanzen nichts gehabt. Die komplette Ernte sei sichergestellt worden. Während der dreimonatigen Reifezeit habe er nichts konsumiert und auch anschließend habe er nichts mehr geraucht, denn die Wohnungsdurchsuchung sei so ein Schock gewesen, dass er nun komplett mit dem Marihuana aufgehört habe.

Ein Haargutachten des Angeklagten belegte diese Angaben. Demnach hatte der 60-Jährige in den vergangenen sechs Monaten keine Cannabinoide zu sich genommen. Für den Vertreter der Anklage war eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten und eine Geldauflage in Höhe eines Monatsgehalts tat- und schuldangemessen.

„Ich schließe mich ausnahmsweise dem Plädoyer des Staatsanwalts an“, sagte Verteidiger Alexander Eberth. Sein Mandant habe ein positives Verhalten nach der Tat an den Tag gelegt und aus eigenem Antrieb die Kontrolle seines Drogenkonsums eingeleitet. Dabei sei nachgewiesen worden, dass er über ein halbes Jahr nicht mehr konsumiere. Das werde auch weiterhin so bleiben, denn sein Mandant wolle seinen Führerschein behalten und müsse seine Drogenabstinenz nachweisen, betonte der Verteidiger.

Gute Prognosen für den Angeklagten

Das Rosenheimer Schöffengericht schloss sich mit seinem Urteil den Schlussvorträgen an. Der Angeklagte sei nicht vorbestraft und wirke gefestigt, hieß es zur Begründung. Die Geldbuße von 1000 Euro an eine Suchthilfeeinrichtung solle ein Denkzettel sein, stellte Richter Stefan Tillmann abschließend fest. ca

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