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Verein mit neuen Plänen

70 Jahre Wassertreten in Rosenheim: Kneipp Verein feiert Jubiläum mit Programm im Riedergarten

Gertraud Jergers beim Wassertreten in der Kneippanlage im Riedergarten.
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Gertraud Jergers beim Wassertreten in der Kneippanlage im Riedergarten. 
  • Thomas Stöppler
    VonThomas Stöppler
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Der Rosenheimer Kneipp Verein feiert am Wochenende einen runden Geburtstag. Zum Festwochenende gibt es ein großes Programm von Lachyoga bis Indian Balance. Was es mit Kneipp eigentlich auf sich hat und warum der Ansatz trotz seines Alters modern ist, weiß Gertraud Jergers.

Rosenheim – „Gleich nach Bismarck“ käme Sebastian Kneipp, sagt Gertraud Jergers. Also nicht im Geschichtsunterricht, sondern vom Bekanntheitsgrad Ende des 19. Jahrhunderts. Der Pfarrer, der ein jüngst seinen 200. Geburtstag hatte und der sich für das eine oder andere kalte Bad von seinen Anhängern verantwortlich zeigt, ist zweifellos ein bedeutender Mann. Unzählige Vereine haben sich in seinem Namen gegründet – auch in Rosenheim. Und dieser feiert heuer sein 70-Jähriges Jubiläum.

Und Kneipp-Behandlungen sind immer noch hochmodern, auch wenn die Ausgangslage sich verändert hat. Kneipp litt nämlich selbst als junger Mann an Tuberkulose und kurierte sich selbst Wassergüssen und Bädern. Bei einem Choleraausbruch 1854 wird ihm die Heilung von 42 Menschen zugeschrieben.

Burn-out statt Cholera und Tuberkulose

Kneipps Methoden fanden schnell Anhänger und bis heute sind die Behandlungen sehr beliebt. Über 1200 Kneippvereine mit über 200.000 Mitgliedern zählt der Kneippdachverband in Deutschland. In Rosenheim sind es etwa 370.

Nun sind Cholera und Tuberkulose in Bayern verhältnismäßig selten geworden und sie werden auch in der Regel anders behandelt. Aber kneippsche Prinzipien finden inzwischen immer mehr Anwendungen bei allen möglichen Leiden – auch bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Burn-outs. Das liege nicht zuletzt am ganzheitlichen Ansatz von Kneipp: „Häufig genug kommt es vor, dass körperlich Kranke noch viel kränker sind an der Seele“, schreib Kneipp. Gertraud Jergers erklärt, dass kneippsche Handlungen immer auch etwas für die Psyche seien: „Jede Handlung ist immer auch eine Zuwendung“, hält sie fest. Entweder an einen anderen, wie bei einem Wickel für ein Kind, oder für einen selbst wie bei einem Guss.

Im Storchengang durchs Wasserbecken

Zwar gehören zur Kneippmedizin auch Kräuter, Ernährung und Bewegung, aber bekannt ist Kneipp vor allem für die Wasseranwendungen. Das sind zum Beispiel Bäder, Güsse oder das Wassertreten. Bei dem läuft man durch etwa kniehohes Wasser und zieht bei jedem Schritt das Bein soweit hoch, dass es aus dem Wasser ragt – wie im Storchengang. „Gemäß Kneipp braucht der Körper Wechselwirkungen“, erklärt Jergers. Und zwar sowohl den Temperaturunterschied von kaltem Wasser und warmer Luft, als auch den Unterschied von Luft- und Wasserdruck.

Die Rosenheimer Kneipp-Kursleiter

Insgesamt, sagt sie, gebe es über 120 verschiedene Wasseranwendungen. Ein Teil davon käme allerdings nur bei stationären Behandlungen vor. Aber die etwa die Hälfte könne man auch gut zu Hause machen, erzählt die Medizinische Fachangestellte. Etwa eine Leibwaschung als Einschlafhilfe. Dazu faltet man ein Leinentuch und macht dieses nass. Das Wasser sollte kalt oder maximal lauwarm sein. Das feuchte Tuch wird mit jeder Seite jeweils fünfmal im Uhrzeigersinn über den Bauch gestrichen. Dann klappt man das Tuch auf und führt die beiden neuen Seiten noch mal jeweils fünfmal über den Bauch. „Zehn Minuten später ist man dann weg“, erzählt Jergers – auch bei den Enkeln würde das funktionieren. Da sei das Wasser dann aber lauwarm.

In Rosenheim kann man im Riedergarten Wassertreten. Dort gibt es eine kleine Kneippanlage. Vieles könne man zwar zu Hause aber eben nicht alles. Außerdem „braucht man einen Ort zum Erfahrungsaustausch“, sagt Jergers. Durch den Verein könne man Anwendungen zusammen machen und nicht zuletzt den inneren Schweinehund leichter überwinden. Der betrifft ja nicht nur den Hausputz, sondern auch Bewegung oder eben Güsse und Bäder. Mit der Gruppe überwindet man sich leichter.

Ein Barfußpfad für Rosenheim

„In Rosenheim sind wir ein bisschen im kneippschen Niemandsland“, sagt Jergers. Trotz der Anlage. Sie wünscht sich noch einen Barfußpfad. Denn laut Kneipp werde „alles Schlechte über die Füße ausgeleitet“, erklärt sie. Der Verein verhandele mit der Stadt, aber so einfach wie es klingt, sei es dann doch nicht, erzählt sie.

Aber jetzt am Wochenende geht es auch ohne den Barfußpfad: Im Riedergarten ist allerlei Programm für Mitglieder und Neugierige geboten. Lachyoga, Qigong und Osteoporose Gymnastik gibt es zum Beispiel am Samstag beim Gesundheitstag  im Evangelischen Gemeindezentrum der Erlöserkirche, Königstrasse 23, Rosenheim. Das vollständige Programm gibt es unter: www.kneipp-verein-rosenheim.de

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