Interview mit Clownin Yueh Weber-Luh

Rosenheimer Klinikclowns im Corona-Modus: Maske tragen und bloß nicht singen

Die Klinikclowns „Lulu“ und „Muck“ vor dem Romed Klinikum Rosenheim.
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Die Klinikclowns „Lulu“ und „Muck“ vor dem Romed Klinikum Rosenheim.
  • Jens Kirschner
    vonJens Kirschner
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Video statt Besuche am Krankenbett. Viele Klinikclowns mussten in Zeiten von Corona umdenken. Glück hatte die Clownin Yueh Weber-Luh, die am Rosenheimer Romed-Klinikum weiterhin die Möglichkeit hat, ihren Patienten persönlich zu begegnen. Wenngleich auf Abstand.

Rosenheim – Die Klinikclowns sorgen normalerweise am Krankenbett dafür, den Heilungsprozess von Patienten mit der nötigen Portion Zuneigung und Humor zu unterstützen. Während der Pandemie waren sie bisweilen auf den Kontakt per Video beschränkt. Ein Gespräch mit der Klinikclownin Yueh Weber-Lu über das Glück, den Patienten am Rosenheimer Romed-Klinikum trotz Distanzgebot einigermaßen nahe sein zu dürfen.

Frau Weber-Lu, mit dem Lockdown müssen die Klinikclowns teils umdenken, wenn sie den Patienten nur noch digital begegnen dürfen. Wie lässt sich dieser neue Umstand für Sie an?

Yueh Weber-Lu: Glücklicherweise kann ich an zwei meiner regelmäßigen drei Einsatzorte in Präsenz arbeiten. Neben dem Romed-Klinikum ist das das Kompetenzzentrum Demenz in München-Laim. Deshalb habe ich selbst keine Erfahrungen mit digitalen Formaten für unsere Clowns-Einsätze.

Ist froh darüber, zumindest auf Abstand die Patienten besuchen zu können: die Klinkclownin Yueh Weber-Lu.

Scherze auf Abstand

Was machten Sie stattdessen?

Weber-Lu: Stattdessen bot ich mit meiner Kollegin zusammen im Mai und Juni vergangenen Jahres für das Kompetenzzentrum Demenz Aktionen im Freien an. Wir waren draußen im Garten und die Bewohner kamen zum Balkon. Statt der üblichen Nähe zu den Bewohnern waren unsere Distanzen plötzlich sehr groß. Nicht nur unsere Stimmen waren gefordert, um vom Garten bis zum dritten Obergeschoss vorzudringen, sondern wir mussten auch Requisiten und Bewegungen auf die großen Distanzen anpassen, um gesehen und wahrgenommen zu werden. Ab Juli durften wir dann wieder unter besonderen Hygienebedingungen die Bewohner im Haus besuchen.

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Was vermissen Sie besonders?

Weber-Lu: Insbesondere auf der Palliativstation des Romed-Klinikums erfahren wir immer wieder Situationen, in denen wir zuvor den Patienten durch Nähe und einen tröstenden Händedruck Zuwendung geben konnten. Das ist in dieser Form mit den jetzigen Abstandsregeln leider nicht mehr machbar. Auch begeistert auf uns zu rennende Kinder oder demente Personen müssen wir leider auf Abstand halten. Ein herzlicher Händedruck zur Begrüßung und zum Abschied entfällt genauso wie ein gelegentliches Tänzchen mit Bewohnern des Kompetenzzentrums Demenz.

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Und mit welchen Schwierigkeiten mussten Sie kämpfen?

Weber-Lu: Emotionale Gesichtsausdrücke sind ein wichtiges Element meines Spiels als Klinikclown. Mit FFP2-Masken lässt sich das leider nicht so gut realisieren. Sprechen und Summen sind durch die Hygienevorschriften erlaubt. Die Menschen durch Singen zu erreichen ist und bleibt wohl auch für einige Zeit nicht mehr möglich.

Selbst Seifenblasen sind verboten

Wie haben die Patienten auf die neuen Umstände reagiert?

Weber-Lu: Bei kleinen Kindern, die zu uns gerannt kommen, entsteht wegen der Abstandsregeln nun eher ein „Fang-den-Clown“-Spiel. Seifenblasen sind ein beliebtes Mittel, um mit Kindern in Kontakt zu kommen und mit ihnen zu spielen. Da sie nicht mehr geblasen werden dürfen, wundern und freuen sich viele Kinder über die seltsamen Handbewegungen, mit denen die Clowns trotzdem Seifenblasen herbeizaubern. Ältere Menschen kennen uns in der Regel länger und wundern sich immer wieder, dass wir so viel Abstand halten. Sie vermissen einfach den Handschlag und die körperliche Zuwendung – sei es durch ein Tänzchen oder auch nur, daneben zu sitzen, die Hand zu halten und einfach da zu sein.

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Gab es Besonderheiten im Rosenheimer Romed-Klinikum?

Weber-Lu: Wir freuen uns und sind sehr dankbar, dass Ärzte und Pflegepersonal auf der Palliativstation und in der Kinderklinik unsere Arbeit in ihren Bereichen sehr schätzen und unsere Besuche hier auch unter den Bedingungen der Pandemie wieder möglich sind.

Trotz Tests und Masken: Sehr gutes Verhältnis zum Personal

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Klinikpersonal?

Weber-Lu: Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zum Klinikpersonal. Auch Corona-Schnelltests, FFP2-Masken und Abstand halten haben daran nichts geändert.

Auch an anderen Kliniken sind ja wieder direkte Besuche der Patienten möglich. Auf was müssen Sie in diesen Häusern achten?

Weber-Lu: Sowohl die Klinikclowns Bayern als auch die jeweiligen Kliniken haben Hygieneregeln, die wir befolgen. Dabei halten wir uns stets an die jeweils weitestgehende Regel. Über Änderungen der Regeln sind wir immer gut informiert und können sie gleich umsetzen. Generell ist aber zu beachten: Schnelltest machen, Abstand halten, Maske tragen, desinfizieren und nicht singen.

Die Klinikclownin Yueh Weber-Lu

Yueh Weber-Lu wurde 1963 in Kaoshiung/Taiwan geboren. Dort lernte sie 1987 ihren deutschen Ehemann kennen und lebt seit 33 Jahren mit ihrer Familie in München. Seit dem Jahr 2000 arbeitet sie als Selbstständige im Bereich darstellende Kunst und Malerei und ist seitdem auch als Klinikclown aktiv. Seit 2015 unterrichtet sie auch eine Entspannungstechnik nach Frederick Matthias Alexander.

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