Bis 2030 fehlen 455 Betreuungsplätze in Rosenheim: Caritasverband stellt Lösung vor

Eine Übersicht: Im Bereich Kindergarten ergibt sich aktuell ein Defizit von 140 Plätzen. Die Stadt stellt deshalb für das kommende Kinderkartenjahr drei Container mit Platz für je 25 Kinder auf. Für zwei Standpunkte hat die Stadt bereits grünes Licht gegeben. Die Verhandlungen über die Fläche an der Kindertageseinrichtung St. Josef der Arbeiter laufen. Weitere 25 Kinder sollen einen Platz in einer Großtagespflegestelle im ehemaligen „Mini-Laden“ an der Lessingstraße bekommen. Klinger
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Kitaplätze sind Mangelware in Rosenheim. Während sich die Stadt für das kommende Kindergartenjahr gut vorbereitet sieht, fehlen für die kommenden Jahre die Perspektiven. Jetzt wurde ein erster Lösungsvorschlag im jüngsten Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien vorgestellt.

RosenheimEine Heilpädagogische Tagesstätte, ein Spielplatz und jede Menge Grün: Auf dem Gelände an der Goethestraße 34 in Rosenheim könnte sich in den kommenden Jahren einiges verändern. „Wir sind noch ganz am Anfang der Planungen“, sagt Erwin Lehmann, der Kreisgeschäftsführer der Caritas. In Zusammenarbeit mit weiteren Partnern will der Caritas-Verband das Gelände überplanen und die Fläche neu nutzen. Vorstellbar seien beispielsweise Wohnungen für unterschiedliche Zielgruppen. Lehmann spricht von Familien, aber auch von Menschen mit Behinderung.

Kita-Bedarfsplanung zeigt Defizite auf

Außerdem soll auf dem Gelände – zusätzlich zu der bereits bestehenden Tagesstätte – eine Kindertagesbetreuung entstehen. Konkrete Pläne aber gibt es noch nicht. „Bis jetzt sind das alles nur Wunschvorstellungen. Derzeit wird geprüft welche Ideen sich realisieren lassen“, sagt Lehmann.

Dringend Plätze gesucht

Fest steht, dass die Stadt dringend weitere Kindergartenplätze braucht. Zu diesem Schluss kam auch die Kita-Bedarfsplanung vom Institut für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik (SAGS), die im Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien vorgestellt wurde. Fazit: Aktuell fehlen 35 Krippen- und 140 Kindergartenplätze.

Eine Lösung für die kommenden Jahre: In Zusammenarbeit mit weiteren Partnern will der Caritas-Verband das Gelände überplanen. Entstehen soll hier beispielsweise eine Kindertagesbetreuung.

Dringender Handlungsbedarf

„Es herrscht ein dringender Handlungsbedarf“, teilte die Verwaltung mit. Bereits im vergangenen Jahr lagen der Stadt 70 Bedarfsmeldungen für Kinder über drei Jahren vor, die durch die bestehenden Einrichtungen nicht mehr abgedeckt werden konnten. Gründe hierfür seien der kurzfristig eingeführte Einschulungskorridor, der Elternbeitragszuschuss in Höhe von 100 Euro pro Kind sowie eine unzureichende Datengrundlage.

Daten der Bevölkerungsprognose sind unzureichend

So habe man sich in den vergangenen Jahren auf die Bevölkerungsprognose des Bayerischen Landesamtes für Statistik berufen. Daraus prognostizierte sich –  bis 2027 – ein Bedarf von fünf Kindergarten- und drei Krippengruppen. Ein Bedarf, der allerdings längst überschritten ist.

69 zusätzliche Plätze geschaffen

Das Amt für Schulen, Kinderbetreuung und Familien konnte mit sogenannten Übergangslösungen ab September 2019 69 zusätzliche Plätze schaffen. Weitere 25 reguläre Plätze entstanden durch die Fertigstellung des Waldkindergartens im Keferwald. Außerdem wurde laut Stadtverwaltung die Kindertagespflege weiter ausgebaut.

35 Kindergrippen-Plätze fehlen

Doch eng in den Krippen wird es trotzdem. Aktuell gibt es laut der Stadtverwaltung ein Defizit von 35 Plätzen. Mit der Schaffung von zehn zusätzlichen Plätzen in der Großtagespflegestelle in der Lessingstraße sowie zehn Plätzen in der Krippe Aising in der Gärtnerstraße ist der aktuelle Bedarf aber gedeckt. Für weitere Plätze gebe es laut Stadt keinen Rechtsanspruch.

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Mit der Erweiterung der Kindertagesstätte Apostelkirche (zwei Krippengruppen) und dem geplanten Bauprojekt auf der BayWa-Wiese kann zudem der Bedarf bis 2027 abgedeckt werden, danach müssen allerdings 63 zusätzliche Krippen-Plätze geschaffen werden.

Drei Container für je 25 Kinder

Ähnlich schwierig ist die Situation in den Kindergärten. Die Umwandlung einer Hortgruppe der Kita St. Quirin in einer Kindergartengruppe mit 18 Plätzen zum September 2020 reduziert den aktuellen Bedarf auf 122 Plätze.Die Stadt stellt außerdem für das kommende Kinderkartenjahr drei Container mit Platz für je 25 Kinder auf. Die Container sollen unter anderem neben dem AWO-Integrationskindergarten mit Krippengruppe in Happing und beim Kindergarten „Stadtmäuse“ an der Zinnkopfstraße errichtet werden.

Verhandlungen für dritten Standpunkt laufen

Die Verhandlungen über den dritten Standort laufen noch. Im Gespräch ist die Fläche an der Kindertageseinrichtung St. Josef der Arbeiter an der Krainstraße in Oberwöhr (wir berichteten). Die übrigen 25 Kinder, die nicht auf einen der drei Standorte verteilt werden können, sollen einen Platz in einer Großtagespflegestelle im ehemaligen „Mini-Laden“ an der Lessingstraße bekommen. Auch soll die Kindertagespflege weiter ausgebaut werden, sagt Michael Kenneder, der Dezernent für JUgend, Soziales, Schule, Kultur und Sport.

20 Plätze in der Lessing- und Lena-Christ-Straße

Die Bauprojekte Kita-Westerndorf und Kita-BayWa-Wiese mit insgesamt vier Gruppen, die in den nächsten Jahren fertiggestellt werden sollen, schaffen zusätzliche Abhilfe. Auch der Bereich Tages- und Großtagespflege schafft perspektivisch bis 2022 in der Lessing- und Lena-Christ-Straße weitere 20 Plätze.

Personal muss gewonnen werden

Trotzdem fehlt auf lange Sicht Platz für vier Kindergarten- und drei Krippengruppen. Und genau hier könnte das Gelände an der Goethestraße ins Spiel kommen. „Eine Kindertagesbetreuung in dieser Größenordnung ist durchaus angedacht“, sagt Erwin Lehmann. Läuft alles nach Plan, könnte der Mangel an Kita-Plätzen in den kommenden Jahren also behoben werden.

Kindergarten in Oberwöhr?

Die Stadt will sich des Weiteren für die kommenden Planungen auf die Zahlen des Einwohnermeldeamtes berufen, diese seien laut Zweitem Bürgermeister Daniel Artmann (CSU) „viel genauer“. Er gab außerdem zu Bedenken, dass man sich Gedanken darüber machen müsse, wie zusätzliches qualifiziertes Personal gewonnen werden kann. Zustimmung bekam er von Stadträtin Elisabeth Jordan (SPD).

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Markus Dick (Freie Wähler/UP) regte an, darüber nachzudenken, ob der Bau einer Kita im geplanten Wohngebiet in Oberwöhr, nicht Sinn machen würde. „Dort gibt es im Moment den Platz“, sagte er. Die Stadt versprach diesen Vorschlag im Blick zu behalten.

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