Kippenfrevel in Rosenheim: Kontrollaktion bringt vier Verwarnungen in zwei Wochen

Festgetreten in den Fugen des Kopfsteinpflasters:Sind die Zigarettenkippen erst einmal hier gelandet, macht es viel Mühe, sie wieder zu entfernen. Die Stadt nutzt dafür eine besondere Kehrmaschine. Weinfurtner

An vielen Stellen der Innenstadt liegen sie rum: achtlos weggeworfene Glimmstengel. Sie verschandeln nicht nur das Stadtbild. Sie sind auch gefährlich. Die Stadt will gegen den Kippenfrevel vorgehen.

Von Ilsabe Weinfurtner

Rosenheim– Groß hatte die Stadt ihre Aktion angekündigt: Zwei Wochen lang wollte sie Ende Januar in der Rosenheimer Innenstadt all jene ermahnen, die ihre Zigarettenkippen einfach achtlos wegwerfen. 14 Tage, sieben Kontrolleure – und eine eher magere Bilanz, wie sich jetzt zeigt.

Wer erwischt wird, zahlt 55 Euro

Die Sauberkeit in der Stadt sollten sie im Blick haben, die insgesamt sieben Mitarbeiter des städtischen Ordnungsdienstes und der Sicherheitswacht der Polizeiinspektion Rosenheim. Genau hinsehen, wer seine Kippe ordentlich in den Mülleimer wirft. Und wer sie einfach wegschnipst. Das Verwarngeld dafür war erst zum Jahreswechsel erhöht worden auf 55 Euro. Zuvor hatte es zwischen 15 und 35 Euro gelegen.

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Zwei Wochen lang waren die Einsatzkräfte unterwegs. Allerdings nicht ganztags, wie Robert Maurer, der Medienbeauftragte der Polizei Rosenheim sagt. Zumindest die ehrenamtlichen Helfer der Sicherheitswacht liefen im Schnitt zwei bis vier Stunden durch die Straßen der Stadt.

Wirklich eine „positive Bilanz“?

Herausgekommen sind am Ende vier Verwarnungen, wie die Stadt mitteilt. Sie selbst spricht von einem „positiven Ergebnis“, was wohl an der „uniformierten Präsenz“ liege. Sicher trage aber auch das Verhalten der Raucher dazu bei, denn „die vollen Kippenbehälter an den Mülleimern in der Innenstadt“ belegten, dass sich viele von ihnen „an die Spielregeln“ hielten. Wirklich?

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Das Ergebnis der Aktion überrascht angesichts der Tatsache, dass vermutlich kaum jemand, der etwa über den Max-Josefs-Platz läuft, von Sauberkeit in Sachen Zigaretten sprechen würde. Unzählige abgerauchte Glimmstengel hängen in den Fugen des Kopfsteinpflasters fest. Selbst vor Mülleimern finden sich die abgerauchten Reste.

In Nürnberg aber kommt das Rosenheimer Ergebnis beinahe gut an: „Das ist schon ok“, sagt eine Sprecherin der Servicestelle für den öffentlichen Raum über die vier Verwarnungen. Und selbst?

Nürnberg spricht 128 Verwarnungen aus

Nürnberg hatte Ende Oktober 2019 eine ähnliche, allerdings einwöchige Aktion gestartet. Insgesamt 128 Mal mussten die Mitarbeiter des zuständigen Außendienstes während dieser Zeit einschreiten, die Kippenschnipser verwarnen. Mit einer einzigen Ausnahme seien alle Betroffenen sofort einsichtig gewesen, hätten die gerade eben weggeworfene Kippe aufgehoben und sie ordnungsgemäß entsorgt. Bereits seit Längerem hat die Stadt zudem neue Papierkörbe mit Aschenbechern oder Bodenaschenbecher installiert. Diese würden mittlerweile gut angenommen; es gebe eine leichte Tendenz zur Besserung, teilt die Stadt Nürnberg mit.

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Hintergrund der Aktionen in den beiden Städten ist nicht nur die Sauberkeit. Sondern das zunehmende Bewusstsein dafür, dass weggeworfene Kippen der Umwelt schaden. Kippen gelten als „Problemmüll“. Vor allem die Filter, die Giftstoffe wie Arsen, Blei, Kadmium oder Benzol enthalten. Außerdem findet sich Celluloseacetat, ein Kunststoff, der ebenfalls nur schwer biologisch abgebaut wird. Die Rückstände belasten Pflanzen und führen zu Schäden bei Tieren, haben Fachleute herausgefunden. Sie gehen davon aus, dass in Deutschland pro Jahr 106 Milliarden Kippen weggeworfen werden. Die Filter aber zersetzen sich erst nach 13 bis 15 Jahren. Wie viele Glimmstengel in Rosenheim direkt in der Umwelt landen, hält die Stadt nicht fest. Als Brennpunkte gelten die Flächen vor Gaststätten und Kneipen sowie die Wartebereiche an den Fußgängerampeln an der Prinzregentenstraße.

Weitere Kontrollen geplant

In Zukunft will die Stadt weitere Schwerpunktkontrollen durchführen. Allerdings mit weniger Personal. Denn „eine so hohe Intensität der Bestreifung unserer öffentlichen Räume wie an diesen vierzehn Tagen“ könne „personell wie kostenmäßig nicht auf Dauer aufrechterhalten werden“, meldet die Stadt. Parallel zu weiteren Kontrollen soll geprüft werden, ob die Zahl der Abfallbehältnisse für Zigarettenkippen ausreicht, oder ob neue Behälter angeschafft werden müssen.

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