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Ängste, Depressionen, Essstörungen

Kinder und Jugendliche sind die Verlierer der Corona-Krise: Wie Rosenheim jetzt helfen will

Viele Kinder und Jugendliche konnten aufgrund der Pandemie monatelang die Schule nicht besuchen. Die Folgen sind zum Teil gravierend.
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Viele Kinder und Jugendliche konnten aufgrund der Pandemie monatelang die Schule nicht besuchen. Die Folgen sind zum Teil gravierend.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Monatelanges Homeschooling, eingeschränkte Freizeitangebote und ein zeitweises Kontaktverbot mit Freunden: Kinder, Jugendliche, Alleinerziehende und Familien sind die Verlierer der Corona-Pandemie. Jetzt haben die Träger der Jugendhilfe erste Lösungsstrategien vorgestellt – und einen Appell an die Bürger gerichtet.

Rosenheim – Hinter Ulrike Stehle liegen herausfordernde Monate. „Wir waren in einem Maß gefordert, das die Jugendhilfe so noch nicht kannte“, sagt die Erzieherin, die seit 1985 bei der Diakonie tätig ist. Sie sitzt an dem großen Tisch im Happinger Bürgerhaus und blickt in die Runde.

An dieser haben unter anderem auch Heinz Schätzel, Geschäftsführer bei „Startklar Soziale Arbeit“, Marianne Guggenbichler, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes, Erwin Lehmann vom Caritas-Zentrum, die beiden Sozialraumteam-Regionalleiterinnen Lea Mutzbauer und Monika Sommerer sowie Jugendamtsleiter Christian Meixner teilgenommen. Sie alle sind an diesem Vormittag zusammengekommen, um über den aktuellen Stand der Corona-Auswirkungen zu informieren, aber auch erste Lösungen zu präsentieren und über das geplante Dialogforum im Oktober zu berichten.

Christian Meixner.

Alle gesellschaftlichen Schichten betroffen

„Die Pandemie hat die Kinder und Jugendlichen besonders schwer getroffen“, sagt Meixner. Betroffen seien alle gesellschaftlichen Schichten, umso mehr aber diejenigen, die ohnehin schon zu der Gruppe der sozial Benachteiligten gehören. Meixner spricht von Einsamkeit, Bildungsrückständen und psychischen Beeinträchtigungen. Marianne Guggenbichler berichtet von Gewichtsproblemen, Angst vor Kontakten und einer gestiegenen Internetsucht.

Marianne Guggenbichler.

Gibt es bald eine Verlierergeneration?

Es sind Folgen der Pandemie, die auch in den kommenden Jahren nicht verschwunden sein werden. Darüber sind sich an diesem Vormittag alle einig. „Wir müssen dafür sorgen, dass es keine Verlierergeneration gibt“, sagt Schätzel.

Denn, und das betont auch Erwin Lehmann, die Kinder und Jugendlichen seien emotional nicht auf dem Stand von vor drei Jahren. Auch weil zum Teil soziale Kompetenzen fehlen würden. Die Herausforderung liege jetzt darin, Kinder, Jugendliche und Familien aufzufangen und sie wieder positiv in die Zukunft blicken zu lassen.

Erwin Lehmann.

Dialogforum im Oktober

Aus diesem Grund soll – auf Anregung von Oberbürgermeister Andreas März – ein Dialogforum stattfinden, an dem neben den Vertretern der Jugendhilfe auch Vertreter aus Wirtschaft, Schulen, Kindertageseinrichtungen, Vereinen, Politik, Ehrenamtliche und Eltern teilnehmen sollen, um Lösungsstrategien zu entwickeln.

Lern- und Hausaufgabenhilfe

Untätig waren die Träger der Jugendhilfe auch in den vergangenen Jahren nicht, wie Regionalleiterin Monika Sommerer erläuterte. So gibt es in der Endorfer Au eine Lern- und Hausaufgabenhilfe. Der „Urlaub dahoam“ hat dafür gesorgt, dass Familien trotz der 2020 geltenden Reisebeschränkungen die Sommerferien genießen konnten. Es gab Projekte, die Jugendlichen dabei unterstützen sollten, soziale Ängste abzubauen, die sich während der Pandemie angestaut haben, und einen Versuch, die junge Generation zur Bewegung zu animieren.

Lust auf die Zukunft, Erfolge im Leben

„Es ist unsere Aufgabe, die Situation der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Blick zu nehmen, auf sie aufmerksam zu machen und entsprechend zu handeln“, heißt es in einem Schreiben zu dem geplanten Dialogforum.

Es müssten Lösungen gefunden und Perspektiven aufgezeigt werden, damit „junge Menschen wieder Lust auf Zukunft haben und Erfolge im Leben spüren“. In Rosenheim sei man im Vergleich zu anderen Kommunen bereits auf einem guten Weg, trotzdem gebe es noch viel zu tun.

Probleme der Gesellschaft müssen gelöst werden

Aber noch etwas machten die Vertreter der Jugendhilfe an diesem Vormittag deutlich: „Die Jugendhilfe kann nicht die Probleme der Gesellschaft lösen“, sagt Lehmann. Die Folgen der Pandemie könnten nur dann eingedämmt werden, wenn jeder Bürger seinen Teil dazu beiträgt. Ruhiger wird es für Ulrike Stehle jedenfalls auch in Zukunft nicht.

Ulrike Stehle.

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