Kinder, Kinder! Eine Grundschule zu wenig – Hier will die Stadt Rosenheim etwas dagegen tun

Ein möglicher Standort: Die Stadt Rosenheim prüft im Moment, ob ein Neubau einer Grundschule im Klostergarten St. Sebastian machbar wäre. Laut Dezernent Michael Keneder stehen die Chancen gut.
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Ein möglicher Standort: Die Stadt Rosenheim prüft im Moment, ob ein Neubau einer Grundschule im Klostergarten St. Sebastian machbar wäre. Laut Dezernent Michael Keneder stehen die Chancen gut.
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Viele Schüler, wenig Platz: An den Rosenheimer Grundschulen geht es eng zu. Doch eine Besserung ist in Sicht. Im Schul-, Kultur- und Sportausschuss einigten sich die Mitglieder darauf, die Planungen für einen zusätzlichen Schulstandort voranzutreiben. Auch ein Standort scheint bereits gefunden.

Rosenheim – Rosenheim braucht eine weitere Grundschule. Zu diesem Schluss kam Christian Rindsfüßer, Diplom-Statistiker des Instituts für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik (SAGS). Er stellte im Schul-, Kultur- und Sportausschuss ein Gutachten zur Schulentwicklungsplanung vor. Fazit: Die Zahl der Grundschüler wird ab 2025 von den derzeit 2000 Schülern auf circa 2400 ansteigen. Um die zusätzlichen Schüler unterzubringen, braucht es laut dem Experten eine weitere, neunte Grundschule. Diese soll die Prinzregentenschule, die Grundschule Erlenau sowie die Astrid-Lindgren-Grundschule entlasten.

Erweiterungsarbeiten nur kurzfristige Entlastung

Eine Entlastung, die notwendig ist, da ist sichAlexandra Bogris, Schulleiterin der Grundschule Erlenau sicher. Zwar laufen an ihrer Grundschule Erweiterungsarbeiten, diese würden aber nur eine kurzfristige Entlastung schaffen. „Sobald die Schülerzahlen steigen, stehen wir wieder vor den gleichen Problemen“, sagt Bogris. Im Moment komme es immer wieder vor, dass es vier Klassen pro Schuljahr gibt. Und das, obwohl die Schule lediglich für drei Klassen pro Schuljahr konzipiert wurde.

Handarbeitsraum als Klassenzimmer

So müsse beispielsweise der Handarbeitsraum als zusätzliches Klassenzimmer verwendet werden. Auch musste eine erste Klasse an die Philipp-Neri Schule ausgelagert werden – des fehlenden Platzes wegen.

„Durch die gerade durchgeführte Aufstockung können wir aber erst einmal aufatmen“, sagt Bogris. Trotzdem blickt sie mit Sorge in die Zukunft.

Stadt kennt Kapazitätsprobleme

Die Stadt weiß um die Kapazitätsprobleme an den Grundschulen. Gründe hierfür seien unter anderem schulorganisatorische Entwicklungen, aber auch der gestiegene Betreuungsbedarf in den vergangenen Jahren. So bestehe neben dem normalen Schulbetrieb ein weitgefächertes Angebot an offenen und gebundenen Ganztagsgruppen, Deutschklassen und Mittagsbetreuungsgruppen. Das würde „mittelfristig zu einem erhöhten Raumbedarf beitragen“, teilt die Stadt mit und fügt hinzu: „Der Bedarf für eine weitere Grundschule bestätigt sich.“

Und genau die soll, wenn es nach Oberbürgermeister Andreas März (CSU) geht, noch in dieser Legislaturperiode gebaut werden. Eine Meinung, die Stadtrat Karl-Heinz Brauner (Grüne) teilte. So brauche es vor allem im Nordosten der Stadt eine Entlastung, sagt er.

Möglicher Standort bereits gefunden

Michael Keneder, der Dezernent für Jugend, Soziales, Schule, Kultur und Sport, nahm den Einwurf zum Anlass, um einen möglichen Standort für eine neue Grundschule vorzustellen. So überprüfe die Stadt, ob ein Bau im Klostergarten St. Sebastian am städtischen Friedhof realisierbar sei. Der Baumbestand und die Erschließung müssen im Moment noch geklärt werden. „Wenn man dort einen Standort haben will, könnte es durchaus machbar sein“, sagte Keneder. Das wiederrum würde die gewünschte Entlastung für die Prinzregentenschule, die Grundschule Erlenau sowie die Astrid-Lindgren-Grundschule bringen.

Aber nicht nur ein Neubau könnte die Situation verbessern. So regte Christian Rindsfüßer an, auch über organisatorische Maßnahmen nachzudenken. Vorstellbar sei eine Zusammenfassung einzelner Grundschulen in einem Grundschulverbund. „Das könnte helfen, eine ausgeglichenere Schüler- und Klassenzahl zu schaffen“, sagt Rindsfüßer.

Grundschulverbünde führen zu mehr Flexibilität

Es ist eine Maßnahme, die das Staatliche Schulamt begrüßt und sogar mitinitiiert hat. „Wenn sich drei Schulen zu einem Grundschulverbund zusammenschließen, gibt es einen Verbundkoordinator, der für die Klassenbildung aller drei Schulen zuständig ist“, sagt Schulamtsdirektor Edgar Müller. Dadurch könnte beispielsweise die Klassenstärke innerhalb eines Verbunds ausgeglichen werden.

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„Die Flexibilität steigt auch mit Blick auf den Raumbedarf“, sagt Müller. So könnten Schüler im Moment nur außerhalb ihres Sprengels zur Schule gehen, nachdem in jedem Einzelfall eine Zuweisung vom Schulamt ausgestellt wurde. In Zukunft könnte diese Entscheidung beim Verbundkoordinator liegen, sagt Müller.

Über Sprengelverteilung neu nachdenken

Stadträtin und Dritte Bürgermeisterin, Gabriele Leicht (SPD), regte an, dass die Stadt über die Sprengelverteilung generell neu nachdenken solle: „So wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen.“ Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/UP, Robert Multrus, sagte, dass man nicht erst, bis 2028 warten könne, um eine neue Grundschule zu bauen. „Wir müssen zulegen und schauen, dass wir in die Gänge kommen“, sagte er. Eine Meinung, die seine Kollegen im Gremium, aber auch die Stadtverwaltung zu teilen schienen.

Übersicht über laufende und geplante Schulbauprojekte:

  • Johann-Rieder-Realschule – Erweiterung, Generalsanierung und Umbau:Die Sanierungsarbeiten in den Klassenzimmern im Haus A sind voraussichtlich bis zum Beginn des neuen Schuljahres 2020/21 abgeschlossen. Die ausgelagerten Klassen, die derzeit in den Containern im Innenhof der Johann-Rieder-Realschule unterrichtet werden, können dann in ihre Klassenzimmer zurückkehren. Die Container werden abgebaut. 
  • Karolinen-Gymnasium – Generalsanierung und Erweiterung: Die Rohbauarbeiten für den Neubautrakt sind abgeschlossen- Derzeit laufen die Arbeiten an der Fassade und der Innenausbau. Ein Bezug des Neubaus ist zum Schuljahresbeginn 2021/22 vorgesehen. Für die Sanierung Haus A wird derzeit die Ausführungsplanung erarbeitet, damit die Sanierungsarbeiten plangemäß im September 2021 starten können. 
  • Prinzregentenschule – Mittagsverpflegung und Umbau im Bestand:Auf dem derzeitigen Rasenspielfeld gegenüber der Grundschule ist ein kompakt organisiertes zweigeschossiges Gebäude geplant. Derzeit läuft die Vorplanung, wobei aktuell eine alternative Bauweise als Holzbau geprüft wird. Die Mittagsverpflegung befindet sich dabei im Erdgeschoss, der drei-gruppige Kinderhort im Obergeschoss. Durch den Auszug des Hortes werden im Schulgebäude Räumlichkeiten frei, die nach einem Umbau wieder dem Schulbetrieb zugeführt werden. 
  • Grundschule Erlenau – Aufstockung eines Pavillons und Neubau einer Aufzuganlage:Durch die Aufstockung werden zwei Klassenzimmer und ein Gruppenraum geschaffen. Die Erreichbarkeit des ersten Obergeschosses wird durch den Anbau einer Liftanlage verbessert. Die Maßnahme wird laut Stadt im Laufe des August fertiggestellt.

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