Auch hier den Kontakt verringern

Mundkommunion in der Coronakrise? Rosenheimer wendet sich in offenem Brief an Generalvikar

Dr. Gergely Rozsa hat einen offenen Brief geschrieben.
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Dr. Gergely Rozsa hat einen offenen Brief geschrieben.
  • vonKilian Schroeder
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Mundkommunion in Zeiten steigender Corona-Infektionen? Das geht gar nicht. Findet ein Rosenheimer Kommunionhelfer und hat deshalb einen offenen Brief an den Generalvikar Christoph Klingan geschrieben. Bis jetzt ohne Erfolg.

Rosenheim – Dr. Gergely Rozsa kann es nicht nachvollziehen. Der 36-jährige Rosenheimer engagiert sich in vielen verschiedenen Rollen in der Stadtteilkirche Rosenheim-Inn – unter anderem als Kommunionhelfer. Was ihn verwundert, ist die Tatsache, dass das Erzbischöfliche Ordinariat München mitten in der Pandemie die Mundkommunion im Gottesdienst erlaubt. Für Rozsa Anlass genug, sich an den Generalvikar Christoph Klingan zu wenden.

Strenge Auflagen im Gottesdienst

„Es ist ein Privileg für uns, dass derzeit Gottesdienste stattfinden dürfen“, sagt Rozsa. Der Chemiker ist in St. Nikolaus als Kommunionhelfer, Lektor, Wortgottesdienstleiter, Oberministrant und Pfarrgemeinderat ehrenamtlich aktiv. Gottesdienste gehören zu den Ausnahmen des „Lockdown Light“.

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„Überall gibt es wieder mehr Beschränkungen und auch im Gottesdienst gibt es strenge Auflagen. Gleichzeitig die Mundkommunion zuzulassen, steht für mich in keinem Zusammenhang dazu“, sagt Rozsa.

Mundkommunion wieder explizit erlaubt

Hintergrund ist ein Schreiben des Erzbischöflichen Ordinariats vom 15. Oktober, in dem das aktuelle Infektionsschutzkonzept dargelegt wird. Darin wird zwar zur Handkommunion geraten, die Mundkommunion aber wieder explizit erlaubt. Für die Rosenheimer Kirchen bedeutet das, dass sie diese Art des Kommunionempfangs wieder ermöglichen sollen – wer die Mundkommunion will, soll sie auch bekommen. Bei der Mundkommunion wird die Hostie direkt auf die Zunge des Gläubigen gelegt. Für den Chemiker Rozsa steht das im Widerspruch zu den anderen Maßnahmen.

Priester desinfizieren sich davor und danach die Hände

„Bei der Mundkommunion ist die Gefahr viel höher, dass es zu einer Berührung kommt, oder das der Gläubige den Priester anhaucht“, sagt Rozsa. Er selbst teilt als Kommunionhelfer gelegentlich zusammen mit den Priestern die Hostien aus. Wer derzeit die Mundkommunion empfangen will, muss nach den anderen Gottesdienstteilnehmern nach vorne kommen. Die Priester desinfizieren dann davor und danach ihre Hände.

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„Der Priester darf die Kommunion aber nicht verweigern, also muss er sich dem Risiko aussetzen“, sagt Rozsa. „Deshalb muss die Pfarrgemeinde etwas machen.“ Seine Idee: Ein Brief an Christoph Klingan, der als Generalvikar des Ordinariats verantwortlich für das Hygienekonzept ist.

Die Mundkommunion ist wieder explizit erlaubt – auch wenn zur Handkommunion geraten wird.

Eine uralte Tradition

Viele Katholiken nehmen immer noch die Mundkommunion entgegen. Nach altem liturgischen Recht in der katholischen Kirche sei das auch noch die reguläre Art der Kommunion, sagt Stadtpfarrer Andreas Zach. Noch bis in die 60er Jahre war die Mundkommunion in katholischen Kirchen in Deutschland konkurrenzlos.

„Es ist eine uralte Tradition und vielen Gläubigen sehr wichtig. Die Kommunion ist etwas sehr persönliches.“ Zwar wäre es ihm lieber gewesen, bei den derzeitigen Infektionszahlen nur die Handkommunion anzubieten. „Aber jeder soll die Kommunion empfangen können, so wie er das möchte. Wir dürfen uns da nicht zum Richter machen.“

Nicht grundlos kritisieren, nur Hintergründe erläutern

Auch Rozsa versteht, dass vielen Gläubigen diese Tradition wichtig ist. Deshalb will er in seinem Brief nicht grundlos kritisieren, sondern die Hintergründe erläutern. Ausführlich legt der promovierte Chemiker seine Argumente dar: Da immer noch viele Infektionswege bei Covid-19 unklar seien, müsse man die Kontakte beschränken.

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Gleichzeitig sei aber bei der Mundkommunion der Kontakt von Priester und Gläubigen nicht zu vermeiden. Die Gefahr sei, dass Infektionen durch die Mundkommunion dazu führen könnten, dass Gottesdienste wieder verboten werden. Deshalb appelliert Rozsa an den Generalvikar, die Mundkommunion bis zu einer Entwarnung auszusetzen.

Handkommunion wird dringend empfohlen

Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Man halte den bisherigen Weg für verantwortbar, heißt es in der Antwort des Erzbischöflichen Ordinariats auf Rozsas Brief. Die Gläubigen hätten die Freiheit, selbst über den Kommunionempfang zu entscheiden und außerdem seien keine Corona-Infektionen durch Mundkommunion bekannt. Und weiter: „Selbstverständlich ist kein Priester, Diakon oder Kommunionhelfer dazu gezwungen, sich im Rahmen der Kommunionausteilung einem gesundheitlichen Risiko auszusetzen.

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Gläubiger sollen Wahl haben

Es kann umgekehrt jedoch kein Gläubiger dazu verpflichtet werden, die Kommunion statt mit dem Mund mit der Hand zu empfangen.“

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Wenn sich die Priester oder Kommunionhelfer gesundheitlich gefährdet sehen, sollten sie jemand anderes bitten, für sie die Kommunion auszuteilen. Weiterhin werde die Handkommunion dringend empfohlen, die Mundkommunion bleibt aber erlaubt.

Keine Änderung in Sicht

Ändern wird sich also eher nichts. Dr. Gergely Rozsa hofft, dass die Gottesdienste weiter möglich bleiben und dass sich keine Messe aufgrund einer Infektion zum „Spreader-Ereignis“ entwickelt. Auch wenn er als Kommunionhelfer damit rechnen muss, dass er in den nächsten Gottesdiensten die Mundkommunion spenden muss.

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