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Impfkampagne in Rosenheim

Kaum Impf-Nachfrage in Rosenheimer Apotheken: Darum holt sich derzeit keiner den Piks

Das Impfzimmer von Dominik Simon in der Heilig-Geist-Apotheke wird momentan nicht gebraucht.
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Das Impfzimmer von Dominik Simon in der Heilig-Geist-Apotheke wird momentan nicht gebraucht.

Die Apotheken sind erst vor wenigen Wochen in die Impfkampagne mit eingestiegen. Der Start verlief nicht ganz ohne Nebengeräusche. Auch die Rosenheimer Apotheken hatten sich zunächst auf Andrang eingestellt. Dieser bleibt aber vorerst aus.

Rosenheim – Alles wäre für den großen Ansturm vorbereitet – die Liege steht bereit, die Spritzen warten darauf aufgezogen zu werden und auch die Pflaster könnten aufgeklebt werden. Wenn man aber Dominik Simon, Inhaber der Heilig-Geist-Apotheke, in seinem neu eingerichteten Impfzimmer stehen sieht, wirkt er fast ein wenig verloren. Außer ihm und seinem Personal hat den Raum in den vergangen drei Wochen niemand betreten. Es fehlen schlicht die Impfwilligen.

Die Nachfrage ist nicht mehr vorhanden

Es macht den Eindruck, als ob die Impfkampagne etwas ins Stocken geraten ist. Das ist zumindest der Eindruck von Dominik Simon. Seine Apotheke ist eine von zwei, in denen in Rosenheim geimpft werden dürfte. In den vergangenen drei Wochen hatten vier Personen Interesse an einer Impfung in Simons Apotheke. Die Nachfrage ist aber so gering, dass der Apotheker bisher noch keine einzige Dosis verimpfen konnte. Er braucht schließlich sechs Interessenten, sonst kann der Pharmazeut kein Impffläschchen aufmachen. Bei vier Impfungen müsste er die anderen beiden Dosen wegwerfen, sagt Simon. Da sei nicht Sinn der Sache.

„Grundsätzlich muss man einfach festhalten, dass die Nachfrage in der Bevölkerung gegen null geht“, sagt Dominik Simon, der auch kaum noch Impfstoff für umliegende Arztpraxen bestellt. Während es am Ende des vergangenen Jahres noch 20 bis 30 Impfdosen waren, sind es heute nur noch ein bis zwei, die die Arztpraxen bei ihm bestellen.

Zwar gibt es mittlerweile auch vereinzelt Anfragen für die vierte beziehungsweise Boosterimpfung, sagt Simon. Allerdings ist er hierbei noch etwas zurückhaltend. Die Empfehlung der STIKO zur Impfung von Risikogruppen ist dem Apotheker doch noch etwas zu vage, sodass er Interessenten lieber an Impfzentren oder Arztpraxen verweist. Dort könne die medizinische Notwendigkeit besser beurteilt werden.

Ebenfalls kaum Interessenten in der Alten Apotheke

Diese Einschätzung teilt auch Markus Bauer von der Alten Apotheke. Bei ihm sind bisher zwischen fünf und zehn Anfragen eingegangen. Da ein Teil davon allerdings noch vor dem offiziellen Starttermin lag, konnte er bislang noch keinen Impfvollzug vermelden.

Markus Bauer, Apotheker in der Alten Apotheke.

Er will sich auch nicht in die Kampagne hineindrängen, da das jetzige Impfangebot seiner Meinung nach grundsätzlich ausreichend sei.

„Ich möchte es einfach anbieten können“, sagt Bauer – denn falls doch jemand zu ihm kommt, will er die Person nicht wegschicken müssen. Die Möglichkeit soll sich laut dem Pharmazeuten eben an jene Menschen richten, die sich vielleicht nur noch nicht impfen haben lassen, weil sie Impfzentren und Arztpraxen bisher meiden wollten.

Für diesen Fall sieht sich Markus Bauer als Ergänzung zu all den anderen Impfstationen. Groß bewerben will er das Angebot aber trotzdem nicht. Dafür reiche die Nachfrage nicht aus und auch die Prognose im Hinblick auf die vierte Impfung ist für Bauer einfach zu unsicher.

Größere Nachteile, insbesondere finanzieller Art, haben beide Apotheker durch den Einstieg ins Impfgeschäft nicht zu verbuchen. Zwar musste man etwas in Vorleistung gehen durch Anschaffung von Ausrüstung oder Schulungen fürs Personal, dies soll sich aber in ein paar Jahren wieder rechnen. Da hoffen Bauer und Simon darauf, dass durch die gewonnenen Erfahrungen mehr Impfungen wie zum Beispiel die Grippeimpfung dauerhaft in den Apotheken stattfinden können.

Ein kleiner Hinweis auf die Möglichkeit zur Coronaimpfung in der Heilig-Geist-Apotheke.

Keine Auswirkung durch Novavax

Durch die anstehende Auslieferung des neuen Impfstoffs Novavax erwartet sowohl Simon als auch Bauer keinen Ansturm auf die Apotheken. Zwar wird der ein oder andere auf diesen Impfstoff gewartet haben, allerdings gehen die beiden Pharmazeuten davon aus, dass die meisten dann doch eher den Gang ins Impfzentrum oder zum Arzt ihres Vertrauens wählen.

Ergänzung zu Arztpraxen

Ganz umsonst war die Aufnahme der Apotheken in das Impfangebot laut Simon dann aber auch nicht. Mit Blick auf den Herbst findet Simon es von Vorteil, dass die Apotheken als dritte Säule zur Verfügung stehen. Als Beispiel nennt er hierbei den Freitagnachmittag. Zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Arztpraxen bereits zu. Und genau da sollen die Apotheken ins Spiel kommen – als Unterstützung.

Auch für Elke Wanie, Sprecherin der Bayerischen Landesapothekerkammer für den Raum Rosenheim, war der Schritt nicht komplett sinnlos. „Das Angebot könnte sich auch vermehrt an junge Menschen richten, die bisher noch keinen Hausarzt haben“, sagt Wanie. Zum jetzigen Zeitpunkt sieht sie aber keinen Bedarf an Impfungen in Apotheken, da Rosenheim mit seinem Impfzentrum und allen teilnehmenden Arztpraxen gut aufgestellt ist.

So bleibt abzuwarten, ob die Spritzen von Dominik Simon und Markus Bauer überhaupt zum Einsatz kommen werden.

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