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Billard- und Dartabend in der Brezn

Katholisches Jugendsozialwerk Rosenheim: Angebote für Menschen mit Behinderung voller Lebensfreude

Am Billardtisch versenkt Markus Metz die Kugeln.
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Am Billardtisch versenkt Markus Metz die Kugeln.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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In Rosenheim hilft die ambulante Behindertenhilfe des Katholischen Jugendsozialwerks München Menschen mit kognitiven Einschränkungen, ihren Alltag zu bewältigen. Und das beschränkt sich nicht nur auf Haushalt und Arbeit.

Rosenheim – Etwa zehn Klienten treffen sich an diesem Abend in der Rosenheimer Kneipe Brezn an der Wittelsbacherstraße. Zum Billard spielen, zum Darten, zum Ratschen. Eine bunte Truppe aus Frauen und Männern, offen und herzlich. Bevor es losgehen kann, müssen Alejandra Gomez und Teresa Scheiderer erst mal sortieren. Wer möchte Darten, wer möchte Billard spielen? Gomez und Scheiderer sind ehrenamtliche „Durchführungskräfte“ der offenen Behindertenarbeit beim Katholischen Jugendsozialwerk (KJSW) München in Rosenheim.

Werfen statt stoßen: Sevgi Schmidt hat sich für den Dartautomaten statt dem Billardtisch entschieden.

Selbstständiges Leben ermöglichen

Das Angebot soll Menschen mit Beeinträchtigungen ein möglichst selbstständiges Leben ermöglichen: über Beratungen, Einzelbetreuungen, aber eben auch mit solchen Freizeitangeboten wie an diesem Abend in der Brezn. Teils als Aushilfen, teils ehrenamtlich stehen sie den Klienten der offenen ambulanten Dienste während der Freizeitangebote zur Seite. Neben solchen Spieleabenden gehören auch Ausflüge und Reisen zum Angebot des KJSW.

Neue berufliche Erfüllung gefunden

Früher Einzelhandelskauffrau, künftig Heilerziehungspflegerin: Iva Schuster (links) mit „ihren“ Klienten Sevgi Schmidt und Angelika Steer.

Draußen vor der Brezn hat Iva Schuster Platz genommen. Die 46-Jährige macht gerade eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Ursprünglich kommt sie aus dem Einzelhandel, hat aber offenbar mit ihrem Entschluss, beruflich neue Wege zu gehen, ihre Erfüllung gefunden.

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Die blonde Frau sprüht vor Begeisterung, wenn sie über ihre Erlebnisse mit ihren Schützlingen berichtet. Sie erinnert sich daran, dass die Klienten bei ihren ersten Billardversuchen durchaus pragmatisch waren: Lag die Kugel nicht da, wo sie sollte, halfen sie mit der Hand nach.

An der Essensbude hängengeblieben

Das funktioniere aber nur so lange, bis die Regeln bei allen sitzen, lacht sie. Ebenso freudig berichtet sie über einen Ausflug zum Frühlingsmarkt nach Herrmannsdorf, als ihr gleich zweimal ein Teilnehmer der Gruppe abhandenkam und sie ihn jedes Mal an einer der Essensbuden wiederfand. In Panik gerät sie in solchen Momenten nicht.

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Die meisten Klienten hätten ein Handy dabei. Wenn sie es nicht gerade ausgeschaltet haben, könne man schnell klären, wo sie seien. Auch das komme vor. Und wenn alle Stricke reißen, ruft Schuster eben die Polizei.

Vor allem offene Menschen

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So weit kommt es bei einem Kegel- und Billardabend selbstredend mit übersichtlichem Teilnehmerkreis nicht. Mit dabei an diesem Abend ist auch Jennifer Peters. Sie leitet die offene Behindertenarbeit beim Katholischen Jugendsozialwerk München in Rosenheim, kümmert sich gemeinsam mit einer Kollegin jedoch hauptsächlich um die Verwaltung, aber auch um die Beratung der Klienten.

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Es seien vor allem besonders offene Leute, die sich als Kräfte bei ihr bewerben, berichtet sie. Teilweise seien dies Auszubildende wie Iva Schuster. Aber auch die Angehörigen der Klienten seien aktiv.

Viele verschiedene Charaktere

Wer als „Durchführungskraft“ beim Rosenheimer KJSW anheuere, den erwarte vor allem eines: „Ganz viele verschiedene Leute“, wie Schuster es ausdrückt. Circa 300 Personen seien es, die sich im Schnitt für die Angebote der KJSW registrierten. Ein vielfältiges Potpourri an Menschen, die vor allem eines ausstrahlen – Lebensfreude.

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Das merkt man auch beim Dart- und Billardspiel in der Brezn. Inzwischen haben sich die Mitglieder der Gruppe entschieden, ob sie lieber Pfeile werfen oder Kugel mit dem Kö stoßen wollen. Spaß haben zweifelsohne alle.

Gepflegte Freundschaften

Für Alejandra Gomez und Teresa Scheiderer bleibt nur noch, die Klienten daran zu erinnern, dass sie gerade an der Reihe sind. Denn zwischenzeitlich ist auch das Essen aus der Küche gekommen. Und zwischen den Runden findet sich Zeit, den ein oder anderen Happen zu verspeisen.

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Sieht man, wie viel Spaß sie miteinander haben, rückt die Dartscheibe genauso in den Hintergrund wie der Billardtisch. Hier werden Freundschaften gepflegt: Es gibt Umarmungen und viel Gelächter. Ein ganz normaler und vor allem vergnüglicher Abend. Einer, der so ist, wie er sein sollte.

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