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Zu Pfingsten

Frauen in der Katholischen Kirche: Rosenheimer Pastoralreferentin wünscht sich mehr Verantwortung

Wünscht sich mehr Möglichkeiten für Frauen in der katholischen Kirche: die Pastoralreferentin der Rosenheimer Stadtteilkirche, Adelheit Lappy.
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Wünscht sich mehr Möglichkeiten für Frauen in der katholischen Kirche: die Pastoralreferentin der Rosenheimer Stadtteilkirche, Adelheit Lappy.

Frauen in stoßen in der katholischen Kirche irgendwann an eine gläserne Wand. Die Priesterweihe bleibt ihnen noch immer verwehrt. Dabei geht es den Frauen wie der Seelsorgerin Adelheid Lappy nicht um das Amt. Sie wollen theologischen Beistand leisten – dem Nächsten in jeder Situation.

Rosenheim – „Sie sind unsere Pfarrerin!“ Wenn Senioren in einem Altenheim in Rosenheim Adelheid Lappy (60) so begrüßen, müsste sie das eigentlich sofort richtigstellen. Sie ist Pastoralreferentin und Seelsorgerin für die älteren Herrschaften in der Stadtteilkirche Rosenheim. Für die Betreuung von alten Menschen in zwei Pflegeeinrichtungen in Rosenheim trägt sie Verantwortung.

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Aber die studierte Theologin ist keine Pfarrerin. Dieses Amt ist Frauen in der katholischen Kirche (noch) nicht erlaubt. Und das strebt die 60-Jährige, die seit über 30 Jahren im Erzbistum München und Freising pastorale Aufgaben wahrnimmt, für sich auch gar nicht an. Mit der derzeitigen klerikalen Amtsstruktur wollte sie weder Diakonin noch Priesterin sein.

Die Diplomtheologin wünscht sich aber mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche. Und somit auch mehr Möglichkeiten für Frauen in der Seelsorge. Ein Wunsch, den sie zu Pfingsten – dem Gründungsfest der Kirche – für ihre katholische Kirche formuliert.

Lebenserzeugnisse von 150 Frauen

Inzwischen widerspricht Adelheid Lappy nicht mehr, wenn sie von Altenheimbewohnern als Pfarrerin begrüßt wird. Es freut sie, dass Menschen sie als Seelsorgerin erleben – sowohl in der persönlichen Begleitung als auch in den Wortgottesdiensten, die sie dort regelmäßig hält. Denn vom Wesen der Aufgabe des Hirten, „haben sie sogar Recht“.

In einem Beitrag für das Buch „Weil Gott es so will“, in dem die Benediktinerschwester Philippa Rath über 150 Lebenszeugnisse von Frauen aus ganz Deutschland gesammelt hat, beklagt Lappy ein mittelalterliches, klerikales und männerorientiertes Amtsverständnis in der katholischen Kirche.

Sammulung entäuschter und kämperischer Frauen

Das Buch ist eine eindrucksvolle Sammlung von Texten enttäuschter, aber auch kämpferischer und selbstbewusster Frauen, die die Kirche weiterentwickeln wollen. Oder auch an der männerdominierten Kirche gescheitert sind, weil sie ihre verspürte Berufung zum Priesteramt nicht verwirklichen konnten. „Welche Verschwendung von Charismen und Begabungen“, heißt es in dem Buch.

Gerade von älteren Menschen hört die Pastoralreferentin Lappy immer wieder: „Wann ändert das die katholische Kirche endlich, dass Frauen keine Priesterinnen sein dürfen?

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Das ist einfach unverständlich!“ Auch für die Diplomtheologin: „Natürlich ist es nach wie vor komplett unverständlich und dem Betroffenen gegenüber nahezu unverantwortlich, zur Krankensalbung irgendeinen Kleriker holen zu müssen, obwohl man selbst als Seelsorgerin diese betroffene Person schon lange begleitet und ihr Vertrauen gewonnen hat.“ Die Krankensalbung, früher „Letzte Ölung“ genannt, darf nach derzeitigem Kirchenrecht nur ein Priester spenden.

Krankensalbung auch für pastorale Mitarbeiter

Doch Lappy hat es erlebt, welche Panik es bei Sterbenden auslösen kann, wenn im Ernstfall ein nahezu unbekannter Priester auftaucht. Da kann es schon zu Irritationen kommen, wenn erst geklärt werden muss: wer darf was, was ist überhaupt vom Sterbenden gewünscht? „Wenn ein Leben zu Ende geht, darf man nicht mehr diskutieren“, sagt Lappy.

„Da muss man kommen und da sein.“ Beruhigen, mitatmen. Besser kann es laufen, wenn sie als vertraute Seelsorgerin zusammen mit einem Priester am Bett des Sterbenden ist. „Dass man noch so oft miteinander ringen muss, ist unnötig. „Es wäre heute schon notwendig und denkbar, pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beauftragen, dass sie die Krankensalbung geben dürfen.“

Geschlechterfrage überwinden

Lappy wehrt sich gegen jegliche Form der Überhöhung von Ämtern. „Warum nicht einfach sagen: Ihr habt die Beauftragung – und fertig. Menschen müssen da sein, die das kompetent erledigen.“ Kein Tamtam. Es brauche Menschen, die helfen, in das andere Leben hinüberzugleiten. Darum geht es der Pastoralreferentin. Nicht um Ämter. Es ist die Geschlechterfrage, die überwunden werden müsse, hofft die Pastoralreferentin. Es dürfe sich nicht am Geschlecht festmachen, welche Aufgabe jemand in der Kirche bekomme.

Den Ungeist vertreiben

Sie wünschte der Kirche zu Pfingsten, „dass der Heilige Geist richtig durchrauscht und endlich aus allen Köpfen diesen Ungeist vertreibt, einen Unterschied zwischen Mann und Frau zu machen. Wir brauchen Frauen und Männer und wir brauchen sie beide – aber gleichwertig und gleichberechtigt.“

In Kindergärten und in Schulen fehlten die Männer – da sei genauso schlecht. In der Kirche sei von Grund auf ein neues Amtsverständnis nötig. Man habe das Amt überhöht. Die Theologin würde lieber wieder an die Anfänge des Christentums zurückkehren, wo man Ämter funktional verstanden habe.

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Kirche sei heute noch immer in einer Ständeordnung organisiert – hier die Laien, dort der Klerus. Und das innerhalb einer demokratisch verfassten Gesellschaft. „Das braucht Wandlung und Weiterentwicklung.“ Dass Frauen sich heute lautstark äußern, findet Adelheid Lappy gut. Kirche müsse schauen, was die Menschen heute brauchen – und danach die Aufgaben verteilen.

„Weil Gott es so will“,.herausgegeben von Philippa Rath OSB, 304 S.,Verlag Herder, 25 Euro

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