Katastrophaler Zustand: Anlieger kämpfen für Rosenheimer Schlößlstraße

Holperstrecke: Die Schlößlstraße in Westerndorf-St. Peter ist in sehr schlechtem Zustand. Schlecker

Risse und Ausbrüche im Teer. Dazu starke Verformungen: Der Zustand der Schlößlstraße im Rosenheimer Stadtteil Westerndorf-St. Peter ist mehr als schlecht. Die Stadt will daher sanieren und hat verschiedene Varianten vorgelegt. Die Anwohner können mit den Vorschlägen nicht viel anfangen. Sie haben andere Wünsche.

Von Ilsabe Weinfurtner

Rosenheim – Peter Wurm (68) wohnt seit 1967 mit seiner Familie an der Schlößlstraße. Seine Frau ist hier aufgewachsen, sein Sohn wohnt ein paar Häuser weiter. Auch die Nachbarn leben seit Jahrzehnten an der Straße mit dem Namen, der eigentlich ein Idyll verspricht. Doch von Idylle sei schon längst nichts mehr zu sehen, sagt Wurm. Im Gegenteil. Der schlechte Zustand der Straße, der Lärm und die Abgase der Autos sowie die Wucht des Schwerlastverkehrs, der an so manchem Haus schon für Risse gesorgt hat, empfinden die Menschen als Einschränkung ihrer Wohn- und Lebensqualität.

Peter Wurm ist der Sprecher

Deshalb haben sich einige von ihnen zusammengeschlossen. Peter Wurm ist so etwas wie ihr Sprecher. Was er und die anderen für ihre Straße wollen, fasst er knapp zusammen: Eine ordentliche Sanierung der Asphaltdecke samt gutem Unterbau, einen Gehweg auf einer Seite der Straße sowie einen Sicherheitsstreifen für Radfahrer als Teil der Fahrbahn. Außerdem setzen sich die Anlieger für eine durchgängige Tempo-30-Zone ein. Ein zweiter Gehweg sowie extra angelegte Radwege seien nicht notwendig, sagt Wurm. Sie würden kaum genutzt.

Keine Geh- und Radwege

Derzeit gibt es an der Schlößlstraße weder Geh- noch Radwege. Sie anzulegen, ist Teil der städtischen Planung – was letztlich nicht nur zu einer Sanierung führen würde, sondern auch zu einem Ausbau der Straße. Das wiederum würde erfordern, dass die Grundstückseigentümer Flächen an die Stadt abtreten müssten. Eine entsprechende Anfrage habe es bereits gegeben, sagt Wurm. Er und seine Mitstreiter haben sie abgelehnt.

Wurm versteht Beweggründe der Stadt

„Wir wissen am besten, was wir hier brauchen“, sagt Wurm. Es klingt ein bisschen eigensinnig. Ist aber nicht so gemeint. Wurm sagt, er verstehe die Beweggründe der Stadt. Es gehe darum, dass die Regierung von Oberbayern für jede der drei angedachten Varianten Zuschüsse in Aussicht gestellt habe.

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Die Stadt handle also den Gesetzen gemäß. „Regelkonform“ heißt das in der Fachsprache. Tatsächlich hat die Stadt die Zuschuss-Fähigkeit vorab geklärt. Gespräche mit den Anwohnern sollen folgen.

Kontakt mit Daniel Artmann und Andreas März

Peter Wurm hat das nun schon einmal selbst in die Hand genommen. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte er sich an CSU-Stadtrat Daniel Artmann gewandt, der Mitglied ist im Verkehrsausschuss. Nach diesem Gespräch hatten sich Artmann und der CSU-Oberbürgermeisterkandidat Andreas März vor Ort mit Wurm und einigen anderen Anwohnern getroffen.

Antrag der CSU

Ein Treffen, dass offensichtlich seine Wirkung nicht verfehlt hat: In einem Antrag fordert die CSU-Stadtratsfraktion die Verwaltung auf, die Schlößlstraße auszubauen. Dabei soll sie aber nicht verbreitert werden und lediglich „einen ausreichend breiten Gehsteig auf einer Seite der Fahrbahn“ erhalten.

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Das sei eine „pragmatische Lösung“, die für alle Seiten „tragfähig“ sei, teilt die CSU-Stadtratsfraktion in einer Pressemeldung mit. Ein weiterer Pluspunkt sei demnach, dass die Anlieger zwar Grund abgeben müssten, aber wesentlich weniger als in den vorgelegten Varianten der Stadt.

Antrag schließt sich Wünschen der Bewohner an

Auch in der Frage der Radwege schließt sich der Antrag den Wünschen der Anwohner an. Sie seien überflüssig. Und: Führen die Radler auf einem Sicherheitsstreifen auf der Straße, könne auch die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h beibehalten werden, argumentieren die Antragssteller. Ein weiterer Vorteil: Die Schlößlstraße könnte, ab dem Schnittpunkt mit der Westtangente, für den Schwerlastverkehr gesperrt werden, sobald die Westtangente auf ganzer Länge für den Verkehr frei gegeben ist. Auf diese Weise könne „eine dauerhafte und erhebliche Entlastung für den ganzen Stadtteil Westerndorf-St. Peter erreicht werden“, wird Andreas März in der Mitteilung zitiert.

Verzicht auf Zuschüsse möglich

Dass die CSU-Stadtratsfraktion mit ihrem Antrag eine Abkehr von der Zuschuss-Politik fordert, kommt bei Peter Wurm gut an: Schließlich sei das auch Geld der Steuerzahler. Zugleich setze eine solche Entscheidung fort, was schon bei der Eisenbahnüberführung gelungen sei: eine vernünftige Lösung jenseits aller Regelkonformität.

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Wie berichtet, hatten sich die Stadträte einstimmig darauf verständigt, die Durchfahrtshöhe bei 3,50 Metern zu belassen. Und nicht, wie geplant, die Straße tieferzulegen und damit eine Durchfahrtshöhe von 4,50 Meter zu erreichen – eine Baumaßnahme für die es im Gegenzug rund 231 000 Euro für die Erneuerung der Überführung gegeben hätte.

Entscheiden aber werden nicht die Bürger, auch nicht die CSU-Stadtratsfraktion, sondern der Stadtrat.

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