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Wirtschaftsdezernent im OVB-Exklusivinterview

Insolvenz von Karstadt: Welche Chancen Thomas Bugl für den Standort Rosenheim sieht

„Nicht im hinteren Drittel“: Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl sieht Karstadt in Rosenheim nicht gefährdet.
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Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl über Karstadt in Rosenheim.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Wie geht‘s mit dem Karstadt in Rosenheim weiter? Welche Folgen hätte das Aus für das Warenhaus für die Innenstadt und die Region Rosenheim? Rosenheims Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl äußert im OVB-Exklusivinterview dazu klare Worte.

Rosenheim - Der Warenhaus-Konzern Galeria-Karstadt-Kaufhof ist angeschlagen und sieht sich zu tiefen Einschnitten gezwungen. Wie geht‘s mit dem Karstadt in Rosenheim weiter? Welche Folgen hätte das Aus für das Warenhaus für die Innenstadt und die Region Rosenheim?

Rosenheims Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl äußert im OVB-Exklusivinterview dazu klare Worte. Einen Retter wie Buero.de wird es in Rosenheim vorerst wohl kaum brauchen, meint er: Dazu sei Karstadt in Rosenheim zu gut aufgestellt. Wo Rosenheims Vorzüge liegen, ob die Politik notfalls mit Subventionen einsteigen sollte: Auch dazu äußerte sich Bugl.

Karstadt steht auf der Kippe und damit ein wichtiger Faktor für die Rosenheimer Innenstadt. Bereitet Ihnen das Problem schlaflose Nächte?

Thomas Bugl: Nein, nicht wirklich. Weil wir wissen, dass Rosenheim ein starker Standort innerhalb des Konzerns Galeria-Karstadt-Kaufhof ist. Deshalb sehen wir die gesamte Diskussion im Moment relativ gelassen. Wir vertrauen auf die Stärke des Rosenheimer Hauses.

Hört sich an wie Pfeifen im Walde. Denn die Einschnitte werden hart sein, heißt es von Seiten des Chefsanierers. Über ein Drittel der 131 Filialen könnte dichtgemacht werden.

Bugl: Ich gehe fest davon aus. dass das Rosenheimer Haus nicht im letzten Drittel der Karstadt-Häuser rangiert. Insofern hielte ich es für töricht, ein wirtschaftlich leistungsfähiges Haus zu schließen.

Rosenheimer Sogwirkung: Nach Erhebung des Marktforschungsinstituts GfK erreicht Rosenheim den hohen Wert von 168. Das heißt, es zieht fast 1,7mal mehr Kaufkraft an als es abgibt.

Hohe Kaufkraft in der Region

Das hört man immer wieder - Rosenheim sei glänzend aufgestellt. Aber worin bestehen denn konkret die Vorzüge des Standorts?

Bugl: Der große Vorteil ist mit Sicherheit erstens das Einzugsgebiet. Südlich von München gibt es in Oberbayern nur diesen einen Galeria-Standort. Zweitens haben wir eine deutlich höhere Kaufkraft in der Region. Das wird auch deutlich in der Einzelhandelszentralität, bei der Rosenheim in seiner Größenklasse nach wie vor zu den zehn führenden Standorten in Deutschland zählt. Und wir haben das Tiroler Hinterland. Man sollte nicht unterschätzen, wie viele Tirolerinnen und Tiroler auch zum Einkaufen nach Rosenheim kommen.

Der Konzern checkt gerade viele Faktoren, der Sanierer versichert, dass eine Streichliste, wenn überhaupt, erst im Januar vorliegen könne. Angenommen, Rosenheim würde auf dieser fatalen Liste auftauchen: Was bedeutete das für die Innenstadt?

Bugl: Das wäre zunächst ein herber Verlust. Ein solches Haus in so zentraler Lage mit einer solchen auch historischen Bedeutung für Rosenheim zu verlieren, wäre eine bittere Zäsur. Wenn man aber weiß, welche Lagegunst speziell dieser Standort hat, dann ist mir überhaupt nicht bange, dass wir dort auch Nachfolgenutzungen realisieren könnten. Aber, wie gesagt, das ist mir wichtig: Ich habe im Moment keinerlei Anlass anzunehmen, dass dieser Standort gefährdet ist.

Karstadt ein Leuchtturm für die Innenstadt

Karstadt gilt als Kundenmagnet, als Frequenzbringer - was bedeutet Karstadt in dieser Funktion für Rosenheim?

Bugl: Die Rosenheimer Filiale hat auch in dieser Hinsicht mit Sicherheit nach wie vor ihre Bedeutung. Deswegen schreibt die Filiale zumindest nach allem, was man hört, überdurchschnittliche Zahlen. Ihre Einschätzung ist richtig, dass es sich bei Karstadt um einen Leuchtturm des innerstädtischen Einzelhandels handelt. Das kann man auf jeden Fall so sagen. Aber gerade die Situation im innerstädtischen Einzelhandel nach Corona zeigt, dass der Rosenheimer Einzelhandel hinreichend dynamisch ist, um auch solch eine schwere Verwerfung als Standort stärker zu überstehen als er hineingegangen ist.

Dennoch - man hört vom Städte- und Gemeindetag Forderungen, die Politik möge Karstadt unterstützen. Das spricht für die entscheidende Bedeutung, die dem Warenhaus-Konzern für das Leben in der Stadt beigemessen wird. Würden Sie sich den Forderungen anschließen?

Bugl: Subventionen sind aus meiner Sicht immer ein Spiel mit dem Risiko. Sie bringen immer den Markt durcheinander, sie kosten letztlich das Geld des Steuerzahlers, und der Bund hat ja schon bei der ersten Hilfsaktion für Karstadt immerhin einen Betrag von bis zu 460 Millionen Euro als Kredit zur Verfügung gestellt. Insofern denke ich, dass sich die Politik genau überlegen muss, ob sie eine zweite Rettungsaktion für zielführend hält und ob sie damit nicht nur das Leiden verlängern würde. Diese Entscheidung betrifft den gesamten Konzern, nicht das Rosenheimer Haus. Das Bundeswirtschaftsministerium wäre gut beraten, darüber sehr ernsthaft nachzudenken.

Für Gespräche will Bugl den richtigen Zeitpunkt abwarten

Das wären die Forderungen an die hohe Politik. Gibt es in der Kommunalpolitik in Rosenheim Überlegungen, sich vielleicht mit dem Chefsanierer Arndt Geiwitz zusammenzusetzen?

Bugl: Dazu ist es meines Erachtens noch zu früh. Der Konzern muss erst seine Hausaufgaben machen. Erfahrungsgemäß sind solche Gespräche in einem weiterführenden Stadium des Sanierungsprozesses sinnvoll. Speziell Oberbürgermeister März hat mit solchen Gesprächen auch Erfahrungen, auch unter Einbindung der Eigentümer der Immobilie. Die Gespräche waren Chefsache und schon beim letzten Mal sehr zielführend. Aber man muss den richtigen Zeitpunkt wählen.

Zielführend für den Konzern sind wohl stets Gespräche über die Höhe der Miete.

Bugl: In solchen Verhandlungen gilt es, einen Kompromiss zusammenzubringen zwischen den unterschiedlichen Interessen von Eigentümern und Mieter. Beide Seiten müssen damit leben können. Ich denke, sich hier an der einen oder anderen Stelle einzuschalten ist das Beste, was die Kommunalpolitik in einem solchen Fall tun kann. Die Verwaltung wird aber ganz sicher nicht über irgendwelche kommunalen Subventionen für gewerbliche Mieten nachdenken.

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