Aus für die Filiale

Karstadt Sports in Rosenheim schließt endgültig – Ausverkauf fast abgeschlossen

Die Karstadt-Sports-Filiale in Rosenheim: Der 14. Oktober 2020 ist der letzte Tag vor der endgültigen Schließung.
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Die Karstadt-Sports-Filiale in Rosenheim: Der 14. Oktober 2020 ist der letzte Tag vor der endgültigen Schließung.
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Im Juni war bekannt geworden, dass Karstadt bundesweit Filialen dicht macht. Schnell wurde klar, dass auch Karstadt Sports in Rosenheim auf der Streichliste steht. Am 14. Oktober ist der letzte Tag für den Sportartikelhändler in Rosenheim gekommen.

Update 14. Oktober 2020

Karstadt Sports schließt heute

Der letzte Ausverkauf bei Karstadt Sports läuft. Ein großes Plakat im Schaufenster verkündet „Nur noch 1 Tag“. Im Laden selbst gibt es nur noch ein paar letzte Einzelstücke. Der Abbau der Inneneinrichtung hat bereits begonnen. Am 15. Oktober wird das Kapitel Karstadt Sports in Rosenheim Geschichte sein.

Was danach mit der Immobilie geschieht, ist noch nicht bekannt.

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Update 22. Juni

20 Rosenheimer Mitarbeiter betroffen

"Wir haben es am Samstagnachmittag bei einer Mitarbeiterversammlung erfahren“: Mit diesen Worten hat Michael Hahn, Filialleiter des Karstadt Sports in Rosenheim, den OVB-Heimatzeitungen die Schließung des Standorts bestätigt. Damit stehen 20 Mitarbeiter in Voll- oder Teilzeit davor, ihren Job zu verlieren. Für Hubert Thiermeyer von Verdi „ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten“.

Am Freitag war bekannt geworden, dass Galeria Kaufhof Karstadt zum Kahlschlag ausholt. Der Warenhauskonzern teilte mit, dass 62 von 172 Standorten geschlossen werden sollen - darunter sechs in Bayern. Dass Rosenheim zumindest auf dieser Streichliste nicht auftauchte, sorgte zunächst für Erleichterung. Über ihre Karstadt-Sports-Geschäfte hatte die Zentrale in Essen da noch gar nichts mitgeteilt.

Filialleiter sieht Folgen der Coronakrise

Dann die böse Überraschung am Samstag. Die Informationspolitik des Kaufhauskonzerns erwies sich auch am Montag als mager: Zu den Gründen für die Schließung des Sportgeschäfts ausgerechnet in der Sportregion Rosenheim machte die Pressestelle keine Angaben. Der Filialleiter sieht den Standort von den Nachwirkungen der Coronakrise gebeutelt. Seit der Wiedereröffnung verzeichne man 30, 40 Prozent weniger Umsatz. „Ich kann mir vorstellen, dass das Einkaufen mit Maske sicherlich nicht so viel Spaß macht“, sagt Michael Hahn. Möglicherweise hätten sich Kunden auch an den Onlinehandel gewöhnt.

Stadt Rosenheim möchte attraktives Umfeld schaffen

Für Rosenheims Zweiten Bürgermeister Daniel Artmann (CSU) stehen zunächst die Mitarbeiter an erster Stelle. „Ich hoffe, dass wir da eine Lösung finden.“ Er sagte aber auch, dass eine Kommune wenig Einfluss auf die Konzernpolitik nehmen könne. „Wir können nur attraktive Rahmenbedingungen schaffen“, sagt Artmann und verwies auf das Kultur- und Veranstaltungsprogramm „Sommer in Rosenheim“ und das Entgegenkommen für die Gastronomie.

Stationärer und Online-Handel in Konkurrenz

„Leerstand hat katastrophe Folgen für die Innenstadt“, sagt Hubert Thiermeyer. Von Arbeitnehmerseite aus werde man die Schließung nicht akzeptieren. „Die Beschäftigten dort haben ihr Bestes gegeben, was man vom Management nicht behaupten kann.“ Insbesondere habe man es versäumt, die Stärken eines Marktes mit der Digitalisierung zu verbinden. „Der Stationäre Handel hat seine Vorteile, kann sich aber auch die Vorteile des Internets zunutze machen.“ Beratungskompetenz sei vorhanden, die müsse man mit einem Sortiment verbinden, das zur Region mit ihren vielen Sportlern passe.

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Update 21. Juni, 14.35 Uhr

Reaktion des Rosenheimer Oberbürgermeisters

Oberbürgermeister Andreas März und 2. Bürgermeister Daniel Artmann bedauern auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen die Schließung des Karstadt Sport in der Rosenheimer Innenstadt. „Eine offizielle Bestätigung aus der Konzernzentrale in Essen liegt uns als Stadt bisher noch nicht vor, jedoch sollen die Rosenheimer Mitarbeiter bereits informiert worden sein. Ich persönlich bedauere diese Entwicklung sehr. Das besondere Augenmerk muss jetzt den Beschäftigten gelten, um schnell eine sozial verträgliche Perspektive zu finden“, so Oberbürgermeister März. 

„Leider spüren wir nun auch in Rosenheim die Auswirkungen des Bebens im angeschlagenen Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof. Wir sind froh, dass das Stammhaus Karstadt, welches seit über 60 Jahren Anziehungspunkt für den Rosenheimer Einzelhandel ist, nach derzeitigem Stand erhalten bleibt“, ergänzt 2. Bürgermeister Artmann.

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Update 20. Juni, 16.25 Uhr

Karstadt Sports in Rosenheim schließt angeblich

Zusätzlich zur geplanten Schließung von Dutzenden Filialen der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof sollen auch 20 der 30 Niederlassungen der Tochter Karstadt Sports dicht machen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Samstag. Die Verhandlungen hätten bis zum frühen Morgen gedauert, hieß es. Zuvor hatte der «Kölner Stadt-Anzeiger» darüber berichtet.

Der Spiegel berichtet von Insider-Informationen, wonach auch die Filiale von Karstadt Sports in Rosenheim geschlossen werden soll. Genauere Informationen liegen aktuell noch nicht vor. Eine Bestätigung dieser Information seitens Karstadt gibt es bislang nicht.

Ein Verdi-Vertreter hatte im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen tags zuvor schon gewarnt, dass die Schließung von 62 Filialen nur der Anfang sein könnte. Über die Zukunft der Karstadt-Sports-Standorte sei beispielsweise noch gar nicht entschieden.

Nach Informationen des Kölner Stadtanzeigers sollen darüber hinaus die Standorte in Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Hamburg und München sowie die Hauptverwaltung von Karstadt Sports in Essen geschlossen werden. Insgesamt seien 700 Arbeitsplätze betroffen.

Die Geschäftsführung von Galeria Karstadt Kaufhof hatte die Maßnahmen am Freitag als unvermeidlich bezeichnet. «Wir wissen, was dies für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet. Aber dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden», sagte der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz. Letztlich gehe es darum, Galeria Karstadt Kaufhof und damit viele Tausend Arbeitsplätze zu sichern. (ki/dpa)

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Update 19. Juni, 15.15 Uhr

Karstadt in Rosenheim steht nicht auf der Streichliste

Die Karstadt-Filiale in Rosenheim steht nicht auf der Liste der 62 Filialen, die der Karstadt-Kaufhof-Konzern schließen will. Das eruhren die OVB-Heimatzeitungen von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Hubert Thiermeyer, Fachbereichsleiter Handel bei Verdi Bayern, warnt allerdings davor, zu früh Entwarnung zu geben. Er fürchtet, dass die geplante Schließung von 62 Standorten erst der Anfang sein könnte. Nicht erfasst vom derzeitigen Konzept seien beispielsweise die Karstadt-Sport-Standorte. Dazu erwarte die Gewerkschaft in den kommenden Wochen Neuigkeiten.

Verdi wirft Karstadt Fehler und Missmanagment vor

In Bayern sollen laut Angaben von Verdi 6 Standorte von der Schließung bedroht sein – und dort 800 Mitarbeiter. "Damit finden wir uns nicht ab. Wir werden um jeden Standort kämpfen", kündigt Thiermeyer an. Dass die Konzernleitung nun bundesweit 62 Standorte schließen wolle, bezeichnet er als "Schlag ins Gesicht der Beschäftigten", die nun die "Zeche für Missmanagement und Fehler in der Vergangenheit" zahlten.

Der Verdi-Vertreter wirft dem Unternehmen vor, die Stärken des stationären Handels in der Konkurrenz zum Onlinehandel verschlafen zu haben. Durch einen Stellenabbau in der Vergangenheit sei vor allem Kompetenz in der Kundenberatung verloren gegangen. Auch zur Verbindung von Online- und stationärem Handel habe es jede Menge Ideen und Vorschläge aus der Belegschaft gegeben, "auf die zu wenig gehört wurde", so Thiermeyer.

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Die Erstmeldung vom 19. Juni, 11.35 Uhr

Essen/Rosenheim – Die Schließung von mehr als einem Drittel der Galeria Karstadt-Kaufhof-Filialen ist nach Einschätzung der Unternehmensführung der einzige Weg, um das Unternehmen zu retten. "Wir wissen, was dies für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet. Aber dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden", sagte der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz am Freitag. Letztlich gehe es darum, das Unternehmen und damit viele tausend Arbeitsplätze zu sichern.

Spitze von Karstadt und Kaufhof sieht keine wirtschaftliche Perspektive

Die Planung des Konzerns sieht vor, «zunächst 62 von 172 Filialen und zwei sogenannte Schnäppchencenter» zu schließen. Für sie bestehe angesichts der Auswirkungen der Corona-Krise keine wirtschaftliche Fortführungsperpektive mehr, betonte Gleiwitz.

Welche Filialen genau betroffen sind, darüber sollen die Mitarbeiter nach dpa-Informationen am Freitag (19. Juni) um 14 Uhr informiert werden. Schon zwei Stunden früher sollen die Führungskräfte Details der Zukunftsplanung erfahren. Durch die Schließung und weitere Sparmaßnahmen dürften mindestens 5000 der 28.000 Stellen bei dem Konzern wegfallen.

Was passiert mit Karstadt in Rosenheim?

Bislang ist nichts darüber bekannt, ob auch der Karstadt-Standort Rosenheim von der Filialschließung  betroffen sein könnte. Dem Vernehmen nach zählt er zu den umsatzstärkeren im Karstadt-Kaufhof-Konzern. Ob und wie sich das aber auf die Entscheidung der Konzernspitze auswirkt, ist allerdings am Freitagmorgen (19. Juni) noch nicht bekannt. (+++ Wir informieren an dieser Stelle, sobald es Neuigkeiten gibt. +++)

Die Zahl der Filialschließungen fällt allerdings etwas geringer aus als zunächst befürchtet. Ursprünglich hatte die Geschäftsführung sogar signalisiert, dass im Zuge der Sanierung des ums Überleben kämpfenden Unternehmens bis zu 80 Filialen geschlossen werden könnten.

Sozialplan für Mitarbeiter von Karstadt- und Kaufhof

Erst am Donnerstagabend hatten sich das Unternehmen, der Gesamtbetriebsrat und die Gewerkschaft Verdi auf einen Sozialplan und einen Interessenausgleich verständigt. Bestandteil der Einigung ist auch eine Transfergesellschaft für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen müssen. Zudem wurden tarifliche Regelungen für die Beschäftigten getroffen, die im Unternehmen bleiben.

Der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus begrüßte die Einigung mit den Arbeitnehmern. Jetzt müsse aber auch noch "zeitnah" eine befriedigende Lösung mit den Vermietern gefunden werden.

Konzern durch Coronakrise in Schieflage

Der Handelsriese war durch die Coronakrise und die zwischenzeitliche Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Galeria Karstadt Kaufhof rechnet durch die Pandemie und den durch sie ausgelösten Konjunkturabschwung bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Milliarden Euro.

Auch in vielen Kommunen dürfte die Bekanntgabe der Schließungsfilialen mit großer Unruhe erwartet werden. Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund warnte schon bei Bekanntwerden der ersten Schließungspläne im Mai vor der Gefahr einer Verödung vieler Innenstädte. «Galeria Karstadt Kaufhof ist nicht irgendwer. Die Warenhäuser sind für viele Innenstädte systemrelevant», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Gerade für viele strukturschwächere Innenstädte sei ein Verlust der Warenhäuser nach seiner Einschätzung kaum auszugleichen. (dpa/ki)

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