Des Kaisers neue Kleider?

Zum Bericht "Erhalt von Bäumen prüfen" im Lokalteil:

Bei der Auslobung des Architekten-Wettbewerbs für den Südtiroler Platz hielt die Stadt dort keinen Baum für erhaltenswert. Wenn es jetzt vier sind, ist das eine bemerkenswerte Steigerung, aber viel zu wenig. Selbst die Gutachterin der Stadt schätzt die Rest-Lebenserwartung einer Kastanie auf gut 60 Jahre. Dennoch soll sie gefällt werden - wie Bäume, die von der Gutachterin Note 3 oder 4 bekommen haben. Drei der vier Bäume, welche die Stadt erhalten will, sind durch Bunker-Abriss und Taxischleife gefährdet. Bürger fordern hier ein Mahnmal gegen Diktatur und Krieg.

Macht die Stadt mit ihrer Planung weiter, dürfte sich folgendes Bild ergeben: In der Mitte ein klein gewordender freier Platz, rechts und links Kurzparkzonen für den motorisierten Individualverkehr, Bäumchen als einziges Grün. Die Wege auf dem Gelände sind vielleicht kurz; aber überall dort, wo Fahrzeuge fahren, lauert das Risiko. Das Wettbewerbssieger-Konzept des weitgehend autofreien Vorplatzes ist längst vergessen.

Der nackte Südtiroler Platz wird an "des Kaisers neue Kleider" erinnern - mit dem Unterschied, dass sich das Problem frühestens nach einer Generation löst, wenn die Bäumchen herangewachsen sind. Glaubt die Stadt ernsthaft, so den über 5400 Bürger-Unterschriften für die Erhaltung der Bäume und eine ansprechende Gestaltung gerecht zu werden?

Viele foderen den Erhalt beider Grünflächen und die Verlagerung der Parkplätze nach Westen. Damit lassen sich alle Verknüpfungsfunktionen erfüllen. Darüber hinaus steigen Sicherheit, Aufenthaltsqualität und Attraktivität, von vielen ökologischen Pluspunkten und einer erheblichen Kostenersparnis ganz zu schweigen.

Steffen Storandt

Bund Naturschutz

Ortsgruppe Rosenheim

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