INTERVIEW MIT JUDITH GEBHART DE GINSBERG

Wie das Stadtmarketing die „Rosenheim Cops“ nutzen will, um Rosenheim bekannter zu machen

Judith Gebhart de Ginsberg, Leiterin des Stadtmarketings.
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Judith Gebhart de Ginsberg, Leiterin des Stadtmarketings.
  • Anna Heise
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Rosenheim - Judith Gebhart de Ginsberg, Leiterin des Stadtmarketings, hat auch während der Corona-Krise alle Hände voll zu tun. Ein Gespräch über die Attraktivität der Innenstadt, die „Rosenheim-Cops“ und den Kampf gegen die drohenden Leerstände.

Welche Aufgaben haben Sie als Leiterin des Stadtmarketings?

Judith Gebhart de Ginsberg: „Ziel des Stadtmarketings ist es, die Stadt Rosenheim mit allen ihren Profilen als attraktiven Standort in der Mitte der Ballungsräume München, Salzburg und Innsbruck zu positionieren. Die Aufgaben reichen dabei von der Entwicklung einer integrierten Marketingstrategie bis hin zu ganz konkreten Projekten wie zum Beispiel „Sommer in Rosenheim“.“

War es trotz der Corona-Krise möglich, diese Ziele weiter voranzutreiben?

Gebhart de Ginsberg: „Trotz Lockdown arbeiten wir intensiv an der neuen Online-Plattform „rosenheim.jetzt“. Das Projekt ‚Stadtmöbel für Rosenheim‘, das gemeinsam mit der TH Rosenheim initiiert wurde, trägt dem Gedanken der Aufwertung im öffentlichen Raum Rechnung.

Leider ist der „Winter in Rosenheim“ Mitte Dezember dem zweiten Lockdown zum Opfer gefallen.“

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Wie entwickelt sich die Stadt Rosenheim?

Gebhart de Ginsberg: „Die Städte stehen an der Schwelle zu bedeutenden Veränderungsprozessen, die sich seit Längerem lokal wie global abzeichnen. Die derzeitige Pandemie wird diese Transformation mit Sicherheit vorantreiben.

Die Städte werden sich ein Stück weit von ihrer Definition als „Einkaufsstadt“ lösen. Das bedeutet aber nicht, dass für das Zentrum der Handel auch zukünftig eine zentrale Rolle spielt. Es kann aber bedeuten, dass neue Funktionen aufkommen und Freiflächen füllen.“

Die Fernsehserie die „Rosenheim Cops“ erreicht in Deutschland rund vier Millionen Zuschauer. Die Zahl der Gäste die – vor der Pandemie –an den entsprechenden Stadtführungen teilgenommen haben, nimmt stetig zu. Die Stadt will deshalb mit dem ZDF über mögliche Lizenzen sprechen. Schlecker/privat

Wie probieren Sie die „Marke Rosenheim“ unter die Leute zu bringen? Auch außerhalb des Landkreises?

Gebhart de Ginsberg: „Die Marke Rosenheim ist nicht zuletzt dank der ‚Rosenheim Cops‘ deutschlandweit, in Österreich und der Schweiz bekannt. Auch das Ausstellungszentrum Lokschuppen oder das Sommerfestival sind als Marken etabliert und helfen, Rosenheim bekannt zu machen. Gleiches gilt für das ‚Transit Art Festival‘, das die städtische Galerie im Rahmen des „Sommers in Rosenheim“ durchgeführt hat. Auch die Plattform ‚rosenheim.jetzt‘ soll für Bürger und Gäste den Charme unserer Stadt widerspiegeln.“

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Welche Ziele hat diese Plattform? Warum ist es so wichtig, dass sich die Stadt auch online präsent ist?

Gebhart de Ginsberg: „Eine attraktive Stadt muss heute offline wie online sichtbar sein. ‚rosenheim.jetzt‘ soll Stadtinformationen und einen Überblick über das vielfältige Veranstaltungsangebot bieten. Handel und Gastronomie sollen in Kampagnen, also spezielle themenorientierte Geschichten, eingebunden werden.“

Welche Möglichkeiten gibt es, die Innenstadt noch attraktiver zu machen?

Gebhart de Ginsberg: „Stichwort ist hier die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Bürger und Besucher sollen sich in Rosenheim wohlfühlen. Das geht über die Begrünung der Innenstadt, bequeme Sitzmöglichkeiten und attraktive Plätze für Freizeitaktivitäten.“

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Die Corona-Krise ist auch an der Innenstadt nicht spurlos vorbeigegangen. Man sieht immer wieder Leerstände. Wie will das Stadtmarketing diesem Trend entgegenwirken?

Gebhart de Ginsberg: „Wer Leerstände wieder füllen will, muss mit den Eigentümern sprechen. Das hat Oberbürgermeister März zur Chefsache gemacht. Oftmals können hier auch Handelsberatungen wie die CIMA helfen. Sie kennt durch die Erarbeitung der Einzelhandelsentwicklungskonzepte unsere Stadt und die Expansionschefs aller wichtigen Marken, Handelsunternehmen und Filialisten.“

Judith Gebhart de Ginsberg, Leiterin des Stadtmarketings.

Es sollen demnächst Quartierstreffen stattfinden. Was erhoffen Sie sich von diesen Treffen? Und wie hat beispielsweise das Quartier „Am Esbaum“ davon profitiert?

Gebhart de Ginsberg: „Die Aufwertung unserer vielfältigen Quartiere innerhalb der Innenstadt war unter anderem Ergebnis der letzten Fortschreibung des Entwicklungshandelskonzepts. ‚Am Esbaum‘ haben wir zum Beispiel auf Wunsch der Händlerschaft mehr Pflanztröge aufgestellt, mit Beschilderung auf das Quartier aufmerksam gemacht und Besucherparkplätze geschaffen. In diesem Jahr soll das Färberviertel folgen.“

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Die Stadt will über die Rosenheim Cops-Lizenzen neu verhandeln? Warum wäre das ein wichtiger Schritt? Gibt es schon konkrete Vorstellungen wie man die Reichweite der Serie für die Stadt nutzen könnte?

Gebhart de Ginsberg:„Alleine in Deutschland erreicht Rosenheim mit den Rosenheim Cops wöchentlich vier Millionen Zuschauer. Die Zahl der Gäste, die an entsprechenden Stadtführungen teilnehmen oder sich vor Ort das Polizeigebäude – in Wirklichkeit unser Rathaus – anschauen wollen, nimmt stetig zu.

Die Möglichkeiten, die sich aus dieser Bekanntheit für Einzelhandel, und Gastronomie ergeben, liegen auf der Hand. Wir werden in diesem Jahr mit dem ZDF eingehend über mögliche Lizenzen sprechen.“

Die Veranstaltung „Sommer in Rosenheim“ war sehr erfolgreich. Woran glauben Sie, lag das? Gibt es Ideen, wie die Veranstaltung in den kommenden Jahren noch weiter verbessert werden könnte?

Gebhart de Ginsberg: „Der „Sommer in Rosenheim“ war angedacht als einmalige Maßnahme zur Förderung regionaler Künstler und zur Belebung der Innenstadt nach dem ersten Lockdown im letzten Frühjahr. Das Konzept ist sehr gut angekommen.

Deshalb denkt das Stadtmarketing darüber nach, langfristig eine Dachmarke für ein breites Angebot an Veranstaltungen und Aktionen unter Einbindung städtischer Vereine zu entwickeln. Dabei könnte auch die bildende Kunst einbezogen und leer stehende Flächen neu belebt werden.“

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