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PROJEKT FLÜCHTLINGSPATEN:

Integration „stiften“

Vom Büro im Bürgerhaus „Miteinander“ aus koordiniert Christian Hlatky die Arbeit der Flüchtlingspaten.
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Vom Büro im Bürgerhaus „Miteinander“ aus koordiniert Christian Hlatky die Arbeit der Flüchtlingspaten.

270 Bürger engagieren sich im Projekt „Flüchtlingspaten“ der Bürgerstiftung Rosenheim. Dank einer neuen Kooperation mit der OVB-Medienhaus-Stiftung, der Sparkassen-Stiftung „Zukunft für die Stadt Rosenheim“ und der Ursula-und-Walter-Schatt-Stiftung ist es jetzt gelungen, für die Koordination dieses Ehrenamtes eine Teilzeitstelle zu schaffen, personell besetzt mit Christian Hlatky. „Mit diesem Stifternetzwerk wird es uns gelingen, die große Zukunftsaufgabe der Integration zu meistern“, zeigte sich gestern der Vorsitzende der Bürgerstiftung, Dr. Helmut Klarner, vor der Presse überzeugt.

Rosenheim– Verleger Oliver Döser und Ehefrau Michaela haben selbst eine Patenschaft übernommen. Sie kümmern sich um eine syrische Flüchtlingsfamilie – Großeltern, Vater, Mutter und zwei kleine Kinder; das jüngste kam in Rosenheim auf die Welt.

Anfangs ging es vor allem darum, die Neubürger an die Hand zu nehmen – etwa zu Behörden zu begleiten oder ihnen bei der Arztsuche zu helfen. Paten- und Flüchtlingsfamilie kennen sich mittlerweile relativ gut. „Es geht darum, unsere Werte näher zu bringen, doch auch wir müssen bereit sein, uns in diese Menschen hineinzudenken“, warb Döser bei der Pressekonferenz aus Anlass der Bekanntgabe der Stiftungskooperation dafür, den Neuankömmlingen offen zu begegnen. Dass dieses Kennenlernen manchmal eine Herausforderung darstellt und nicht ohne Probleme abläuft, daraus machte er keinen Hehl.

Auch die ehrenamtlichen Helfer benötigen Hilfe, bestätigte der Koordinator des vor drei Jahren bei der Sozialen Stadt gegründeten und 2015 an die Bürgerstiftung übergebenen Projektes, Christian Hlatky. Er sieht eine Hauptaufgabe darin, dafür zu sorgen, dass Helfer genau die zu ihnen passende ehrenamtliche Aufgabe zugewiesen bekommen. Denn es gibt Bürger, die möchten sich nur unregelmäßig einbringen, Rosenheimer, die bereit sind, einen Großteil ihrer Freizeit zu opfern, Ehrenamtliche, die Asylbewerber gerne in das eigene Familienleben integrieren, Helfer, die lieber in die Unterkünfte gehen. Jeder soll sich so einbringen, wie er es wünscht, lautet das Prinzip.

Damit dies gelingt, steuert Hlatky im Auftrag der Bürgerstiftung seit Januar von einem neuen Büro im Bürgerhaus „Miteinander“ in der Lessingstraße die Arbeit der Flüchtlingspaten. Er teilt ein, vermittelt, berät und betreut die Ehrenamtlichen und bildet eine Brücke zu den Asylbewerbern. Eine Arbeit, welche die „enormen Verschleißeffekte“ im Ehrenamt verhindert, die überall dort auftreten, wo die steuernde Hand fehlt. „Es gibt eine unglaublich hohe Bereitschaft zum bürgerschaftlichen Engagement, doch viel davon geht derzeit verloren, weil die Helfer nicht wissen, wo und wie sie sich einbringen können“, bedauert Hlatky.

Rosenheim gilt mit dem Projekt der professionell betreuten ehrenamtlichen Flüchtlingspaten als beispielhaft. In einer der ersten wissenschaftlichen Studien zur Frage des Ehrenamts in der Flüchtlingshilfe, die von der Robert-Bosch-Stiftung erstellt wurde, wird Rosenheim neben Leipzig als „Leuchtturm in Deutschland“ genannt, berichtete Martin Schwegler, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Sparkassenstiftung „Zukunft für die Stadt Rosenheim“. Als Besonderheit werde in der Studie die Struktur der Arbeit mit einem professionellen Koordinator hervorgehoben – und die breite gesellschaftliche Unterstützung durch die Bürgerstiftung sowie die Stadt. Typisch für Rosenheim sei außerdem eine auch von der Politik und Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer getragene Willkommenskultur, die symbolisiere: „Wir alle sind Rosenheim.“ Es gehe darum, Menschen mit offenen Armen zu empfangen, jedoch auch deutlich zu machen, dass Parallelgesellschaften und Fanatismus keinen Platz haben, so Schwegler.

Gemeinsam Chancen schaffen

Für die Bürgerstiftung Rosenheim, die sich zum Ziel gesetzt hat, allen Rosenheimern – egal welcher Herkunft, Hautfarbe oder Religion – Chancen zu ermöglichen, ist das Patenprojekt für Flüchtlinge deshalb eine nachhaltige Investition in die Zukunft. Es passt zu den bereits länger bestehenden Projekten der mittlerweile 75 Stifter: Sie fördern gemeinsam unter anderem Schwimmkurse an den Schulen, die dafür sorgen, dass sich alle Kinder sicher im Wasser bewegen, oder die Förderung von Kindern, deren Eltern sich Musikunterricht nicht leisten können.

Etwa 40 Prozent der Asylbewerber werden nach Expertenschätzungen anerkannt und bleiben da. Auch diese Neubürger gilt es in die Stadtgesellschaft zu integrieren, weshalb die Bürgerstiftung ihr Engagement 2015 auf das Flüchtlingspatenprojekt ausgeweitet hatte. Mit der Schaffung der ersten Teilzeitstelle mit 20 Stunden ist aus der Bürgerstiftung jetzt ein Arbeitgeber geworden. Möglich wurde das durch die Bereitschaft der OVB-Medienhaus-Stiftung, der Sparkassen-Stiftung sowie der Ursula-und-Walter-Schatt-Stiftung, als Kooperationspartner finanziell miteinzusteigen. So ist ein neues Stifter-Netzwerk entstanden, das sich einem gemeinsamen Ziel verschrieben hat: der Integration.

Erster Schritt: das Kennenlernen. Dazu bedarf es Ehrenamtlicher, die bereit sind für diese Kontaktaufnahme. Die deutschen Werte und die bayerische Lebensart werden, davon ist Hlatky überzeugt, am besten ganz nebenbei statt mit dem erhobenen Zeigefinger vermittelt: bei einer Essenseinladung etwa, bei der der Neuankömmling sieht, dass in der Familie seines Paten der Mann ganz selbstverständlich mit am Herd steht.

Die 270 Ehrenamtlichen in der Stadt leisten deshalb im Stillen eine wichtige Integrationsarbeit, ist Klarner überzeugt. Er sieht die Familien der Helfer als Multiplikatoren, die in die Stadtgesellschaft hineinwirken und helfen, Vorurteile und Ängste abzubauen.

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