Integration durch Sport

Sie sind inzwischen eine verschworener Haufen– deutsche und Jugendliche vieler Nationen machen am Sportpark des IGG gemeinsam Sport.
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Sie sind inzwischen eine verschworener Haufen– deutsche und Jugendliche vieler Nationen machen am Sportpark des IGG gemeinsam Sport.

Integration durch Sport – diesem Gedanken hat sich der 18-jährige Alex Rotar angenommen. Der Schüler des Ignaz-Günther-Gymnasiums (IGG) bietet in Zusammenarbeit mit anderen Schulen im Streetwork-Outpark des IGG vier-mal wöchentlich ein kostenloses Fitnesstraining für Flüchtlinge und deutsche Jugendliche an.

Rosenheim – Abdul (21) kommt gerne zum Training im Streetwork-Outpark. „Ich liebe Sport“, sagt der Äthiopier, der erst seit sechs Wochen im Landkreis Rosenheim lebt. Vor zwei Jahren ist er alleine nach Deutschland gekommen. Täglich lernt er Deutsch, abends radelt er von seinem Wohnort Großkarolinenfeld nach Rosenheim, um am kostenlosen Sportprogramm teilzunehmen. „Ein Freund hat mir davon erzählt“, sagt er. Neben der sportlichen Betätigung, nutzt Abdul das Angebot auch dazu, Freunde in der neuen Heimat zu finden. Egal ob deutsch, äthiopisch oder syrisch – im Streetwork-Outpark spielen Nationalitäten keine Rolle. „Über das Training geht das einfacher“, sagt der 21-Jährige etwas schüchtern, „man kommt mit den anderen leichter in Kontakt“.

Initiiert hat das gemeinsame Sporttreiben Alex Rotar. Der Schüler macht im kommenden Sommer sein Abitur am IGG. „Ein Freund hat im Rahmen eines Projektseminars diesen Sportpark errichtet“, erzählt er. Tatkräftig half der 18-Jährige damals mit. Jetzt, nach Abschluss des Seminars, bleibt der Sportpark der Schule mit Trainingsstangen für Turnübungen erhalten. „Ich dachte, das müssen wir weiterhin nutzen“, sagt Rotar und so entstand die Idee für ein Integrationsprojekt mit Flüchtlingen. Viel Energie hat der 18-Jährige schon in sein kostenfreies Angebot gesteckt. Sponsoren konnte er bereits gewinnen, Sportvereine und Trainer möchte er noch mit ins Boot holen. Seine Begeisterung und seinen Elan für das Sportprogramm ist dabei spürbar. „Wir sind eine richtig kleine Familie geworden“, sagt er. Ob das Training durch seine Abiturvorbereitungen weniger werden wird? Da schüttelt der Schüler mit dem Kopf: „Dafür ist es mir zu wichtig.“

Dass die gemeinsamen Stunden den über 20 Jugendlichen am Herzen liegen, wird klar, wenn man den jungen Männern beim Training zusieht. Bereits zur Begrüßung klatscht sich jeder freundschaftlich ab. Da werden auf Deutsch oder hier und da auf Englisch Neuigkeiten ausgetauscht. Dann geht es langsam los mit dem gemeinsamen Sport. „Abdul halte durch, du schaffst das“, ruft Kilian, der neben dem Initiator beim Training gerne die Zügel in die Hand nimmt. „Noch zehn Sekunden“, ruft er Abdul zu, der sich gerade mit den Ellbogen und den Fußspitzen am Hartplatzboden abstützt und das restliche Körpergewicht gegen Himmel drückt. „Spannung halten“, animiert Kilian, bis die zwei Minuten für die Übung vorbei sind.

Rotar macht währenddessen mit fünf anderen Jugendlichen unterschiedlicher Nation Liegestütze. Wieder andere trainieren Klimmzüge an den Turnstangen, eine weitere Gruppe spielt Basketball.

So geht das zwei Stunden lang, viermal die Woche. „Seit Kurzem bieten wir unser Programm auch freitags in Bad Aibling beim Jugendzentrum Mosaik von 18 bis 20 Uhr an“, sagt Alex Rotar stolz. Zum Trainieren sind alle interessierten Jugendlichen – egal welcher Nation – viermal die Woche am IGG eingeladen. Die Gruppe trifft sich montags, mittwochs und freitags von 18 bis 20 Uhr sowie jeweils am Samstag von 12 bis 14 Uhr am Sportpark hinter der Schulmensa.

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