IN ALTEN ZEITUNGSBÄNDEN GEBLÄTTERT

Inntalschleife wird zum Verhängnis

Vor 50 Jahren wurde mit dem Bau des Hallenbads begonnen. Um das Projekt finanzieren zu können, gründeten die Rosenheimer einen Verein, dem mehr als 1000 Mitglieder angehörten. Die erste namhafte Spende kam von Hans Klepper. Es kamen 725 000 Mark zusammen. Biebel-Neu

Ein Blick zurück in die Vergangenheit sagt viel über die Entwicklung einer Stadt und die Sichtweise früherer Generationen. Vieles wiederholt sich auch in verblüffender Weise. Wir haben deshalb in alten Zeitungsbänden geblättert und präsentieren in unregelmäßigen Abständen die interessantesten Dinge aus bestimmten Jahren. Heute geht es um die Zeit vom 30. Juli bis 12. August.

Rosenheim – „Ein stilles Jubiläum kann heuer in ernster Kriegszeit die Stadt Rosenheim feiern. Es rundet sich das erste Jahrhundert, daß der damalige Markt am Inn durch das Gemeindeedikt eine magistratische Verfassung erhielt.“

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„Wenn in den nächsten Tagen die ersten Söhne unserer Stadt, die seit 47 Monaten in Gefangenschaft schmachten, in die Heimat zurückkehren, wenn wir die Spuren dieser Jahre, aller durchlebten und körperlichen Qualen in ihrem Angesichts lesen, können wir ihnen wohl unbefangen ins Auge sehen, wenn unser Gewissen uns zuflüstern würde: In Deiner Macht wäre es gelegen, in diese lange Finsternis ab und zu einen schwachen Lichtstrahl zu werfen! Du aber hast lieber Summen für ein nichtsagendes Vergnügen, für eitle Kleiderpracht, für vergänglichen Tand hingegeben, jede Mark aber, durch die Du einem armen Gefangenen eine glückliche Stunde hättest bereiten können, um die war Dir’s leid, die schien Dir unentbehrlich. Möge uns alle unser eigener Richter von solchen Selbstqualen freisprechen und trachten wir uns auch fern davor zu sichern, indem wir am Opfertage, dessen Erträgnis zu einem Teile der Kriegsgefangenenhilfe zukommt, reichlich und mit Freude geben!“

„Nach einer Bauzeit von knapp einem Jahr konnte der erste Abschnitt des Stadion-Neubaus des TSV 1860 Rosenheim fertiggestellt werden. Ingenieur Herbert Haarpaintner und die gesamte Vorstandschaft des TSV sind über den neuen Fußballplatz, die Laufbahnen und die Sprunganlagen voll des Lobes. Die Dränage hat ihre Feuertaufe bereits bestanden. Während der Schulsportplatz bei dem kürzlichen Spiel gegen Rotweiß Oberhausen zentimeterhoch unter Wasser stand, lief das Wasser auf dem neuen Fußballfeld des TSV 1860 sofort ab. Dieser Fußballplatz wurde um 60 cm angehoben.“

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„Über die Aktion zum Schutz der Jugend vor Sittlichkeitsverbrechern entwickelte sich in der letzten Sitzung des Jugendwohlfahrtsausschusses im Rathaussaal eine lebhafte Diskussion. Die Aktion, wofür in Rosenheim ein Arbeitsausschuß gebildet worden ist, konnte noch nicht in dem wünschenswerten Maße durchgeführt werden, weil das Material, das der Städteverband hierfür zu Verfügung stellt, derzeit vergriffen ist. Die Meinungen über diese Aktion, so sagte der Stadtjugendamtsleiter, seien sehr geteilt. Ein Stadtrat und Jugenderzieher habe sie einmal als Scheinheiligkeit bezeichnet. ,Die wahren Schuldigen sitzen beim Film und in der Illustrierten-Presse.‘ Sie gäben durch ihre Erzeugnisse die Anregung zu Sittlichkeitsverbrechen.“

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„Inzwischen wurden für das Hallenbad im Holzhofgelände bereits die Pflöcke ausgesteckt. Ein weiter Weg wurde zurückgelegt, seit Hans Klepper die erste namhafte Spende für ein Hallenbad in Rosenheim gezeichnet hat. Jahre sind darüber vergangen. Nun steht die Finanzierung für dieses Projekt. Durch die Beiträge der über tausend Mitglieder und vor allem durch die namhaften Spenden aus der Wirtschaft konnte ein Betrag von insgesamt 725 000 Mark angesammelt werden.

Kaum ist das finanzielle Gefüge für das Hallenbad gesichert, tut sich als neues Problem der Bau der Stadthalle auf. Oberbürgermeister Dr. Steinbeißer ist überzeugt davon, daß auch die Stadthalle in absehbarer Zeit Gestalt annehmen wird, wenn der gleiche Bürgersinn Pate steht.“

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„In der steilen Kurve bei der Einmündung der Inntalautobahn in die Autobahn Salzburg-München landeten in 24 Monaten 24 Autos an der Leitplanke. Zwei Tote und 24 Schwerverletzte mußten aus den zerstörten Fahrzeugen geborgen werden. Die als ,Hundhammer-Kurve‘ bei Autobahnbauern bekannte Inntalschleife sollte ursprünglich großzügiger ausgebaut werden. Die Pläne wurden dann aber auf Einspruch der um ihr Land bangenden Panger Bauern und des Rosenheimer Stimmkreisabgeordneten Dr. Alois Hundhammer einer Schrumpfung unterzogen. Sie ist nur Ortsfremden zum Verhängnis geworden. Diese wähnten sich nämlich noch mitten auf der Autobahn, als plötzlich ohne Vorwarnung die langgezogene Kurve vorihnen auftauchte. Seit fast einem Jahr hat nun die Polizei von dieser Stelle aus kein Notruf mehr erreicht. Ursache des totalen Unfallrückgangs sei die Geschwindigkeitsbeschränkung, die seit August 1967 50 Meter vor der unfallträchtigen Stelle angeordnet worden ist. Außerdem weist jetzt ein Hinweisschild auf diese Kurve hin.“

Das Ausweichquartier Fröschl-Haus am Ludwigsplatz steht für die Stadtbücherei noch zur Diskussion. Allerdings hoffen alle, denen die Bibliothek am Herzen liegt, auf eine wundersame Geldvermehrung während der nächsten Haushaltsberatungen. Dann könnte der Neubau am Salzstadel als nächstes Quartier ins Auge gefaßt werden.

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„ ,Die Schulen und Jugendgruppen werden sich um einen Aufenthalt im Schauerhaus reißen‘, davon sind Herbert Borrmann und Roland Feindor vom Schullandheimverein überzeugt. Tatsächlich zeigte sich bei der Hebfeier, daß dort am Berghang in Oberaudorf eine attraktive Einrichtung für Unterricht und Freizeit in landschaftlich reizvoller Umgebung entsteht.“

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„Nach langen, komplizierten und detailreichen Verhandlungen ging gestern der Verkauf des Saaltraktes des Hofbräu-Komplexes für zwei Millionen Mark an die Stadt über die Bühne. ,Ich möchte, daß der Saal wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Er soll wieder ein Anziehungspunkt der Stadt werden‘, verdeutlichte Vertragspartnerin Antonia Eutermoser ihre Motivation.“ re

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