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OVB-SERIE „KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM“

Innige Szene von Mutterliebe: „Madonna mit dem Kinde“ an der Rosenheimer Prinzregentenstraße

Der Rosenheimer Maler Michael Licklederer malte 1927 die „Madonna mit dem Kinde“ auf das neu erbaute Gebäude an der Prinzregentenstraße 11.
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Der Rosenheimer Maler Michael Licklederer malte 1927 die „Madonna mit dem Kinde“ auf das neu erbaute Gebäude an der Prinzregentenstraße 11.

Eine innige Szene von Mutterliebe zeigt das Werk „Madonna mit dem Kinde“, das Künstler Michael Licklederer im Jahr 1927 auf die Fassade des Neubaus eines Mehrfamilienhauses an der Rosenheimer Prinzregentenstraße gemalt hatte.

Von Evelyn Frick

Rosenheim – Maria hält ihren Sohn schützend in den Armen, die beiden schmiegen ihre Wangen aneinander und blicken auf den Betrachter. Die Mutter hat den Mund zum Kuss gespitzt. Ein Wolkenband bildet den unteren Abschluss der Halbfigur. Diese innige Szene von Mutterliebe malte Michael Licklederer 1927 auf die sachlich gegliederte Fassade des Neubaus eines Mehrfamilienhauses in der Prinzregentenstraße 11. Die freie Fläche über dem figurengeschmückten Eingangsportal bot sich dafür an.

Beliebtes Thema aus dem Barock

Der Rosenheimer Maler greift hier das Thema der „Hausmadonna“ auf, die im Barock sehr beliebt wurde, als Kurfürst Maximilian I. Bayern unter den Schutz der Muttergottes stellte und in München an seiner Residenz (1616) und auf dem Marienplatz (1638) die bekannten und oft fotografierten Bronzefiguren der „Patrona Bavariae“ aufstellen ließ.

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Michael Licklederer wählte nun nicht Maria als Himmelskönigin oder Apokalyptisches Weib, sondern Maria als liebende Mutter mit dem Jesuskind. Dieser Madonnentypus wurde in der Renaissance von bedeutenden Künstlern wie Tizian oder Raffael entwickelt, und fand dann ebenfalls im Barock vielfache Verbreitung. Maria und der Jesusknabe erscheinen hier wie in einer privaten, familiären Szene festgehalten.

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Der Maler, der an der Münchner Akademie bei den beiden Piloty-Schülern Gabriel von Hackl und Otto Seitz studiert hatte, konnte über Jahrzehnte Erfahrungen in der Gestaltung von Fassaden sammeln. Sein Wohn- und Atelierhaus „Villa Künstlerheim“ in der Austraße in Rosenheim, das er sich nach seinen genauen Vorstellungen von dem Aiblinger Baumeister Johann Meishammer hatte errichten lassen, und in dem die Familie Licklederer ab 1902 wohnte, verzierte er ebenfalls mit Malereien.

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Wie unterschiedlich mit alten Gebäuden und künstlerischen Wandmalereien umgegangen wird, lässt sich am Beispiel Licklederer aufzeigen, der ebenfalls in der Prinzregentenstraße, auf Nummer 24, die 1898 erbaute „Villa Wittelsbach“ mit einem Gemälde über dem Eingang bereichert hatte. Diese Villa wurde 1981 abgerissen; im gleichen Jahr erhielt das Wohngebäude in der Prinzregentenstraße 11 mit Licklederers Hausmadonna den Fassadenpreis der Stadt Rosenheim für die beispielhafte Renovierung.

Kleiner Ausflug nach Pfaffenhofen

Wer einen weiteren Eindruck von Licklederers Können in der Wandmalerei erhalten möchte, dem sei ein kleiner Ausflug nach Pfaffenhofen am Inn empfohlen. 1905 bemalte hier der Künstler den neu aufgesetzten Giebel des Pfarrhofes neben der Pfarrkirche St. Laurentius mit der ansprechend geschilderten Szene „Der hl. Laurentius und der hl. Nikolaus empfehlen Pfaffenhofen dem Schutz der Gottesmutter und dem Jesuskind“. Keine geringe Ehre für einen Maler, der gut 40 Jahre zuvor als uneheliches Kind der Lehrerstochter Therese Licklederer im Ort geboren worden war.

Michael Lickleder

Der Künstler im Porträt

Michael Licklederer, 1863 in Pfaffenhofen am Inn geboren, bereitete sich in München mit der Zeichnungsfortbildungsschule (1884 bis 1885) und der Kunstgewerbeschule (1886 bis 1889) auf die Akademie der Bildenden Künste München vor, wo er von 1890 bis 1892 Malerei studierte. Nach der Heirat 1892 mit Mathilde Denk (1865 bis 1945) lebte die Familie Licklederer, die sieben Kinder hatte, zuerst in Pfaffenhofen am Inn und ab 1900 in Rosenheim. Hier starb Michael Licklederer 1948.

Bis Anfang der 1930er Jahre feierte der Künstler große Erfolge als Maler von Landschaften, Stillleben und Porträts, vor allem von Rosenheimer Honoratioren. Altarbilder (St. Anna in Altötting), Wandgemälde und Kopien für das Städtische Museum Rosenheim rundeten sein Werk ab. Seit Michael Licklederer 1901 den Simssee als Motiv entdeckt hatte, malte er ihn über Jahrzehnte und wurde zum „Simssee-Maler“ schlechthin. Der Maler pflegte einen eingängigen naturalistischen Stil, der Anklang in seinen Ausstellungen in Rosenheim, München, Hamburg und Berlin fand.

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