In Rosenheim Oberwöhr soll neu gebaut werden – die Bürger sind mehr als skeptisch

Ist gegen die Bebauung: Heinrich Hofmann hat mit einem Plakat an der Infoveranstaltung teilgenommen.
  • Anna Heise
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Das geplante Wohngebiet im Stadtteil Oberwöhr sorgt bei den Bewohnern weiterhin für Unmut. Bei einer Infoveranstaltung versuchte die Stadt jetzt auf die Sorgen der Bürger einzugehen und offene Fragen zu beantworten. Doch die Ängste bleiben.

Rosenheim – Fehlende Kindergärten, überlastete Straßen und die Sorge, was mit den bestehenden Häusern passiert, wenn die Wiese, die jahrelang als Überflutungsfläche galt, plötzlich bebaut wird: Bei der Infoveranstaltung zum Bauleitverfahren „Krainstraße Nordwest“ im Kultur- und Kongresszentrum ging es heiß her. Rund 200 Oberwöhrer kamen mit Plakaten und Bannern, verteilten Infozettel, mit der Bitte, sich der erst kürzlich gegründeten Bürgerinitiative „Rettet Oberwöhr“ anzuschließen.

Vier Wohnareale sind vorgesehen

Aufgrund der Hygienevorschriften waren nur 100 Bürger im Saal zugelassen. Der Rest versammelte sich draußen, versuchte, durch die Fenster dem Geschehen zu folgen. Markus Weinkopf moderierte die Veranstaltung. Baudezernent Helmut Cybulska, der Leiter des Stadtplanungsamtes, Robin Nolasco, und Christoph Wiedemann vom Wasserwirtschaftsamt informierten über die Pläne und stellten sich den Fragen der Teilnehmer.

Stadt konnte 35 Prozent der Fläche erwerben

Zu Beginn der Veranstaltung gab Cybulska einen Einblick in das, was in den vergangenen Monaten geschehen sei. So konnte die Stadt 35 Prozent der Fläche erwerben. Sie will die Stadt nach dem „Rosenheimer Modell“ als geförderten Wohnraum realisieren. Nach den Plänen des Rosenheimer Büros „Hamberger Kreupl Architekten“ sind insgesamt vier Wohnareale vorgesehen mit zwei Mal drei Häusern und zwei Mal fünf Häusern. Die Bebauung soll drei- beziehungsweise viergeschossig werden, wobei das vierte Geschoss meist als Staffelgeschoss zurückgesetzt ist. Die Baudichte entwickele sich laut Cybulska aus den angrenzenden Siedlungsgebieten und wird „als städtebaulich verträglich erachtet“.

Wiese soll aufgeschüttet werden

Die Wiese, auf der das Wohngebiet entstehen soll, soll aufgeschüttet werden. Schwellen und Dammbalkensysteme sollen die Tiefgaragen vor Sturzfluten schützen. Und in allen Untergeschossen müssen wasserdichte Außenbauteile und Kellerfenster eingebaut werden.

Verunsicherung bei den Anwohnern

Es sind Planungen, die bei den Anwohnern für eine große Verunsicherung sorgen. „Warum werden die Wiesen aufgeschüttet und die Tiefgaragen gesichert, wenn keine Hochwassergefahr besteht?“, fragte Wilfried Heuschneider, der Gründer der Bürgerinitiative.

Steigung des Grundwassers durch dichte Besiedlung?

Eine Anwohnerin des Fuchsbichlweges schloss sich den Sorgen an, sagte, ihr Haus sei sehr alt und niedrig gebaut. Sie verstehe nicht, dass so viel für die Neubauten getan werde, die bestehende Bebauung aber in Vergessenheit zu geraten scheine. Sie befürchte, dass sich die Neubauten nachteilig auf ihr Haus auswirken könnte. So gelte ihre Sorge nicht der Mangfall, aber vielmehr der Tatsache, dass durch die dichte Besiedlung das Grundwasser steigen könnte. „Ein Gutachter muss sich mit diesem Thema auseinandersetzen“, sagte Cybulska. Nur wenn das Gutachten ergebe, dass es keine negativen Auswirkungen gibt, könne gebaut werden.

Oberwöhr nicht mehr im Überschwemmungsgebiet

Wiedemann ergänzte, dass Oberwöhr nicht mehr im Überschwemmungsgebiet der Mangfall liegt. Trotzdem sei es sinnvoll, bei Neubauten, die in einem Risikogebiet liegen, eine Hochwasserschutzvorsorge zu betreiben. Das Etikett „Risikogebiet“ trifft aber, wie berichtet, nicht nur auf das geplante Baufeld zu, sondern auf „alle Flächen hinter Deichen im Mangfalltal“.

Fehlt ein Kindergarten in den Planungen?

Nach fast anderthalb Stunden zum Thema Hochwasserschutz wechselte Moderator Weinkopf zu den Kategorien Bebauung und Verkehr. Cybulska sagte, die Stadt spiele auch mit der Idee, die Kirchenwiese zu bebauen. Vorstellbar seien dort weitere 100 Wohnungen. Die Bewohner kritisieren das, bemängelten außerdem, dass in die Planungen kein Kindergarten aufgenommen wurde. So sei der Kindergarten in der Krainstraße schon jetzt überlastet. Auch der Container, der dort in wenigen Tagen aufgestellt werden soll, würde nur eine kurzfristige Abhilfe schaffen.

Krainstraße hält mehr Verkehr aus

Der zusätzliche Verkehr bereitete den Teilnehmern ebenfalls Sorgen. Nolasco sagte, die Planungen für die Erschließung des Wohngebietes würden eine Stichstraße vorsehen. Entlang dieser sollen auch zusätzliche Parkplätze angeordnet werden. Ein Verkehrsgutachten habe außerdem ergeben, dass die Krainstraße den zusätzlichen Verkehr aushalte. Am Ende der Veranstaltung versprach Cybulska, die Fragen und Anregungen mitzunehmen und sich mit den jeweiligen Fachbehörden abzustimmen. Was die Anwohner nur wenig beruhigte.

Für Fragen steht das Stadtplanungsamt unter bauleitplanung@rosenheim.de zur Verfügung.

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