Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Dr. Peter Barbenik ließ sich in den USA ausbilden

OP gegen Rückenleiden: Warum ein Arzt vom Romed-Klinikum auf eine neue Methode setzt


Volkskrankheit Rückenschmerzen: Dr. Peter Barbenik vom Romed-Klinikum in Rosenheim beherrscht eine neuartige Methode.
+
Volkskrankheit Rückenschmerzen: Dr. Peter Barbenik geht am Romed-Klinikum in Rosenheim mit einer neuen Methode an den eingeklemmten Nerv heran.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
    schließen

Um bestimmte Rückenleiden zu behandeln, wird am Romed-Klinikum Rosenheim eine in Deutschland noch sehr seltene Operationsmethode angewandt. Dr. Peter Barbenik ließ sich in den USA speziell für diesen Eingriff ausbilden.

Rosenheim - Elfriede Kelm hat bereits Erfahrungen mit der Therapie gesammelt. Und zwar gute. Ihre Leidensgeschichte hatte sich bereits über Monate hingezogen. Im Sommer 2021 hatte die Rosenheimerin schließlich mit starken Schmerzen im linken Bein zu kämpfen, es war kaum auszuhalten.

Die Diagnose: Verengung der Nervenaustrittskanäle an der Wirbelsäule. Außerdem Bandscheibenvorfälle im unteren Lendenwirbelbereich. Die Folge: Die sonst so aktive 70-Jährige konnte sich kaum mehr bewegen. „Ich wusste nicht, wie ich mich vom Sofa ins Bett bewegen soll und vom Bett in das Bad.“

Bald brauchte sie als Unterstützung im Haushalt eine Putzhilfe. Pro Tag nahm sie mindestens sechs Schmerztabletten.

Spritzen? Dr. Peter Barbenik hat eine andere Idee

Kelm hatte die Wahl: Spritzen gegen die Schmerzen oder eine Wirbelsäulenversteifung. Andere Möglichkeiten gibt es oft nicht. Am Romed-Klinikum aber wusste jemand eine Alternative: Dr. Peter Barbenik. Er ist einer von wenigen in Deutschland, die eine Operationsmethode aus den USA beherrschen.

Beschwerden wie die von Elfriede Kelm kann man damit besonders gut behandeln. Bei der Rosenheimerin war ein Nerv aus der Wirbelsäule zwischen verhärtetem Gewebe eingeklemmt. Dass sie die Schmerzen in Bein und Knie spürte, liegt daran, dass dieser Nerv in das linke Bein hinunter verläuft.

WEB_Dekompression.jpg

Wie den Nerv befreien? Operation heißt in vielen Fällen die Antwort. In diesem Falle hätte ein Stück des Wirbelsäulengelenks entfernt werden müssen, um überhaupt an die betroffene Stelle zu gelangen. Dies hätte allerdings eine versteifte Wirbelsäule zur Folge gehabt.

Spezielle Operation am Romed-Klinikum Rosenheim

Peter Barbenik schlug den entgegengesetzten Weg vor. Buchstäblich. Der ärztliche Leiter des Bereichs Neurochirurgie am Romed-Klinikum in Rosenheim wollte von der gegenüberliegenden Seite des Körpers aus an die Sache herangehen. „Dadurch muss der Knochen nicht beschädigt werden“, erklärt Barbenik, „weil er gar nicht erst im Weg ist.“ In Deutschland wird diese Technik bisher noch nicht sehr oft angewendet. Es handelt sich um ein innovatives operatives Verfahren. Genau genommen ist es eine Weiterentwicklung bereits bekannter minimalinvasiver Techniken.

Nach einem Aufklärungsgespräch entschied sich Elfriede Kelm bewusst für diese Operation. „Angst habe ich keine gehabt“, sagt sie. Die Operation verlief erfolgreich. Die Stelle, an der sich das Gewebe verhärtet und wie eine Klemme um den Nerv herumgeschoben hatte, „die haben wir ausgefräst“, sagt Barbenik.

Er griff äußerst zurückhaltend ein. „Dadurch bleibt die Stabilität der Wirbelsäule vollständig erhalten und das Muskeltrauma sehr gering.“ Die Muskeln leiden deswegen kaum, weil sie aus vielen einzelnen Fasern bestehen, zwischen denen man gut einen Zwischenraum auftun kann, wie Barbenik erklärt. „Das hat uns den Zugang zu der Stelle an der Wirbelsäule verschafft.“

Eine erfreuliche Bilanz

Dauer: eineinhalb Stunden. Blutverlust: zehn bis 20 Milliliter. Länge des Schnitts: eineinhalb Zentimeter. Ein kleiner Schnitt für den operierenden Mediziner und seine Patientin, ein großer Schritt für Elfriede Kelm. „Als ich aufgewacht bin, habe ich sofort gemerkt, dass die Schmerzen weg sind. Ich habe erst meine Zehen bewegt und bin dann direkt aufgestanden. Ich fühlte mich wie neu geboren. Bereits zwei Tage später habe ich die Klinik wieder verlassen.“

Romed hat in das Spektrum viel Geld investiert

Das Rosenheimer Klinikum hat in eine Erweiterung des Wirbelsäulenspektrums und auch in diese neue, schonende Methode investiert. Seit 2021 ist die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie unter Leitung von Prof. Dr. Christian Zeckey seitens der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft zertifiziert. Allein im vergangenen Jahr führte das Team um die 250 operative Eingriffe in den verschiedensten Bereichen der Wirbelsäulenerkrankungen durch. Vor allem degenerative Erscheinungen, Verletzungen aller Schweregrade und Tumore behandelten sie.

Der Experte ist in den USA ausgebildet

Insgesamt wirken bei einer solchen Behandlung freilich Fachärzte verschiedener Disziplinen zusammen. Wichtig ist aber auch die spezielle Ausrüstung: Durch ein extra angeschafftes Mikroskop verschaffen sich die Operateure die Einblicke, die es ihnen ermöglichen, wie bei Elfriede Kelm durch einen winzigen Kanal im Knochen an das Gewebe um die Nerven herum heranzukommen. Peter Barbenik selbst ließ sich in den USA speziell für diesen Eingriff ausbilden.

Ein lohnender Aufwand für Elfriede Kelm. Sie kann wieder wandern, geht wieder in die Berge, ist nach ihren eigenen Worten schmerzfrei. „Ich warte dauernd, dass noch irgendwelche Folgebeschwerden von der Operation auftreten oder die Schmerzen wiederkommen“, sagt sie. „Doch bis jetzt sieht es nicht danach aus.“

Kommentare