Immer mehr Radunfälle in Rosenheim: Polizei kontrolliert und empfiehlt Helme

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Fahren auf dem Gehweg und Rotlichtverstöße: Nicht immer verhalten sich Radler vorschriftsmäßig. Auch deshalb hat es in den vergangenen vier Monaten 79 Verkehrsunfälle im Stadtgebiet gegeben, bei denen Radfahrer beteiligt waren.Deshalb hat die Rosenheimer Polizei jetzt kontrolliert und genau hingeschaut.

Rosenheim – Mit verschränkten Armen steht Polizeihauptkommissar Robert Maurer auf dem Fahrradweg an der Ecke Gilitzerstraße/Prinzregentenstraße. Er beobachtet die Radler, die an ihm vorbeiziehen. Einige tragen einen Helm, die meisten sind ohne unterwegs. Verständnis hat Maurer dafür eigentlich keines.

Unfälle haben in vergangenen Monaten zugenommen

„Beim Skifahren trägt auch jeder einen Helm“, sagt er. Aber er weiß natürlich auch, dass es in Deutschland keine Fahrradhelmpflicht gibt. Trotzdem will er gemeinsam mit seinen Kollegen die „Radfahrer mehr dafür sensibilisieren, einen Helm zu tragen“. Auch weil es in den vergangenen Monaten „eine Häufung an Unfällen gegeben hat, bei denen sich die Leute im Kopfbereich verletzt haben“, sagt Maurer.

80 verletzte Personen bei 73 Verkehrsunfällen

Ein Blick auf die Statistik bestätigt diese Aussage. So haben sich laut Polizeihauptkommissar Patrick de Raef in den vergangenen vier Monaten 79 Verkehrsunfälle ereignet. Bei 73 davon wurden insgesamt 80 Personen verletzt, eine davon tödlich. Nur 18 der Unfallopfer trugen einen Helm.

Die meisten seien zwischen 51 und 60 Jahre alt, einige sind jünger, andere älter. Der Hauptversucher aber war laut Statistik der Polizei mit 63 Prozent, der Radfahrer selbst. Es sind Zahlen, die aufhorchen lassen – und Anlass für die Beamten der Polizeiinspektion Rosenheim, an mehreren Punkten im Stadtgebiet zu kontrollieren.

30 Polizisten haben an Aktion teilgenommen

Rund 30 Polizisten nahmen an der Aktion teil. Sie überprüften Räder, verwarnten und belehrten.

Mit Helm, aber auf dem Gehweg unterwegs: Zwei Beamte der Rosenheimer Polizeiinspektion belehren eine Frau in der Prinzregentenstraße.

„Einen klassischen Unfallbrennpunkt gibt es nicht. Die Unfälle verteilen sich auf das komplette Stadtgebiet“, sagt Polizeihauptkommissar de Raef. Auffällig seien jedoch vor allem die Pendlerstrecken. Kontrolliert wurde deshalb in der Rathausstraße, der Brianconstraße und in der Prinzregentenstraße.

Ruhige Kontrolle in der Prinzregentenstraße

Relativ ruhig verlief die Kontrolle in der Prinzregentenstraße. Eine junge Frau wurde von den Beamten zur Rede gestellt, weil sie nicht nur auf dem Gehweg fuhr, sondern auch noch große, schwarze Kopfhörer trug. Sie zeigte sich einsichtig, versprach, die Kopfhörer beim nächsten Mal zu Hause zu lassen.

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Ähnlich reagierten die anderen Radler, die die Polizisten anhielten. Bei einigen fehlte das Licht, andere fuhren auf der falschen Straßenseite, teilweise auch auf dem Gehweg.

Maurer und seine Kollegen nutzten die Möglichkeit, um daran zu erinnern, wie hilfreich das Tragen eines Helmes im Ernstfall sein könnte. Oft könne so beispielsweise eine schlimme Kopfverletzung verhindert werden.

ADFC ist gegen eine Helmpflicht

Dass sich trotzdem viele Menschen weigern, einen Helm zu tragen, könnte laut dem Vorsitzenden des Rosenheimer Kreisverbandes des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Mario Stürzl, mehrere Ursachen haben. Eitelkeit sei ein Grund, aber auch Bequemlichkeit und Gewohnheit. Viele seien ohne das Tragen eines Helmes aufgewachsen, sehen die Notwendigkeit nicht, da sie „bis jetzt gut durchgekommen sind“.

Ohne Helm und Licht: Die beiden Polizisten erklären dem jungen Mann, warum das Tragen eines Kopfschutzes sinnvoll wäre.

Grundsätzlich aber ist der ADFC gegen die Einführung einer Helmpflicht, sagt Stürzl. „Sie stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die Persönlichkeitsrechte dar und führt zu einem Rückgang der Radnutzung“, heißt es in einer allgemeinen Stellungnahme.

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Zwar könne ein Helm den Grad einer Verletzung verringern, Unfälle aber nicht verhindern. „Radfahren soll keine Tapferkeit voraussetzen und nicht mit Gefahr assoziiert werden“, heißt es weiter. Vielmehr sollten Radfahrer „selbstbewusst und vorausschauend“ unterwegs sein. Helmträger und Radfahrer ohne Helm dürften rechtlich und gesellschaftlich „keinesfalls diskriminiert werden“.

Zahl der Verkehrsunfälle soll zurückgehen

Das sei laut Robert Maurer auch gar nicht Sinn der Kontrolle gewesen. Vielmehr habe man die Radfahrer sensibilisieren wollen. „Wir wollen, dass die Leute auf sich selber aufpassen“, sagt er. Damit die Zahl der Verkehrsunfälle, an denen Radfahrer beteiligt sind, in den kommenden Monaten nicht noch weiter zunimmt.

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