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Sommerinterview mit Andreas März

„Ich freue mich narrisch“: Rosenheims OB darüber, wie das Herbstfest durch die Krisen helfen soll

Freut sich auf die kommenden 16 Tage: Oberbürgermeister Andreas März hofft, dass die Leute durch das Herbstfest wieder zusammenkommen.
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Freut sich auf die kommenden 16 Tage: Oberbürgermeister Andreas März hofft, dass die Leute durch das Herbstfest wieder zusammenkommen.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Pandemie, Energiekrise und der Ukraine-Krieg: Auch Rosenheim ist von den Krisen der vergangenen Monate nicht verschont geblieben. Davon das Herbstfest vermiesen lassen, wollen sich weder die Rosenheimer noch Oberbürgermeister Andreas März (CSU). Ein Interview mit dem Rathauschef über die Wiesn und warum Angst ein schlechter Ratgeber ist.

Heute beginnt das Herbstfest. Wie groß ist die Vorfreude?

Andreas März: „Ich freue mich narrisch, dass das Herbstfest wieder stattfindet. Einfach weil das zu Rosenheim dazu gehört. Es ist grundsätzlich notwendig, dass die Leute wieder zusammenkommen, und im doppelten Sinn des Wortes zusammenrücken. Ich freue mich, dass man die Gräben, die die Krisen hinterlassen haben, vielleicht wieder ein bisschen füllen kann. Ganz wird das nicht gehen. Corona ist nicht verschwunden und der Krieg und die Energiekrise auch nicht. Aber das buchstäbliche Zusammenrücken, darauf freue ich mich.“

Zusammenrücken war ja in der Pandemie etwas verpönt. Die Zahlen sind zwar stabil, aber ist da mit Blick auf das Herbstfest nicht die Sorge groß, dass die wieder steigen?

März: „Natürlich. Das Virus ist da, die Mutationen sind da. Die Impfstoffe sind nicht hundertprozentig auf die Varianten abgestimmt. Aber zum Glück gibt es wenig schwere Verläufe. Wir müssen davon ausgehen, dass die Zahlen nach dem Herbstfest steigen. Aber wenn die Verläufe so bleiben, mach ich mir keine Sorgen. Zumal wir gelernt haben, mit dem Virus zu leben.“

Braucht es für den Herbst eine erneute Maskenpflicht und Teilnehmerbegrenzungen auf Veranstaltungen?

März: „Das braucht es dann, wenn die Lage sich zu spitzt. Dann dürfen wieder weniger Menschen in geschlossenen Räumen sein. Stand heute weiß ich nicht, ob das nötig ist. Wenn die Infektionslage sich aber wieder verschärft wie im letzten Herbst, dann wird es das alles brauchen. Teilnehmerbegrenzungen und Maskenpflicht halte ich dabei für vertretbar. Einen erneuten Lockdown hingegen nicht.“

Glauben Sie, dass die Rosenheimer erneute Auflagen mittragen werden?

März: Ja. Die Einsicht wird da sein, wenn die Auflagen als plausibel und angemessen erkannt werden. Maskenpflicht in Schulen zum Beispiel würde wohl überwiegend akzeptiert werden. Einen Lockdown machen die Leute aber nicht mit.

Von einer Krise zur Nächsten: Die Grünen haben im Stadtrat eine Diskussion darüber angestoßen, wo die Stadt Energie sparen könnte. Gibt es da noch Potenzial?

März: „Es ist ein stetiger Prozess. Wir sanieren energetisch, und rüsten die städtischen Gebäude mit Fotovoltaik aus. Und in den letzten Jahren haben wir die Fernwärme ausgebaut. 35 Prozent des Wärmebedarfs in Rosenheim sind dadurch CO2-neutral. Da sind wir im Vergleich zu anderen Städten weit voraus. Auch mit den neuen Kraft-Wärme-Kopplungs-Einrichtungen, der Holzvergasung und dem Biogas sind wir gut aufgestellt. Und dann haben wir kleinere Sachen wie die Straßenbeleuchtung. Die Hälfte ist auf LED umgerüstet und wird nachts gedimmt. Das ist ein kleiner Beitrag, aber er hilft. Natürlich ist auch jeder Einzelne angehalten, das Licht oder die Heizung auszumachen, wenn er aus dem Raum geht.“

In anderen Städten gibt es kein Warmwasser für Verwaltungsgebäude. Keine Option für Rosenheim?

März: „Ich bin kein Fan von Symbolpolitik. Wir werden nicht von heute auf morgen alle Liegenschaften zu energetisch sanierten Passivhäusern umrüsten, aber Symbole helfen da auch nicht.“

Aber wäre es nicht ein Anfang?

März: „Klar, jeder Beitrag summiert sich. Wenn wir in unseren städtischen Liegenschaften die Raumtemperatur um zwei Grad absenken, spart das zehn Prozent Wärme. Das ist schon ein großer Beitrag. Wir müssen halt nochmal drüber nachdenken, wo wir uns einschränken können. Aber wir können unseren Betrieb nicht so schnell umstellen, dass er jetzt plötzlich 50 Prozent weniger Strom braucht. Der Laden muss ja auch laufen.“

Niemand weiß genau, wie hoch die Nebenkosten steigen werden. Das bereitet vielen Rosenheimern Sorgen. Kann die Stadt helfen?

März: „Die Möglichkeiten für uns sind da begrenzt. Ich will keine Hoffnung nähren, dass wir die Bürger bezuschussen können. Das ist kaum vorstellbar. Die Wahrheit ist: Wir werden uns alle kritisch fragen müssen, wo unsere Prioritäten sein werden. Wir müssen schauen, wofür in nächster Zeit unser Geld ausgeben werden. Das dann die ein oder andere Annehmlichkeit zurückstehen muss, wird die logische Konsequenz sein.“

Die Stadtwerke haben Möglichkeiten: Sie könnten Strom- und Gassperren aussetzen und auf Mahngebühren verzichten.

März: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass Kunden, die Schwierigkeiten haben, Abschlagszahlungen zu leisten, mit unseren Leuten von den Stadtwerken reden können. Ich werde mich dafür einsetzen, dass es Härtefall Regelungen geben wird.“

Auch der Ukraine-Krieg ist nach wie vor aktuell. Wie läuft die Integration der Geflüchteten aus der Ukraine?

März: „Bisher läuft es sehr gut. Wir profitieren enorm von den Erfahrungen von 2015. Ich verstehe, dass die Situation mit den Turnhallen schwierig ist. Aber man muss sich über eines im Klaren sein: Die Menschen, die zu uns kommen, kommen ja nicht einfach so, um zu sehen wo die Rosenheim-Cops sind. Die kommen aus einer absoluten Notlage. Der 24. Februar war für uns alle überraschend. Zwar gibt es leer stehende Gewerbehallen oder Ähnliches, aber ich brauche ja auch die ganze Infrastruktur – also Waschräume und Küchen. Da war die Belegung der Turnhallen in der Kürze der Zeit alternativlos.“

Neben den Unterbringungsmöglichkeiten im Hammerwirt und im Kastenauer Hof, sind auch sogenannte Mobile Homes geplant. Wie ist der Stand der Dinge?

März: „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die ersten Einheiten Ende des Jahres stehen. Im Frühjahr soll dann alles fertig sein.“

Insgesamt sind in Rosenheim rund 220 Kinder aus der Ukraine angekommen. Wie läuft die Integration hier?

März: „Die Grundschulkinder werden ganz normal beschult, ab der 5. Klasse gibt es passgenaue Angebote in Brückenklassen. Das läuft gut – auch in den Kitas. Zudem wollen wir auch weiterhin Sprachkurse anbieten.“

Kürzlich haben Sie gesagt, wir sollten nicht so viel in Krisenkategorien denken. Jetzt haben wir eine halbe Stunde über Krisen geredet.

März: „Wir müssen das alles auf dem Schirm haben. In sechs Wochen ist Herbst, das ist nicht weit weg, wir müssen uns Gedanken machen. Aber wir dürfen nicht rumlaufen und sagen im Oktober wird uns das Gas abgestellt. Wir sind doch in verantwortlicher Position dazu da, den Menschen die Angst zu nehmen und nicht die ganze Zeit zu sagen, im Oktober geht die Welt unter. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Natürlich beschäftigen die Inflation und der Gaspreis die Menschen. Und die Menschen sollten sich darüber Gedanken machen, wie sie ihre Ausgaben priorisieren.“

Wie erkläre ich das mit der Priorisierung einem Sozialhilfeempfänger?

März: „Sozialhilfe ist Sache des Bundes und der muss sich da etwas einfallen lassen, wie man da helfen kann. Da wird sich auch sicher was tun. Natürlich: Unsereiner tut sich mit dem Priorisieren leichter. Aber der Lebensstandard insgesamt ist so hoch, dass jeder, wenn er wirklich drüber nachdenkt, Möglichkeiten finden wird an der ein oder anderen Stelle was einzusparen. Wie bei der Energie, jede Kleinigkeit summiert sich.“

Warum ist ein Herbstfest gerade jetzt so wichtig?

März: „Gerade in solchen Zeiten ist das Herbstfest oder Sommer in Rosenheim, das Transit Art Festival oder das Spektakel wichtig. Da schöpfen wir Kraft und Zuversicht. Und ich möchte da den Rosenheimern vermitteln: „Wir leben auf der Sonnenseite des Lebens und das wird auch so bleiben“. Es ist nicht immer alles Drama. Drama ist, wenn Sie in Odessa sitzen und im Nachbargebäude die Rakete einschlägt. Da plädiere ich für etwas mehr Gelassenheit: In Ruhe darüber nachdenken wie man auf die ein oder andere Situation reagiert.“

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