Hotelzimmer im Gepäck

OVB
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Mobile Eigenheime: die Zulassungszahlen von Wohnwagen und Wohnmobilen seit 2009 in Rosenheim.

Rosenheim - Die einen gehen mit 15 Kilo Rucksack in den Urlaub, die anderen haben schon mal eine Tonne oder mehr dabei:

345 Männer und Frauen können in Rosenheim beispielsweise den Motor anwerfen und mit dem Wohnmobil in die Ferne schweifen. 400 weitere können das auch, müssen aber vorher den Wohnwagen ans Auto kuppeln.

Motor an und spontan dorthin fahren, wo es interessant ist - mit dem eigenen Hotelzimmer im Gepäck: Das ist die Idee, die Reisemobile interessant macht. In Zeiten von Billigfliegern und Last-Minute ist die Konkurrenz um die Reiselustigen aber härter als in den 1970er- und 1980er-Jahren, als sich der Wohnwagenmarkt rasant zu entwickeln begann. "Küche, Klo und Platz für sechs Personen" fasst eine Boulevardzeitung im Wohnwagentest die Eigenschaften der rollenden Ferienwohnungen zusammen. Das scheint immer noch ein Argument zu sein, wie die Verkaufszahlen zeigen. Und ohne ins Fachsimpeln zu kommen: Wo so viel Platz ist, ist natürlich auch ein Campingplatz das Ziel der Reise fürs Anhängezweitheim - damit Strom, Wasser, Gas kein Problem sind.

Frei wie der Wind durch die schönsten Länder reisen, einfach mal stehen bleiben ohne Zeitdruck, an den idyllischsten Plätzen übernachten, das ist dagegen die Theorie beim Motorheim: Wer öfter durch Europa fährt, kennt die Realität: In Griechenland, Kroatien, Portugal, Tschechien und Ungarn ist das Übernachten außerhalb von Campingplätzen grundsätzlich verboten. In Österreich, Italien und Spanien ist eine einmalige Übernachtung im Wohnmobil oder Wohnwagen am Straßenrand oder auf einem öffentlichen Parkplatz meist erlaubt und in Deutschland dürfen Reisemobilfahrer auf Rast- und Parkplätzen zur Übernachtung stehenbleiben, '"sofern sich daraus keine Camping-Aktivitäten entwickeln", wie es im Amtsdeutsch heißt. Klapptisch darf also nicht aufgeklappt und der Grill nicht angeworfen werden.

Die Zielgruppe für das Haus auf Rädern wird allerdings durch die finanziellen Anforderungen begrenzt: Unter 50 000 Euro gibt es die sogenannten "Teilintegrierten", höherwertige Reisemobile sind heutzutage eher etwas für Besserverdienende. Der Charme umgebauter VW-Busse als Zeltersatz wich den Hightech-Gefährten mit allem Komfort. Und wenn so ein Auto nach "unter 100 000 Euro" und "über 100 000 Euro" klassifiziert wird, dann lassen sich recht viele Billigflüge inklusive Hotelzimmern in die obengenannten Reiseländer bezahlen, zumal Maut und Campingplatzgebühren ja noch dazu kommen. Trotzdem hat die Zahl der Freiheitssuchenden im Wohnmobil bundesweit nach dem kräftigen Einbruch 2009 wieder zugenommen: Im Bund stieg die Zahl um rund 15 700 auf heute 340 800 Mobile, in Rosenheim stieg die Zahl der zugelassenen Wohnmobile zur gleichen Zeit von 342 auf 345. Seit 2011 sind aber bereits 17 Reisemobile weggefallen. Wohnwagen gibt es mehr: Bundesweit ist die Zahl in den letzten drei Jahren sogar noch weiter um rund 17 500 auf aktuell 571 000 Hänger gestiegen. In Rosenheim sank die Zahl der zugelassenen Wohnwagen entgegen dem Trend aber von 418 auf 400. Im direkten Vergleich der Jahre 2011 zu 2012 fielen weitere drei Wohnwagen weg.

Ist der aktuelle Bestand groß oder klein? Das kommt auf die Sichtweise an. Bezogen auf die in Rosenheim vorhandenen 31 309 Autos beträgt der Anteil der Wohnmobile 11 Promille. Dazu gibt es mit rund 22 pro 1000 die meisten Wohnmobile in Deutschland im Kreis Garmisch-Partenkirchen in Bayern. Die wenigsten fahren im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt mit zwei pro 1000 Pkw. Und es lässt sich ausrechnen, dass Rosenheim bei einer deutschen Wohnmobil-Liga auf Platz 62 von 401 liegt. Ob die anderen 989 Nicht-Wohnmobilbesitzer Hotels bevorzugen oder mangels Vermögen kein Haus am Haken oder mit Motor zu kaufen vermögen, vermag keiner zu sagen. zds

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