Homeschooling an Grundschulen - so läuft‘s

„Infrastruktur für digitalen Unterricht völlig unzureichend“- Rosenheimer Vater erhebt schwere Vorwürfe

Schule Corona
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Das Thema Homeschooling langt derzeit von Schülern, Eltern und Lehrkräften Einiges ab.
  • Jennifer Bretz
    vonJennifer Bretz
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Digitaler Unterricht oder stilles Hausaufgaben machen allein am Schreibtisch: Der Schulalltag ist derzeit einsamer als sonst. Und das Thema Homeschooling stellt Eltern, Schüler und Lehrer vor große Probleme. Vor allem an den Rosenheimer Grundschulen soll es nicht reibungslos ablaufen. Ein Vater erhebt schwere Vorwürfe.

Rosenheim - „Unsere Stadt schafft es nicht, dass sie die Infrastruktur für digitalen Unterricht ordentlich auf die Beine stellt“, ärgert sich ein Vater, der gleichzeitig auch Elternbeirat an einer Rosenheimer Grundschule ist. Es herrsche teilweise absolutes Chaos. Lehrer müssen bei Teammeetings heimfahren, weil in der Schule kein ausreichendes WLAN vorhanden sei und auch aus diesem Grund von zuhause aus den Distanzunterricht durchführen. Auch in den Klassenzimmern gebe es kein Internet, weder WLAn, noch einen Anschluss über Kabel an einer Netzwerkdose. Das betreffe nach Aussage des Vaters alle Grundschulen der Stadt. „Es ist erschreckend, dass in über einem halbes Jahr gar nichts passiert ist. In Rosenheim sind unsere Kinder Luft.“

Homeschooling an Rosenheimer Grundschulen - „Ausstattung im Wesentlichen vorhanden“

Die Stadt Rosenheim ist aktuell Sachaufwandsträger für 15 Schulen im Stadtgebiet, an denen rund 7.500 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden. „In diesen Schulen ist die Ausstattung für Distanzunterricht im Wesentlichen vorhanden. Die persönliche Ausstattung von Schülerinnen und Schülern mit Geräten für das Homeschooling ist nicht Aufgabe der Kommune. Eine Ausnahme gibt es: Für Schülerinnen und Schüler, die aus wirtschaftlichen Gründen nicht über die Möglichkeit verfügen, von zu Hause aus am Distanzunterricht teilzunehmen, hat die Stadt knapp 800 mobile Endgeräte beschafft“, heißt es von Seiten der Stadt. Hierzu weiter: „An den Schulen nutzen die Lehrkräfte die vorhandene IT-Ausstattung. Die Geräte, die zuhause eingesetzt werden, müssen sich Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler grundsätzlich selbst beschaffen.“ Und eben diese IT Ausstattung an den Schulen sei laut Vater unzureichend. „An unserer Schule gibt es beispielsweise einen einzigen Rechner im Lehrerzimmer, das war es.“

Fördermittel bereits bewilligt

Die Bayerische Staatsregierung stellt Für die Verbesserung der IT-Ausstattung in den Schulen Fördermittel bereit. Diese seien nach Aussage von Rosenheims Pressesprecher Christian Schwalm von der Stadt zeitgerecht beantragt und auch bewilligt worden. „Ein Abruf der Mittel ist allerdings erst nach Vorlage von sogenannten Verwendungsnachweisen, d.h. nach Abschluss des vollständigen Beschaffungsprozesses möglich. Da die einzelnen Förderprogramme unterschiedliche Inhalte und Fristen haben und das komplexe Vergaberecht bis hin zur EU-weiten Ausschreibung einzuhalten ist, wird dieser Gesamtvorgang noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Beschaffungen sind natürlich bereits erfolgt und die Geräte auch an die Schulen ausgeliefert“, so Schwalm.

Was den Vorwurf des unzureichenden WLAN anbelangt, so teilt die Stadt auf Nachfrage von rosenheim24.de mit: „Nicht zuletzt aufgrund erheblicher langjähriger Bedenken auf Seiten von Schulen und Elternvertretern existiert bisher noch kein flächendeckendes WLAN an den Schulen. Inzwischen wird der Ausbau allenthalben gefordert und von der Stadt auch forciert.“

So läuft es in der Prinzregentenschule

Schulleiterin Helga Wagner gibt im Gespräch mit rosenheim24.de einen Einblick in die Situation an der Rosenheimer Prinzregentenschule: „Das Rosenheimer Medienzentrum konnte nun einen weiteren Server für das Videokonferenzsystem BigBlueButton, das von vielen Schulen genutzt wird, bereitstellen. Durch die erhöhte Kapazität erhoffen wir uns zukünftig einen reibungsloseren Ablauf der Meetings mit den Kindern.. Am Anfang hat es Schwierigkeiten gegeben, da hat man aber nachjustiert.“ Man habe den Eltern im Vorhinein klar kommuniziert, wie der Distanzunterricht ablaufen werde. „Mit den Eltern haben wir abgesprochen, dass die Kinder mit Arbeitsmaterialien per Mail versorgt werden“, so Wagner. Zwei Mal pro Woche finde Distanzunterricht statt. Dieser könne aber mangels WLAN und geeigneter Endgeräte an der Schule aktuell nur von zuhause aus durchgeführt werden.

Die Prinzregentenschule in Rosenheim wird erweitert. 

Die Lehrer arbeiten von zuhause aus mit ihren privaten Geräten“, erzählt die Schulleiterin. „Hier an der Schule haben die Geräte beispielsweise keine Kamera und auch WLAN haben wir hier nicht. In Sachen Technik für Lehrkräfte hat sich auch noch nichts getan.“ Für die Kinder habe man laut Wagner bereits 114 Tabletts bestellt, diese seien aber noch nicht eingetroffen. „Was ganz schwierig ist, dass wir hier an der Prinzregentenschule 56 Kinder in der Notbetreuung haben. Und dadurch sind die Kapazitäten der Lehrer gebunden. Das bereitet uns ein bisschen Bauchweh.“ Für Kinder in der Notbetreuung gebe es laut Schulleiterin auch keine Computerarbeitsplätze.

Distanzunterricht mindestens noch bis Mitte Februar

Am Dienstag, 19. Januar, haben sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder beim nächsten Bund-Länder-Gipfel auf eine erneute Verlängerung und teilweise Verschärfung der Corona-Regeln in Deutschland verständigt. Auch die Schulen bleiben bis 14. Februar geschlossen. 

jb 

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