Auf Holz gesetzt: Rosenheimer Holzpreis findet in ehemaliger Postfiliale am Ludwigsplatz statt

Die Ausstellung in der ehemaligen Postfiliale am Ludwigsplatz: Im gesamten Raum verteilt stehen Gestelle aus Holz. In jedem stecken drei Tafeln, die die eingereichten Projekte der Architekten zeigen. Schlecker/Elisabeth Mehrl/privat

Eine Museumserweiterung in Garmisch-Partenkirchen, eine Bergkapelle in Kendlbruck und ein Loftbüro in Thalgau: In der Ausstellung des fünften Rosenheimer Holzpreises in der ehemaligen Postfiliale am Ludwigsplatz zeigt der Verein „RosenheimKreis“ 91 realisierte Gebäude aus Holz. Ein Ortsbesuch.

von Anna Heise

Rosenheim – In den Wänden klaffen riesige Löcher, von der Decke hängen Kabel und der Boden ist von einer leichten Staubschicht überzogen: Man merkt den Räumen am Ludwigsplatz 4 an, dass sie seit fast neun Monaten nicht mehr benutzt worden sind. Bis jetzt. Denn der Verein „RosenheimKreis“ hat die Fläche, wo einst die Postfiliale ihren Sitz hatte, gemietet. Bis zum Samstag, 8. August, findet dort die Ausstellung des fünften Rosenheimer Holzpreises statt.

Anstieg der Teilnehmerzahl

Wo noch vor weniger als einem Jahr Pakete verteilt wurden, stehen jetzt Gestelle aus Holz. In jedem stecken drei 60 x 90 Zentimeter große Tafeln. Sie zeigen die von den Bauherren und Architekten eingereichten Beiträge. Es gibt Fotos, Zeichnungen und Beschreibungen. Ganz oben rechts klebt die Platzierung. Die Ausstellung ist unterteilt in Wohnungsbau sowie öffentlicher beziehungsweise Gewerbebau. „Ursprünglich gab es nur eine Kategorie, aber wir haben festgestellt, dass es den Wohnungsbauten schwerer gelingt, eine Auszeichnung zu erzielen“, sagt Armin Stiegler.

Von 29 Teilnehmern auf 90 angestiegen

Stiegler ist seit 2007 dabei, hat die Ausstellung, die alle vier Jahre stattfindet, von Anfang an mitorganisiert. Über die Jahre hat sich die Zahl der eingereichten Arbeiten kontinuierlich gesteigert. So waren es am Anfang 29 Teilnehmer, mittlerweile sind es 90. Für Stiegler ein Beweis, dass der Holzbau an Attraktivität gewinnt. „Es hat eben nichts mit Holzhütte zu tun“, sagt er. So würden die Arbeiten immer einfallsreicher und kreativer. Gleichzeitig leiste der Baustoff Holz einen wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz.

Walter Stolz hat Beiträge eingereicht

Stolz schlendert Stiegler durch die Ausstellung, scheint genau zu wissen, wo welcher Architekt zu finden ist. Einer dieser Architekten ist Walter Stolz. Sein Architektenbüro wurde 1986 in Rosenheim gegründet. Über die Jahre hat er sich auf die Schwerpunkte Kommunalbau, Gewerbebau, Wohnungsbau und Innenarchitektur spezialisiert.

Zweiter Preis für „Atelierhaus Hofberg“

Sein jüngstes Projekt: das Atelierhaus Hofberg. Nach der Fertigstellung im Oktober 2019 reichte er Fotos, Skizzen und eine Beschreibung bei der Fachjury des Rosenheimer Holzpreises ein und belegte prompt den zweiten Preis in der Kategorie Wohnungsbau. Neben einer Urkunde und eine Plakette gab es für Stolz außerdem ein Wochenende in den Bergen. Laut Fachjury zeichnet dieser Preis ein Bauwerk aus, das sich „verwandelt und doch gleich bleibt“.

20 Kilometer von Rosenheim entfernt

Besagtes Bauwerk liegt circa 20 Kilometer von Rosenheim entfernt. Der Auftrag sei gewesen, das bestehende Wohnhaus durch einen Atelierbau zu erweitern. Lange hat sich Stolz überlegt, wie er mit dieser Aufgabe umgeht. „Ich wollte den Anbau an die landwirtschaftliche Umgebung anpassen“, sagt er. Neubau und bestehendes Wohnhaus sollten zu einer Einheit werden, ein „gemeinsames Ganzes“ bilden.

Bauwerk erinnert an einen Stadl

Entstanden ist ein Bauwerk, das an einen Stadl erinnert. Wohnhaus und Atelier sind über eine Brücke miteinander verbunden. Ein Glasdach sorgt für Licht auf der Brücke. Falt-Schiebetüren sollen vor der Witterung schützen. Im Erdgeschoss gibt es einen überdachten Bereich, der als Außenatelier genutzt werden kann. Das Atelier selbst nimmt das komplette Obergeschoss ein.

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Die Hauptbelichtung ist durch ein Dachfenster im Norden gesichert. Der Zugang ins Atelier erfolgt entweder vom Wohnhaus, oder über eine Außentreppe. Gearbeitet wurde mit Massivholz- und Fichtenplatten. „Es passt somit in den ländlichen Raum“, sagt Stolz.

Holzbau gewinnt an Attraktivität

Er freut sich über die Anerkennung, darüber, dass der Holzbau an Attraktivität gewonnen hat. „Man muss immer schauen, welches Material geeignet ist. So schön der Bau mit Holz auch ist. Immer passt es eben nicht“, sagt Stolz. In diesem Fall aber scheint es, gepasst zu haben.

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