Hilfe trotz Corona-Krise: Rosenheimer Tafel und Leibspeise teilen weiterhin Essen aus

Die ersten Lieferungen der Tafel werden vorbereitet: (von links) Horst Steppi, Peter Raab, Wolfgang Blatz, Elli Pracht und Heide Niggl von der Rosenheimer Tafel tragen Mundschutz und Handschuhe. re
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Die Mitarbeiter der Rosenheimer Tafel und der Rosenheimer „Leibspeise“ wollen trotz der Corona-Pandemie weitermachen – um Menschen zu helfen, die es schon vor der Krise nicht leicht gehabt haben. Doch dafür brauchen sie Unterstützung.

Rosenheim –  Peter Kaiser (78) ist ein Optimist. Das sagt er selbst. Statt sich von der Corona-Krise unterkriegen zu lassen, sieht er die Situation lieber als eine „Herausforderung“. Auch weil er „Menschen versorgt“ und deshalb „nicht einfach so aufhören kann“. Seit fast 20 Jahren leitet der 78-Jährige die Rosenheimer „Leibspeise“ und versorgt bedürftige Menschen mit Nahrungsmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs. Für ihn eine Herzensangelegenheit.

Selbst gebaute Theke an der Eingangstür

Doch in den vergangenen Wochen hat sich viel geändert. Corona hat auch Kaiser und seine Mitarbeiter fest im Griff. Freiwillige Helfer, die zur Corona-Risikogruppe gehören, hat er nach Hause geschickt. Acht Ehrenamtliche sind übrig geblieben. Darunter er selbst und seine Frau Kornelia.

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Bei der gemeinsamen Arbeit achten sie darauf, die Mindestabstände einzuhalten. Das Paar, aber auch alle Helfer tragen Handschuhe. Ähnelte die „Leibspeise“ vorher eher einem Laden, betritt derzeit kein Kunde mehr das Gebäude. Stattdessen steht Kornelia Kaiser an einer selbst gebauten Theke an der Eingangstür und verteilt Lebensmittel.

500 Portionen pro Woche verteilt

„Wir bieten fertig gepackte Kisten an, sodass die Menschen sich gar nicht erst in die Quere kommen und nicht lange anstehen müssen“, sagt Kaiser. Beim Packen der Kiste werde darauf geachtet, dass jeder Kunde genau das bekommt, was er braucht. Mal ist mehr drin, mal weniger. Je nach Bedarf.

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Rund 500 solcher Portionen verteilen die Mitarbeiter der „Leibspeise“ wöchentlich. In etwa so viel, wie vor der Corona-Krise. Nur hin und weder gebe es neue Gesichter, die sich eine Kiste mit Lebensmitteln abholen. Dass die Kisten auch weiterhin gut gefüllt werden können, bestätigt Peter Kaiser. „An Lebensmitteln fehlt es uns bis jetzt zum Glück nicht.“

Spenden von Ladenbesitzern

Die Lebensmittel bezieht er bei vielen Sponsoren in und um Rosenheim. Hinzu kommen derzeit Spenden von Ladenbesitzern, die ihre Geschäfte aufgrund der Corona-Krise schließen mussten. Über die vergangenen Tage habe sich so einiges angesammelt. Er erzählt von den 200 Kilogramm Fisch.

Oder den 4000 Stück Mozzarella, die ihm das Milchwerk in Haag spendiert hat. „Ich musste mir extra einen Kühltransporter ausleihen, um die riesigen Paletten abzuholen“, sagt er und lacht. Was er nicht direkt an die Bedürftigen verteilt, wird eingefroren. In einer der 20 Kühltruhen. „Die sind mittlerweile randvoll“, sagt Kaiser.

Keine Engpässe bei der Rosenheimer Tafel

Auch bei der Rosenheimer Tafel gebe es momentan keine Lebensmittel-Engpässe, sagt die Leiterin Elisabeth Bartl (67). Supermärkte würden weiterhin Obst, Gemüse und Milchprodukte liefern, die kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum sind. Da viele Hotels schließen mussten und noch Vorräte hatten, hat die Tafel zusätzlich auch Wurst und Käse gespendet bekommen. An Essen fehlt es also nicht.

Nur zwei Leute zur gleichen Zeit in Tafelgebäude

Trotzdem beobachtet Elisabeth Bartl, dass immer weniger Menschen die beiden Ausgabestellen der Tafel aufsuchen. Und das obwohl sämtliche Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden: Nicht mehr als zwei Leute dürfen zur gleichen Zeit hereinkommen, an allen Theken wurde eine Art Barriere aufgebaut, um den Mindestabstand zu sichern. Handschuhe und Mundschutz gehören zur Arbeitsausstattung und auch bei der Schlange vor der Ausgabestelle wird der Abstand von 1,5 Metern genau eingehalten.

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Trotzdem ist die Angst vor einer Ansteckung groß.

„Viele Menschen, die das Angebot nutzen, gehören zur Corona-Risikogruppe und haben Angst, dass Haus zu verlassen“, sagt Bartl.

Lieferdienst für Menschen aus Risikogruppen

Um auch diesen Menschen zu helfen, hat sich die Leiterin dazu entschlossen, einen Lieferdienst anzubieten. Zweimal in der Woche, dienstags und donnerstags. Die Lieferung der Lebensmittel übernehmen Jugendliche, Studenten und Menschen, die bis vor einigen Tagen in anderen sozialen Einrichtungen tätig waren. Jetzt aber Zeit haben, weil die meisten Veranstaltungen und Angebote aufgrund von Corona abgesagt wurden.

„Die Solidarität und Unterstützung ist enorm“, sagt Elisabeth Bartl. Eine Meinung, die auch Peter Kaiser teilt: „Leute, mit denen ich noch nie gesprochen habe, rufen bei mir an und fragen, wie sie mich unterstützen können.“ So hätten erst vergangene Woche 40 Jugendliche Konserven, Grundnahrungsmittel und Haltbares wie Nudeln und Mehl vorbeigebracht.

Einkäufe werden über Spenden finanziert

Dinge, die bei der „Leibspeise“ nach und nach zur Neige gehen. „Die muss ich in den nächsten Tagen einkaufen“, sagt Kaiser. Finanziert werden diese Einkäufe über die zahlreichen Spenden, die der Verein erst kürzlich bekommen hat. Auch bei der Tafel sei die hohe Nachfrage nach Pasta und Mehl spürbar. „Die Produkte landen wegen der langen Haltbarkeit aber selten bei uns“, sagt Elisabeth Bartl.

Zusperren sei keine Option gewesen

Selbst zu Hause zu bleiben, um sich vor einer Ansteckung zu schützen, ist für Elisabeth Bartl, Peter Kaiser und die zahlreichen Mitarbeiter keine Option. Und das obwohl die beiden Leiter aufgrund ihres Alters zur Corona-Risikogruppe gehören.

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„Zusperren kam für mich nie in Frage. Ich versuche, mir nicht so viele Gedanken zu machen und bleibe einfach zuversichtlich“, sagt Elisabeth Bartl.

Ähnlich sieht es Peter Kaiser. Er hat den gestrigen Vormittag genutzt, um Einkäufe zu erledigen und sechs Wörter an die Schaufenster seines Ladens zu kleben. „Wir sind weiter für Euch tätig“ steht da. Ein Versprechen, das Mut macht.

Mehr Informationen und Ansprechpartner

Tafel Rosenheim: Öffnungszeiten: Tannenbergstraße 4: Dienstag von 10 bis 12 Uhr. Westermayerstraße 1a: Donnerstag von 10 bis 12.30 Uhr. Lieferdienst telefonisch über Elisabeth Bartl unter Telefon 0160/5072665.

Rosenheimer Leibspeise:Öffnungszeiten: Leiblstraße 16: Montag von 11 bis 14 Uhr, Dienstag 11 bis 14 Uhr nur für Behinderte, Freitag von 11 bis 14 Uhr. Happing Heiligblut: Mittwoch von 10.30-13 Uhr

Vinzentiusverein: Lieferdienst telefonisch über Manfred Hellstern unter Telefon 08031/83567.

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