Hilfe per Kassenbon und Milchtüte: So setzt Rosenheim die bundesweite Initiative „Zuhause nicht sicher?“ um

Sollen bald in Treppenhäusern und Supermärkten hängen: Abrisszettel mit der Internetadresse der Initiative „Zuhause nicht sicher?“
  • Anna Heise
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Weil sich viele Opfer häuslicher Gewalt in ihren eigenen vier Wänden nicht sicher fühlen, hat das Bundesfamilienministerium – in Kooperation mit Supermärkten – die bundesweite Aktion „Zuhause nicht sicher?“ gestartet. Jetzt soll die Initiative auch nach Rosenheim kommen. Dafür sorgt ein „Runder Tisch“.

Rosenheim – Die Einzelhandelskette Rewe pinnt Hilfeangebote ans Schwarze Brett, Netto druckt Hinweise auf Kassenbons und Edeka platziert Informationen auf Milchtüten, Obst- und Gemüseverpackungen sowie Hygieneartikel. In 26 000 Märkten in ganz Deutschland sollen so Opfer häuslicher Gewalt, Familien, Freunde und Nachbarn darüber informiert werden, wo sie Hilfsangebote finden und was sie gegen Gewaltsituationen tun können. „Supermärkte gehören zu den wenigen öffentlichen Orten, die während der Corona-Krise regelmäßig aufgesucht werden können“, teilt Franziska Giffey in einer Pressemitteilung mit.

Acht Einzelhandelsketten nehmen teil

Aus diesem Grund habe sie sich im Rahmen ihrer Initiative „Zuhause nicht sicher?“ für eine enge Zusammenarbeit mit acht großen Einzelhandelsketten entschieden. „Es ist wichtig, dass wir die Betroffenen nicht alleine lassen“, sagt Bundesfamilienministerin Franziska Giffey. Denn gerade während der Corona-Krise spiele sich das „gesamte Leben zu Hause ab“.

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Sich in den eigenen vier Wänden nicht sicher zu fühlen, „sei ein unerträglicher Zustand“. Aus diesem Grund hofft die Bundesfamilienministerin jetzt auf Unterstützung – damit so viele Menschen wie möglich, von der Initiative erfahren.

Wollen die Initiative nach Rosenheim bringen:Vertreter des Runden Tisches häusliche Gewalt: (von links) die Leiterin des Frauenhauses Marita Koralewski, die Gleichstellungsbeauftragte Christine Mayer, die Beauftragte der Polizei für Kriminalitätsopfer Karin Wagner, Beate Jellesen vom Jugendamt, Christof Furtwängler von der Fachstelle der Diakonie für häusliche Gewalt, Susanne Lein von der Koordinierungsstelle frühe Kindheit, Jugendamt und Tanja Bourges vom Frauen- und Mädchennotruf. Geyer/Mayer

Runder Tisch „Häusliche Gewalt“ nimmt sich Thema an

In Rosenheim ist man diesem Aufruf bereits nachgegangen, wie die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Rosenheim, Christine Mayer, mitteilt. Man habe das Thema am Runden Tisch „Häusliche Gewalt“ besprochen, einem Arbeitskreis aus Vertreter von Polizei, Staatsanwaltschaft, Frauenhaus, Frauen- und Mädchennotruf sowie den Gleichstellungsbeauftragten aus Stadt- und Landkreis Rosenheim. „Alle waren von der Initiative begeistert“, sagt Christine Mayer. Jetzt gehe es an die Umsetzung.

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Einige Einzelhändler in der Stadt nehmen bereits an der Aktion teil. So drucken etwa die Netto-Märkte das Angebot schon auf die Kassenbons. Geht es nach Christine Mayer sollen weitere folgen. Und genau hier wollen die Vertreter des Runden Tisches ansetzen, wollen die einzelnen Marktleiter, die noch nicht mitmachen, ansprechen und sie bitten, an der Initiative teilzunehmen. „Häusliche und sexuelle Gewalt gegen Frauen, Männer und Kinder ist keine Privatsache. Es ist eine Straftat und sie muss verfolgt werden“, sagt Christine Mayer. Man müsse „das Tabu darüber zu sprechen, weiter brechen“.

Der neue Kassenbon:Netto-Märkte drucken das Angebot auf den Bon.

Bevölkerung muss sensibilisiert werden

Eine Meinung, die auch Brigitte Schmitz von der GRWS teilt. „Es ist wichtig, die Bevölkerung für dieses Thema zu sensibilisieren“, sagt sie. Es sei eben kein „Randphänomen“. Auch sie will helfen, plant, gemeinsam mit ihren Kollegen, Plakate der Initiative in den Rosenheimer Bürgerhäusern und den Schaukästen aufzuhängen. „Es ist wichtig, dass Betroffene wissen, an wen sie sich wenden können. Sie müssen überall über diese Infos stolpern“, sagt sie.

Auch Privatpersonen können sich beteiligen

Um das zu erreichen, sind auch Privatpersonen aufgefordert, die Infoblätter und Abrisszettel, auf denen dieInternetadresse stärker-als-gewalt.de in roten Druckbuchstaben steht, aus dem Internet runterzuladen. Diese können sie anschließend im Hausflur oder am Schwarzen Brett aufhängen, um Mitmenschen auf die Hilfe- und Beratungsangebote aufmerksam zu machen.

Auch Privatpersonen können helfen

Und davon gibt es eine Menge, wie ein Blick auf die Internetseite der Initiative verrät. Betroffene können sich in einem Online-Chat beraten lassen, Fragen per E-Mail schicken oder beim Hilfetelefon anrufen. Es gibt eine Übersicht über Beratungsangebote für Frauen, Männer, aber auch für Täter, die ihr „gewalttätiges Verhalten“ beenden wollen. Außerdem Tipps, wie man sich vor Gewalt in der Öffentlichkeit und am Arbeitsplatz schützen und wie man Betroffenen beistehen kann.

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Christine Mayer ist sich sicher, dass mit dem Angebot zahlreichen Betroffenen geholfen werden kann: „Opfer müssen Hilfe bekommen und sie niedrigschwellig in Anspruch nehmen können – gerade jetzt.“

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