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Hilfe aus Rosenheim für die Welt

Palmbuschen für indigene Bolivianer

15 Internate hat der Kreis auf die Beine gestellt.
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15 Internate hat der Kreis auf die Beine gestellt.
  • VonThomas Stöppler
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Seit nun fast 30 Jahren unterstützt der Bolivienkreis der Rosenheimer Heilig Blut Gemeinde indigene Bevölkerung in Südamerika. Zwar hat er in dieser Zeit einiges erreicht, aber viel ist noch zu tun und der Helferkreis benötigt dringend mehr Unterstützer.

Rosenheim – „Es ist ein sehr einfaches Leben“, erzählt Christof Langer. 2005 war der Pastoralreferent zuletzt mit Pater Packo, der sich um die indigene Bevölkerung in der Region kümmert, am Yura unterwegs. Der Fluss ist, so erklärt er, das Zentrum des Lebens. Denn Wasser ist knapp in den bolivianischen Hochanden. Die Provinzhauptstadt Potosí liegt 4200 Meter über dem Meeresspiegel, das ist über 1000 Meter höher als die Zugspitze.

Viel Auswahl beim Essen gibt es nicht

Das Klima ist rau, tagsüber heiß, nachts sehr kalt und grundsätzlich sehr trocken. Deswegen muss alle Landwirtschaft bewässert werden - Kartoffeln und Saubohnen, allzu viel Auswahl gibt es nicht. Die Menschen leben mehr oder weniger von der Hand in den Mund.

Aber inzwischen bauen sie etwas mehr an. Tomaten zum Beispiel, die sie auch verkaufen. Genau wie Wolle von Angorahasen und Lamas. Das hat ganz unmittelbar etwas mit der Arbeit des Helferkreises zu tun. Denn durch dessen gesammelte Spenden konnten Gewächshäuser und Wassertanks gebaut werden. Diese sind weniger für die Bewässerung, sondern eher als Trinkwasservorrat gedacht.

Auch durch die Spenden des Bolivienkreis gibt es jetzt eine größere Vielfalt.

Als der Helferkreis seine Arbeit aufnahm, gab es diese noch nicht – mit schrecklichen Folgen. In der Region wird unter anderem Quecksilber abgebaut, in die Gewässer flossen giftige Abfallstoffe, die nicht nur die Ernte versauten, sondern auch ihren Blutzoll forderten: Die Kindersterblichkeit war enorm hoch. Und so war Trinkwasser das erste große erfolgreiche Projekt des Helferkreises.

Dessen Entstehung ist eng mit Robert Langer verknüpft. Mitte der 80er Jahre hat er ein Jahr in Bolivien studiert, er wollte, erzählt er, direkt erfahren, wie man armen Menschen wirklich helfen kann und nicht nur den berüchtigten Tropfen auf den heißen Stein verschwendet. Als junger Pastoralreferent sprach er in einer Predigt über seine Erfahrungen in Südamerika. Die Gemeinde gründete unmittelbar den Helferkreis.

„Einige Gründungsmitglieder sind noch dabei“, sagt Rosmarie Martlbauer und lächelt, um dann mit einem Seufzer hinzuzufügen: „Aber mei, wir werden alle nicht jünger.“ Im Augenblick bereitet sie das Palmbuschen vor. Der Helferkreis bindet die traditionellen Palmbüsche und verkauft sie am Sonntag vor der Messe. Der Erlös geht natürlich direkt nach Bolivien. Acht Menschen helfen regelmäßig. Einige davon aber nur recht selten, wie ihr Suppenkoch: „Der kocht zweimal im Jahr für 30 Menschen Suppe, mehr Zeit hat er nicht, aber das macht er wunderbar“, erzählt Martlbauer. Jeder tut, was er kann, was auch immer das ist.

Der Verkauf von Palmbüschen und Osterkerzen hat Tradition wie hier 2021.

Trotz der dünnen Personaldecke ist der Helferkreis viel im Einsatz: Brotverkauf an Erntedank, einmal im Monat der Eine-Welt-Verkauf, Kuchenverkauf oder das Solidaritätsessen mit dem besagten Suppenkoch. Im Jahr kommt einiges an Geld zusammen. Der größte Teil allerdings kommt von den Sternsingern und geht an ein besonderes Projekt: Die Internate.

In den kleinen Dörfern entlang der Flüsse leben oft nur wenige Kinder und der bolivianische Staat stellt erst einen Lehrer, wenn zwanzig Kinder zusammenkommen. Der unterrichtet dann die Klassen eins bis fünf und wie in der Volksschule alle zusammen. Nach der fünften Klasse ist Schluss. Weiterführende Schulen gibt es quasi nicht. Aber selbst diese ersten Schuljahre sind die Ausnahme und nicht die Regel, denn in den Dörfern gibt es meist zu wenig Kinder.

Der Helferkreis hat es geschafft mit Hilfe lokaler Organisationen und Pfarrer Paco, Internate zu errichten. Die Kinder sind unter der Woche dort. Am Sonntag laufen sie teilweise über 15 Kilometer zu ihren Schulen, am Freitag geht es zurück. Die Kinder müssen nach der 5. Klasse nicht gehen, sie werden weiter unterrichtet.

2000 Euro pro Jahr und Internat

Martlbauer sagt es ganz offen: „Ich habe schon ein wenig Angst, dass es irgendwann nicht weitergeht.“ Der Betrieb der Internate kostet etwa 2000 Euro im Jahr. Wenn der Helferkreis weiter schwindet, droht auch das Geld auszubleiben. Zwar bleibe bei den vielen Aktionen oft gar nicht viel Geld hängen, aber, erklärt Martlbauer, „die Gemeinde sieht uns, die Menschen kennen uns und dann spenden sie vielleicht auch mal etwas.“

Die schwindenden Helferzahlen sind übrigens vor allem altersbedingt. Einige Mitglieder schaffen einfach nicht mehr so viel. Martlbauer erzählt von einer Dame, die zwar nicht mehr beim Verkauf mitmachen kann, aber jedes Jahr Osterkerzen gestaltet, die dann verkauft werden. „Wer einmal an der Angel hängt, der hört nicht mehr auf.“

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