„Hier liegt Spannung in der Luft“: Ausstellung zur Fastenzeit in St. Nikolaus in Rosenheim

Fastenausstellung in St. Nikolaus: Unter den aufmerksamen Blicken des Hausherrn, Pfarrer Andreas Maria Zach, hängt die Unterwössener Bildhauerin und Malerin Monika Stein ihre Kreuzweg-Bilder auf. Frick

Die Kunstausstellung zur Fastenzeit in der Rosenheimer Pfarrkirche St. Nikolaus zeigt Arbeiten der Künstlerin Monika Stein. Zu sehen sind ein Kreuzweg in Bildern sowie zwei Banner mit den Motiven „Versuchung“ und „Abendmahl“.

Rosenheim – Vermutlich noch in guter Erinnerung haben die Kirchenbesucher von St. Nikolaus die Betonskulpturen der Malerin und Bildhauerin Monika Stein, die vor zwei Jahren zur Fastenzeit im Kirchenschiff ausgestellt waren. Nun treten 14 stilisierte Kreuzwegbilder der in Unterwössen lebenden Künstlerin in den Dialog zum historistischen Kreuzweg aus dem 19. Jahrhundert, der zur festen Ausstattung der Rosenheimer Pfarrkirche gehört.

Expressive Figuren

Ihre expressiven Kreuzweg-Figuren waren der Auslöser für Monika Stein, die vielfältig in Beton, Gips und Bronze arbeitet, sich auch malerisch mit diesem Thema auseinanderzusetzen und sich dieser ganz anderen Aufgabe zu stellen. „Was in der Bildhauerei, im plastischen Arbeiten funktioniert, das muss bei einer malerischen Lösung ganz anders angegangen werden“, sagt die 65-jährige. die seit 2011 als freischaffende Künstlerin tätig ist und sich in Unterwössen in einer früheren Schreinerwerkstätte ein Atelier mit Ausstellungsraum geschaffen hat.

Lesen Sie auch: Der Mann der Orgel – Konrad Heimbeck organisiert zum 500. Mal die Orgelmusik in Rosenheim

So wählte sie ein fast quadratisches Format und konzentrierte das leidvolle Passionsgeschehen auf Christus und wenige Begleitfiguren. Auch die Farbwahl verdichtet die Bildaussage. Christus sticht als Hauptperson in Weiß hervor, das rote Kreuz verweist auf das Blut, das Grüngrau des Hintergrundes hält sich dezent zurück, die wenigen Frauen und Männer, die Christus auf seinem Leidensweg begleiten oder als Schergen misshandeln, sind in Schwarz, Braun und Blau akzentuiert.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Kräftige schwarze Linien umreißen die Motive und geben einen expressionistischen Touch. Acrylfarbe und Spachtel kamen bevorzugt zum Einsatz. „Sehr viel gelernt habe ich bei dem Münchner Maler Alfred Darda, der mir in seinen Kursen zeigte, wie spontan und unverkrampft man an ein Bild herangehen kann. Ich bereite nichts mit Skizzen und Zeichnungen vor. Ganz im Gegenteil. Meine Bilder entwickeln sich im Schaffensprozess, verändern sich, nehmen erst nach und nach Gestalt an, auch der Zufall spielt mit“, sagt Stein. Der gemalte Kreuzweg fiel weniger drastisch aus als der mit den Betonskulpturen. Er sei durchaus für Kinder geeignet, denen man so das Passionsgeschehen näher bringen könne, findet die Künstlerin.

Lesen Sie auch: Hüter eines kulturellen Schatzes – Herbert Borrmann baut Fotosammlung für Stadt Rosenheim auf

Naturgemäß zeigen die erste Station, die Gefangennahme, sowie die letzte Station, die Himmelfahrt, kein Kreuz. Auf den zwölf dazwischen liegenden Stationen ringt Christus mit dem Kreuz. Pfarrer Andreas Maria Zach findet gerade diese Auseinandersetzung ausdrucksstark und sagt: „Wir Menschen haben auch unser Kreuz zu tragen und es kann verschiedene Grade der Belastung haben. Einmal tragen wir es sehr leicht, spüren es fast gar nicht. Dann wieder glauben wir, dass wir es nicht mehr ertragen können, dass wir daran zerbrechen.“ Irgendwann sei das Kreuz so mächtig, dass es trägt. Den Kreuzweg von Monika Stein sieht Pfarrer Zach „als Ergänzung zum traditionellen Kreuzweg“ und findet „gerade den Vergleich reizvoll“.

Lesen Sie auch: Die Künstlerin Monika Stein im Porträt

Zwei große Banner mit den Motiven „Versuchung“ und „Abendmahl“ lässt Monika Stein, die sich erst als das jüngste ihrer vier Kinder das Haus verlassen hatte, der Kunst zuwenden konnte, von der Brüstung der Orgelempore ins Kirchenschiff hängen. Besonders die „Versuchung“ spricht Pfarrer Andreas Maria Zach an. „Da strecken sich zwei Hände zueinander, sie nähern sich an, ohne sich zu berühren, da passiert etwas. Hier liegt Spannung in der Luft.“ Im Raum stünden Fragen wie die, ob man der Versuchung nachgeben sollte. Einer Versuchung, die sehr vielfältig sein könne, aber immer verlockend sein müsse. Mute man sich etwas zu, das man nicht schultern könne? Ein Thema, das der Pfarrer von St. Nikolaus in einer seiner Predigten in der Fastenzeit aufgreifen möchte.

Angebot zur Versöhnung

In der Versuchung von Adam im Paradies sieht Zach „den Beginn der Entfremdung von Gott und Mensch“. Das Abendmahl sei „das Angebot Gottes zur Versöhnung des Menschen mit Gott“, sagt Pfarrer Zach. Beides ist im Kreuzweg der Künstlerin zu entdecken. Und beides sieht Zach ebenfalls als Thema für eine Predigt.. Im Gegensatz zu den streng aufgebauten Kreuzwegbildern lässt Monika Stein auf den beiden Bannern die Farben locker explodieren, setzt kräftige Akzente in Gelb, Rot, Blau und Grün, spricht die Sehfreude des Betrachters an.

Wer die Betonskulpturen des Kreuzweges noch einmal sehen möchte, der muss in der Fastenzeit nach Trier fahren. Hier werden die Schöpfungen von Monika Stein im Kreuzgang des Domes St. Peter präsentiert.

Kommentare