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Ein Leben nach Maß

Rosenheimer Tischtennis-Weltmeister und Maßschneider Heiner Koula feiert 90. Geburtstag

Ehrenurkunde der Handwerkskammer von Sohn Heinrich überreicht: Heiner Koula arbeitete in sechster Generation in der eigenen Schneiderei.
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Ehrenurkunde der Handwerkskammer von Sohn Heinrich überreicht: Heiner Koula arbeitete in sechster Generation in der eigenen Schneiderei.
  • Korbinian Sautter
    VonKorbinian Sautter
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Auf sein Augenmaß konnte er sich noch immer verlassen: Heiner Koula hat Rosenheim nicht nur mit seiner traditionellen Schneiderei, sondern auch mit seinem sportlichen Einsatz geprägt. Von einem, der im Tischtennis die Welt eroberte, aber Rosenheim nur selten verließ.

Rosenheim – Er ist am 25. Juli 1931 am Schloßberg geboren, in der Innstraße aufgewachsen und hat Rosenheim in den vergangenen 90 Jahren nur selten verlassen. Heiner Koula ist eng mit der Stadt verbunden und führte 37 Jahre lang die gleichnamige Maßschneiderei in sechster Generation. Doch neben den Anzügen bestimmte eine zweite große Leidenschaft das Leben des Jubilars, die auch bei seinem runden Geburtstag im Mittelpunkt stand: Das Tischtennis spielen.

Sport auf selbst gebastelter Platte

„Es sind viele Freunde aus dem Verein gekommen und haben darauf bestanden, mit mir eine Runde zu spielen“, berichtet Koula während bei dem Gedanken an den 25. Juli ein Lächeln über sein Gesicht huscht. Der Vater von zwei Kindern ist seit jeher begeisterter Tischtennisspieler und brachte die Sportart gemeinsam mit seinen Freunden von der katholischen Kirchenjugend nach Rosenheim. Im Alter von 14 Jahren baute man sich aus Brettern eine halbwegs passende Platte und begann im Jahr 1945 zu spielen, egal ob draußen, im Pfarrsaal oder der Wirtschaft.

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Verträumt schaut sich der 90-Jährige Fotos an, die ihn in den 50er Jahren als Stadtmeister zeigen und begibt sich innerlich auf eine Reise. „Es war eine gute Zeit mit feinen Kerlen“, meint er nach einer Weile und erinnert sich an den wichtigen Ausgleich, den ihm der Sport zu seiner schweren Arbeit in der Schneiderei brachte.

Erfolgreicher Sportler vor der Wand voller Medaillen: Heiner Koula ist auch mit 90 Jahren eng mit dem Tischtennis spielen verbunden.

Denn direkt als er den Abschluss am Gymnasium gemacht hatte, sagte sein Vater zu ihm: „Du wirst unsere Tradition weiterführen und Schneider werden.“ Heiner antwortete damals ohne zu zögern: „Wenn du meinst, Vater“, und übernahm das Geschäft, in dem, wie auch heute, Kunden aus ganz Deutschland mit Maßanzügen ausgestattet wurden.

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„Damals war das noch nicht so einfach“, weiß der Rosenheimer und berichtet von durchgemachten Nächten, um die Bestellungen rechtzeitig fertig zu bekommen. Waren die Pflichtaufgaben erledigt, hängte er sich trotzdem noch einmal über die Nähmaschine, um Anzüge für das Tischtennis Team zu schneidern. Zusammen mit seinem Bruder erarbeitete sich Heiner Koula einen guten Ruf, den er im Alter von 60 Jahren an seinen Sohn Heinrich zusammen mit der Schneiderei übergab. „Er war immer engagiert und zudem lange Jahre als Obermeister der Maßschneider-Innung Rosenheim aktiv“, erklärt Heinrich. Anlässlich seines 90. Geburtstages bekam Heiner Koula von seinem Sohn dafür die Ehrenurkunde der Handwerkskammer München und Oberbayern überreicht.

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Angekommen im Ruhestand ging es für den Sportbegeisterten wieder zurück zu seiner Leidenschaft und einem persönlichen Ziel. „Ich wollte noch einmal in meinem Leben Weltmeister werden.“ Für den TuS Bad Aibling trainierte Koula dafür akribisch und krönte seine erfolgreiche Karriere nach fünf Europameistertiteln bei den Senioren mit dem Triumph bei der Seniorenweltmeisterschaft in Spanien.

Volle Konzentration: Heiner Koula wird 1953 Rosenheimer Stadtmeister im Tischtennis.

Auch heute ist der 90-Jährige noch aktiv und aufgeschlossen für alles, was mit Bewegung zu tun hat. Egal ob an der hauseigenen Tischtennisplatte, auf Reisen durch die Welt oder bei Wanderungen im Landkreis. „Er ist immer noch unglaublich fit“, bestätigt seine Tochter Martina. Sie freut sich, dass ihr Vater sich so gut selbst organisieren kann und zu seinen Terminen immer noch „durch die Gegend radelt“.

Auch im hohen Alter noch aktiv

„Ich hatte ein wirklich ausgefülltes Leben“ bilanziert Koula und will weiterhin noch möglichst viel selbst erledigen. Er ist überzeugt, dass es wichtig ist, sich noch täglich zu bewegen, auch wenn er seit der Corona-Pandemie keine großen Ambitionen mehr auf internationale Tischtennisturniere hat. Stattdessen sitzt er zufrieden in seinem Haus in Rosenheim und verfolgt von dort aus die Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen. Auch mit 90 Jahren bleibt Heiner Koula somit wie üblich mit seiner großen Leidenschaft verbunden.

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