BAHN UND STADT DÄMPFEN HOFFNUNGEN

„Hauptbahnhof“ lässt auf sich warten

Verkehrsdrehscheibe für die gesamte Region:Der Rosenheimer Bahnhof. Als „Hauptbahnhof“ soll er aber nicht geadelt werden. Aerzbäck
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Verkehrsdrehscheibe für die gesamte Region:Der Rosenheimer Bahnhof. Als „Hauptbahnhof“ soll er aber nicht geadelt werden. Aerzbäck

Warum hat Rosenheim noch keinen Hauptbahnhof? Im Internet wird darüber diskutiert, Leserbriefe dazu haben die Redaktion der OVB-Heimatzeitungen erreicht und vor allem bei Pendlern wird, beispielsweise im digitalen Bürgerforum „Pinweis“, die Forderung nach einem „Hauptbahnhof“ immer lauter.

Rosenheim – Aschaffenburg hat einen, Passau, Kempten im Allgäu, Ingolstadt und Landshut ebenfalls. Auch Würzburg, Nürnberg und Hof dürfen ihn ihr Eigen nennen. Und München sowieso. Die Rede ist von einem Hauptbahnhof, dem zentralen Bahnhof einer Stadt, wo sich täglich viele Reisende auf den Weg machen, ein-, aus- und umsteigen. Nur Rosenheim hat keinen, braucht ihn aber dringend. Davon sind jedenfalls die Befürworter einer Umbenennung überzeugt. Gründe dafür gebe es gleich mehrere, sagen sie.

Rosenheim hat bereits jetzt mehrere Stationen im Stadtgebiet: Zum einen den „richtigen“, großen am Südtiroler Platz, den Haltepunkt „Rosenheim-Hochschule“ im Norden und den Güterbahnhof „Rosenheim-Süd“ zwischen Kastenau und Kaltwies – auch, wenn dort keine Personenzüge halten. Doch im übernächsten Jahr kommt ein dritter Haltepunkt für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) dazu. Im Dezember 2018 soll die Station „Aicherpark“ eröffnet werden. „Deshalb ist es nicht nachvollziehbar, warum der große, zentrale Bahnhof nicht als Hauptbahnhof betitelt wird“, sagt beispielsweise Thomas Siegert. Schließlich handele es sich nicht um irgendeinen kleinen Dorfbahnhof in der Provinz, sondern um eine wichtige Verkehrsdrehscheibe mit Relevanz für die gesamte Region. „Wir haben eine wunderschöne modernisierte Anlage mit acht aktiven Gleisen, fast alle Zuggattungen halten bei uns – von der Regionalbahn über den Railjet bis hin zum Nachtzug – und wir sind die größte Stadt zwischen München und Salzburg“, bringt es der Rosenheimer, der selbst oft Bahn fährt, auf den Punkt.

Siegert ist einer von vielen Gleichgesinnten, die eine Umbenennung nicht nur ausdrücklich begrüßen würden, sondern diese inzwischen aktiv fordern. Er sehe darin sowohl einen enormen Imagegewinn und eine Aufwertung für die kreisfreie Stadt, als auch einen praktischen Nutzen. Denn: Besonders für Ortsfremde sei es heute schwierig, sich zu orientieren. Oft komme es zu Verwechslungen. Es seien schon Fahrgäste aus Richtung Mühldorf eine Station zu früh, also an der Hochschule, ausgestiegen und hätten sich dann gewundert, wie klein scheinbar der Bahnhof einer 60 000-Einwohner-Stadt ist.

In der zweithöchsten Kategorie

Ein Blick in die Statistik der Deutschen Bahn (DB) beweist: Der Rosenheimer Bahnhof ist alles andere als eine unbedeutende Station. Das Unternehmen hat ihn in die zweithöchste Kategorie eingeteilt. Dazu zählen Stationen, die von wichtigen Fernverbindungen bedient werden oder sich in der Nähe eines Flughafens befinden.

Alle bedeutenden infrastrukturellen Einrichtungen sowie Dienstleistungen rund um die Reise sind bei „Typ 2“ vorhanden. „Zudem ist eine Betreuung der Fahrgäste in den Hauptverkehrszeiten durch unsere Mitarbeiter gewährleistet“, so die Bahn. Ausstattung und Service haben ein ähnlich hohes Niveau wie an Bahnhöfen der höchsten Kategorie 1.

Laut dieser Einteilung liegt Rosenheim gleichauf mit etlichen deutschen Großstädten oder Landeshauptstädten, beispielsweise Freiburg, Erfurt, Mainz und Potsdam. Auch der Bahnhof München-Pasing gehört zur Kategorie 2. Und die Zahl der täglichen Fahrgäste kann sich mit über 20 000 ebenfalls sehen lassen. Damit liegt Rosenheim unter den „Top sieben“ innerhalb Bayerns und bewegt sich bundesweit in der Größenordnung von Fulda, Hanau und Oldenburg.

Der Bahnhof Rosenheim verbindet die Strecken von und nach Holzkirchen, Kufstein, Salzburg, München, Mühldorf sowie Rohrdorf. Internationale Bedeutung hat der Knotenpunkt vor allem im Hinblick auf den Verkehr von und nach Österreich und Italien. Täglich machen aber auch Züge in Richtung Slowenien, Kroatien und Ungarn Halt. An einem durchschnittlichen Werktag halten hier rund 175 Nah- und Fernverkehrszüge.

Innerhalb Bayerns haben bereits heute viele Städte, die kleiner als Rosenheim sind, einen Hauptbahnhof. Dazu zählen Deggendorf, Passau und Berchtesgaden. Der geografisch nächstgelegenste Hauptbahnhof liegt im österreichischen Wörgl. Die 13 000 Einwohner zählende Wirtschafts- und Dienstleistungsstadt gilt als Eisenbahnknoten in Tirol.

Auch im Nahverkehr ist der „Hauptbahnhof“ ein Thema. „Darüber haben wir intern auch schon gesprochen“, so Dr. Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn GmbH (BOB), die den Meridian betreibt, gegenüber unserer Zeitung. Er steht einer Umbenennung positiv gegenüber. „Aus unserer Sicht, auch wegen der hohen Relevanz Rosenheims als Knotenbahnhof Richtung Kufstein und Salzburg, damit Richtung Brenner und Wien, wäre die Aufwertung als Hauptbahnhof sinnvoll“, sagt er. Zudem unterstreiche man damit die Abgrenzung zu „Rosenheim-Hochschule“. Der Bahnchef ergänzt aber, dass hier die Deutsche Bahn gefragt sei. „Leider haben wir hier keinen Einfluss. Wenn die DB es umsetzt, nehmen wir das natürlich in unsere Anzeigen in den Zügen und in die Auskunftssysteme auf“, sagt er.

Die DB allerdings bremst die Forderungen von Pendlern aus. Das Unternehmen habe keine Pläne, den Bahnhof Rosenheim umzubenennen oder den Zusatz „Hauptbahnhof“ zu führen. Grund: Die Abwägung von Kosten und Nutzen ergebe hierzu keinen Bedarf.

Begründungen in der Art, dass die Situation zu Verwirrungen bei Ortsfremden führe, sieht die DB nicht. „Das können wir nicht nachvollziehen, da die Bahnhöfe ja entsprechende Bezeichnungen haben“, so eine Sprecherin gegenüber unserer Zeitung.

Haltepunkte und Bahnhöfe

„Die Bezeichnung eines Bahnhofes als Hauptbahnhof setzt das Vorhandensein weiterer Bahnhöfe in derselben Kommune voraus“, ergänzt Christian Schwalm, stellvertretender Pressesprecher der Stadt. Rosenheim habe aber keine weiteren Bahnhöfe. Bei „Hochschule“ und „Aicherpark“ handele es sich lediglich um sogenannte „Haltepunkte“. „Als Haltepunkt werden solche Stellen bezeichnet, an denen ein- und ausgestiegen werden kann, jedoch keine weitere Infrastruktur, insbesondere keine Gebäude, vorhanden sind“, so Schwalm.

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